Wechseljahre: Die Menopause ist in Büros ein Tabu. Schade!
Die Deutschen arbeiten im europäischen Vergleich wenig. Das liegt nicht zuletzt an der miesen Erwerbsbeteiligung der Frauen. Zugleich haben wir ein enormes Fachkräftemangelproblem und ein riesiges Potenzial, dieses zu lösen, wenn wir bei denen ansetzen, die längst da sind: den über 40-Jährigen. Ich nicke bei der Aufzählung all der Ursachen fast ein vor Langeweile: unfaires Ehegattensplitting, unzureichende Betreuung, zu wenig Care-Arbeit der Männer. Eine Sache allerdings, die Unternehmen direkt angehen könnten, fristet schamhaft leise ein Schattendasein: die Menopause.
Frauen verbringen ein Drittel ihres Lebens menopausierend und sind während dieses hormonellen Change-Prozesses irgendwie „komisch drauf“. Tiefer reicht das Wissen leider nicht – auch nicht bei den Frauen selbst. Und so hat erst recht niemand eine Ahnung, wie wir’s im Betrieb angehen sollten. Lieber diskutieren wir, was das Thema überhaupt am Arbeitsplatz zu suchen hat, statt es herauszufinden. Währenddessen denkt ein Viertel der betroffenen Frauen über Stundenreduzierung nach, ein Fünftel geht in Frührente – wohl kaum, weil sie zwischenzeitlich reiche Privatiere geworden sind.
Also: Warum gehen sie – und wie könnten wir helfen?
„Die Regel hört auf“, sagte meine Oma. „Da muss man durch“, sagt meine Mutter. „Ich kann nicht mehr“, sagt meine Kollegin – und schleppt sich wie viele Frauen ab Ende 30 durch eine seltsame Pubertät in Reverse.
Wir wollen und müssen lange arbeiten, wenn es uns gut geht. Doch wer nachts nicht schläft, hat tagsüber keine Kraft. Diese Ignoranz all der Gründe, warum Frauen „nicht mitmachen“, ist absurd, wenn ein Hormonstatus und aufmerksame Führung reichen könnten, um nicht nur die Haare, sondern auch Kraft und Nervenkostüm zurückzubringen. Gesundheitsmanagement können wir doch: Notfallhotlines, Kantinenquinoa, Rückenfit – alles da. Betriebsärzte sind längst mehr als Krankmeldungsschranken. Doch statt uns um die kaum erforschten Probleme der Zu-früh-Rentnerin zu kümmern, filtern wir Bedürfnisse weiter aus der Sicht des männlichen Pendants.
Wer künftig A wie Arbeitskraft und F wie Fachkräftemangel sagt, muss auch M wie Menopause sagen, sonst verpassen wir mal wieder den Moment, in dem aus Fürsorge Fachkräftesicherung werden kann.
Lesen Sie auch: Was wirklich hilft, die Arbeitslast zu senken