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Unternehmensziel Diversity "Vielfalt wird glattgebügelt statt wertgeschätzt"

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Machokultur in deutschen Betrieben

Die normativen Kräfte in deutschen Unternehmen sind sehr hoch, wie Ex-Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger sagt. „Ingenieurinnen verlassen mit Mitte, Ende 30 die Unternehmen – nicht um sich um Kinder, Küche, Kirche zu kümmern – sondern sie gehen in die Beratung oder machen sich selbstständig. Und zwar weil sie entweder keine Lust mehr auf die herrschenden Macho-Kulturen haben oder es keine weiteren Karriereperspektiven mehr gibt.“

Denn laut ihm herrschen in vielen Unternehmen noch äußerst homogene Strukturen bis zu „aggressiven old boys-networks“. Solche Unternehmen können so viele Frauen einstellen, wie sie wollen – so lange sie eigentlich nur den Mann im Rock suchen, werden die Frauen dort nicht bleiben.

Frauenquote allein hilft nicht

„Man kann Frauen nicht rekrutieren wie Objekte und sie dann in stählerne Strukturen setzen“, so Sattelberger. Deshalb ist die Frauenquote seiner Meinung nach zwar notwendig, aber eben nicht hinreichend. „Das hat man ja bei BMW gesehen, wo man Frauen eingepflanzt hat, die alle nach 18 oder 20 Monaten wegen dieser reinen Männerkultur wieder weg waren.“ Und eine Unternehmenskultur, die Vielfalt – nicht nur in punkto Frauenförderung – zulässt und fördert, kann man nicht per Gesetz bestimmen. „Stell Frauen ein“ lässt sich verordnen. „Behandle alle deine Mitarbeiter so, dass sie sich wohl fühlen und bei dir bleiben wollen“, ist eine Sache guter Führung.

Es gibt Unternehmen, die bewerkstelligen Diversity mit Links. Sattelberger lobt beispielsweise den Konsumgüterkonzern Henkel, der seiner Meinung nach das beste Diversity-Management habe, weil Vielfalt dort unaufgeregt und organisch gelebt werde. Wenn man die großen 30 einmal außer Acht lässt, können sich Unternehmen laut Dammann außerdem an den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) oder an der Großbäckerei Mestemacher Gruppe aus Gütersloh ein Beispiel nehmen.

Denn in diesen Unternehmen arbeiten Frauen an der Spitze - Ulrike Detmers ist Mitglied der Geschäftsführung und Gesellschafterin der Mestemacher-Gruppe, Sigrid Evelyn Nikutta ist Vorstandsvorsitzende der BVG – ohne dass sie sich hätten wie Männer verhalten müssen, um ernst genommen zu werden.

Diese Unternehmen bieten die besten Karrierechancen für Frauen

Denn in vielen Unternehmen sind typisch männliche Eigenschaften Trumpf. „In Besprechungen mit männlichen Kollegen muss man manchmal Poltern“, weiß Satzger. Sie sagt: „Frauen müssen das Poltern üben, damit man ihnen zuhört.“ Das bestätigt auch Gabriele Schlegel und versucht, junge Frauen entsprechend darauf vorzubereiten.

Wer etwas erreichen will, muss möglichst männlich auftreten

Schlegel ist Dozentin und Geschäftsführerin von Business Behaviour, einem Institut für nationale und internationale Kommunikation und bringt quasi gefälligen lieben Mädchen das Poltern und breitbeinig sitzen bei. Dass das nötig ist, liegt an den von Sattelberger angesprochenen normativen Kräften und der Machokultur in Unternehmen. „Frauen werden in Besprechungen häufiger unterbrochen als Männer“, sagt sie. Außerdem werde das Verhalten einer Frau völlig anders gewertet als das eines Mannes. „Ein Mann kann auch mal einen Einwurf ignorieren, das gilt als souverän. Bei einer Frau heißt es dagegen: Guck mal, wie schnell die still war, da ist der nichts mehr eingefallen.“

Ihr Rat für alle Frauen, die es nach oben schaffen wollen: üben, üben, üben. Mimik und Haltung müssen geändert werden, die Stimme ist wichtig und auch die Kleidung spiele eine Rolle. Sie sagt: „Ich kenne viele Frauen, die für wichtige Meetings einen Hosenanzug statt eines Kostüms anziehen.“ Die Botschaft: Wenn es um etwas geht, sollte man die Weiblichkeit besser zuhause lassen – sonst wird es nichts mit dem Geschäftsabschluss oder der Aufmerksamkeit des Gegenübers. Das ist nicht Schlegels Message, sondern die Realität in vielen Unternehmen.

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