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Stress auf der Arbeit Wer öfter ausrastet, ist früher tot

Wer im Büro öfter mal ausrastet, muss ernsthafte körperliche Folgen befürchten - Stress kann tödlich sein

Brüllen, Türen knallen, den Kollegen anschnauzen – ein Wutausbruch tut schon mal gut. Doch Vorsicht: Wer zu Zornanfällen neigt, hat ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Acht Tipps für den Stressabbau.

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Wut hat viele Formen. Mal ist sie rasend aggressiv, mal eifersüchtig, mal traurig-frustriert - ein natürliches, normales Gefühl, das uns in unserem Alltag begegnet und nicht unbedingt schädlich sein muss. Wut kann jedoch auch zum Problem werden, wenn sie uns ständig beherrscht, die Kontrolle übernimmt und die Lebensqualität auf vielfältige Weise einschränkt: Es sind nicht nur die Angestellten, die unter einem cholerischen Chef leiden oder Kinder, die sich vor allzu temperamentvollen Eltern ducken – auch der Körper des Jähzornigen selbst leidet.

Dass die Seele unmittelbare Auswirkungen auf den Blutdruck hat, wissen nicht nur Mediziner, auch Betroffene erfahren es am eigenen Leib. Der Wütende spürt Hitze, Herzklopfen und Erröten, wenn sein Ärger zu einem Blutdruck- und Pulsanstieg führt. Der Körper ist in Alarmbereitschaft und schüttet die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin, die unter anderem Einfluss auf die Blutgerinnung haben, vermehrt aus. Auch die Vermutung, dass andauernder Stress und Ärger zu Herzproblemen oder Schlaganfällen führen kann, gibt es schon länger. Laut der Deutschen Herzstiftung kann es etwa gefährlich fürs Herz werden, wenn private oder berufliche Spannungen im Laufe der Zeit zu chronischem Bluthochdruck führen, der zu den größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen zählt.

Eine Meta-Studie der US-Forscher Elizabeth Mostofsky, Elizabeth A. Penner und Murray A. Mittleman, die 2014 in der Fachzeitschrift „European Heart Journal“ veröffentlicht wurde, untermauert die Vermutungen, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen intensiven negativen Emotionen und dem Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall gibt. Für die Untersuchung wurden neun Studien aus den Jahren 1966 bis 2013 ausgewertet, die Patienten mit einem Hang zu heftigen Wutausbrüchen und koronaren Herzkrankheiten bis zum Infarkt (vier Studien), Hirninfarkt (zwei Studien), gerissenen Blutgefäßen (Aneurysmen) im Kopf (eine Studie) und Herzrhythmusstörungen (eine Studie) dokumentierten.

Zwei Stunden nach Wutausbruch ist das Risiko erhöht

Die Auswertung der US-Wissenschaftler stützt die These, dass Ärger zu körperlichen Problemen führen kann – und zeigt darüber hinaus, dass bereits kurze Attacken von psychischem Stress in Form von Wutausbrüchen erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Die Forscher berechneten, dass in den zwei Stunden, die auf einen Wutanfall einer Person folgen, das Risiko für einen Herzinfarkt um nahezu das Fünffache, die Gefahr eines Hirninfarkts um mehr als das Dreifache steigt. Das Risiko eines platzenden Aneurysmas im Kopf steigt laut den Berechnungen in der Stunde nach einem Wutanfall sogar um mehr als das Sechsfache. Die Gefühlsausbrüche können demnach auch zu Herzrhythmusstörungen führen. Zum Vergleich wurden die Zeiten herangezogen, in denen der Patient emotional ausgeglichen war.

In der Statistik zeigte sich, dass von 10.000 untersuchten Patienten ohne weitere Risikofaktoren, bei denen fünf Mal am Tag ein Wutausbruch nachgehalten wurde, 158 Patienten pro Jahr einen Herzinfarkt erlitten. Hatten die Patienten in der Vergangenheit bereits Probleme mit ihrem Herz-Kreislaufsystem, wächst das Risiko deutlich.

