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Toms Schuhe reichen Blake Mycoskie längst nicht mehr

Blake Mycoskie hat aus Versehen einen Schuh erfunden, der die Entrepreneur-Welt verändert hat. Nun will er sein Unternehmen Toms zu einer Bewegung machen, die die Wirtschaft ein bisschen besser macht. Ob der Streich aus Absicht genauso gut gelingt?

Blake Mycoskie produziert Schuhe mit gutem Gewissen und bekommt dabei prominente Hilfe. Quelle: Marcel Stahn

Blake Mycoskie braucht Gummistiefel. Am Nachmittag geht es nach New York. Wiedersehen mit Frau Heather und Baby Summit. Viele Instagram-Bilder als Mitbringsel aus London. Es regnet auf der anderen Seite des Ozeans. Im Moment stiefelt der Gründer des kalifornischen Stoffschuhlabels Toms noch in Wildlederschlappen aus eigener Produktion durch englisches Nieselnass. Er ist auf dem Weg zu einem Fernsehinterview bei der BBC. Er bemerkt, dass er nasse Füße hat. „Es ist wichtig, den Fokus auf die wirklich entscheidenden Dinge zu lenken“, sagt Mycoskie, während er um die Pfützen auf der Regent Street tänzelt.

Der Mann fällt auf in der Menge, die sich an diesem grauen Morgen durch die Aorta des britischen Königreiches wälzt. Er trägt eine Strickjacke und Holzketten. Vor allem aber ist es sein Schlenderschritt, der den Gründer des erfolgreichsten Herrenstoffschuhs der Welt von dem Regenschirmgeschehen ringsherum unterscheidet – und seine Neigung, mitten im Regen einfach mal einen Grundsatzvortrag zu beginnen: „Ich bin 39 Jahre und habe vieles erreicht, was man in seinem Leben erreichen kann“, sagt Mycoskie. Deshalb wird es nun Zeit für etwas noch Größeres. So sieht er das.

Mycoskie will „eines der einflussreichsten Unternehmen der Welt“ schaffen. Er will damit den Planeten genauso retten wie den Kapitalismus. Nebenbei reich zu werden wie Dagobert Duck stört als Begleiterscheinung nicht. Größenwahn ist eben ein Teil der Pflicht, wenn man wie Mycoskie im Westküstenmodus vibriert.

Gründertypen: So ticken junge Unternehmer rund um den Globus

Nun hält Mycoskie seinen Vortrag zwar im Regen, aber nicht im luftleeren Raum: Ein paar Kapitel seiner Geschichte hat der gebürtige Texaner bereits zu Papier gebracht. Vor zehn Jahren gegründet, gehört Toms inzwischen zu den Exportschlagern aus Kalifornien. Die Idee der Unternehmung: Für jeden Schlappen, den Mycoskie verkauft, erhält ein Kind auf der Welt ein neues Paar Schuhe. „One for One“ lautet Mycoskies Zauberformel. Er ist damit zum Vorbild für eine ganze Generation von Gründern geworden.

„Vor fünf Jahren noch war es eine Sünde, soziale Themen kommerziell anzupacken“, sagt Christoph Hienerth, Professor für Entrepreneurship an der privaten WHU – Otto Beisheim School of Management. „Jetzt sehen wir einen Trend hin zu: Wer Sozialthemen nicht kommerziell angeht, ist Old School.“

Im Geschäftsjahr 2014/15 hat Mycoskie mit seinem Modell laut der Ratingagentur Moody’s 392 Millionen Dollar umgesetzt. Er hat insgesamt über 60 Millionen Schuhe verkauft. Vom Converse Chuck Taylor All Star, einem der erfolgreichsten Treter aller Zeiten, wurden bis heute über 600 Millionen Paare verkauft.

Allerdings in mehr als 100 Jahren, nicht in einer Dekade. Die Toms-Parole „Shoppen gegen Armut“ zieht bei Alt und Jung, Arm und Reich, bei Berühmtheiten und Normalos. Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat Mycoskie den interessantesten Entrepreneur, den er jemals getroffen habe, genannt. Microsoft-Gründer Bill Gates führte Mycoskie in seinem Artikel „How to Fix Capitalism“ für das Time-Magazin als einen auf, der verstanden hat, wie das zu bewerkstelligen ist. Alle Welt liebt Toms. Deshalb will der Gründer nun die ganze Welt.

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