Auch weitere Vorerkrankungen wie Diabetes oder Übergewicht und Zigarettenkonsum gelten als Risikofaktoren. Für 10.000 Menschen, die zusätzlich zu den fünf Wutanfällen noch solche Risikofaktoren trugen, errechneten die Studienautoren 657 Menschen mit Infarkt pro Jahr.

Eine Feststellung der gefährlichen „Wut-Dosis“  war den Forschern nicht möglich, da die Heftigkeit der Wut-Gefühle in den Studien zumeist nicht gemessen wurde. Lediglich die beiden Untersuchungen zu Herzrhythmusstörungen belegten ein höheres Risiko bei wutentbrannten Patienten („furious“ im Original), als bei mäßig wütenden („moderately angry“) Personen. Auch bleiben biologische oder andere Ursachen wie sozioökonomische Einflüsse oder Medikamenteneinnahme unklar, da die Stichproben für solche Schlussfolgerungen zu klein waren.

Zwar seien Wutausbrüche bei Patienten mit niedrigerem Bildungsstand häufiger aufgetreten, jedoch könne man hier keine Verbindung zu Herz- oder Hirninfarkten nachweisen. Auch, ob etwa die Einnahme von Beta-Blockern oder Aspirin das Risiko, das mit den Wutausbrüchen einhergeht, senken kann, sei nicht statistisch signifikant nachzuweisen gewesen.

Den Groll einfach herunterschlucken?

Konflikte und Streit gehören zu unserem täglichen Leben, sei es im Job oder in der Familie. Ärger lässt sich nicht vermeiden. Leben nun Menschen, die ihren Frust herunterschlucken, gesünder als Choleriker? Mitnichten. Schon im Jahr 1939 hat der Psychoanalytiker und Mitbegründer der Psychosomatik, Franz Alexander, die These aufgestellt, dass auch unterdrückter Ärger zu Bluthochdruck führen kann. Auch psychische Probleme wie Depressionen oder Bulimie führte er darauf zurück.

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6. Das VeränderungsmodellDas besagt diese Theorie: Auftauen, verändern, wieder einfrieren - das ist das Motto dieser Theorie. Kurt Lewin vergleicht sein Modell mit einem Eiswürfel, den man in einen Eiskegel verwandelt. Nach seiner Argumentation motiviert man durch den dreistufigen Prozess die Menschen dazu, dass sie den Wandel wollen. So wenden Sie diese Theorie an: Seien Sie sich darüber im Klaren, welche Veränderungen Sie vornehmen wollen und warum sie nötig sind. Danach steht die Gewinnung von Unterstützung im Mittelpunkt. Dabei heißt es geschickt sein: Diejenigen, die für das Geld zuständig sind, wollen finanzielle Gewinne sehen. Die Personalabteilung dagegen fordert positive Auswirkungen auf die Mitarbeiter. Aber unterschätzen Sie nicht die Macht der Kollegen: Sie müssen die Vorteile der Veränderung verstehen - das ist entscheidend für den Erfolg. Quelle: dpa
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Eine schwedische Langzeit-Studie wies nach, dass heruntergeschluckter Ärger das Herzinfarkt-Risiko erhöht. Die Forscher untersuchten in den Jahren 2755 männliche Teilnehmer, die zu Beginn der Untersuchungen in den Jahren 1992 bis 1995 gesund waren und noch nie einen Herzinfarkt erlitten hatten. Mit Fragebögen wurde erhoben, ob sie sich auf der Arbeit unfair behandelt fühlen und wie sie damit umgehen. Das Forscherteam um Constanze Leineweber vom Stress Research Institute der Universität Stockholm stellte in der zehn Jahre andauernden Beobachtung der Probanden fest, dass es einen Zusammenhang zwischen aufgestauter Wut und Herzerkrankungen gibt. Die Männer, die regelmäßig ihren Ärger herunterschluckten, wiesen ein doppelt so hohes Risiko für Herzkrankheiten bis hin zum Tod durch Herzinfarkt auf.

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