Krawatte Die Qual der Krawatten-Wahl

Eine Krawatte ist mehr als ein Stück Stoff – sie ist das modische Accessoire im Business schlechthin. Bei der Auswahl können Sie viele Fehler machen. Doch über Stil-Tipps streiten sich selbst Experten.

Welcher Krawattentyp sind Sie? Quelle: Getty Images

Ein Gedankenspiel: Sie sind auf einer Hochzeit, sitzen in der Kirchenbank – und warten darauf, dass die Zeremonie beginnt. Der Brautvater führt die Zukünftige in weißem Spitzenkleid und Schleier zum Altar. Der Auserwählte wartet bereits: im dunklen Anzug, mit hellem Hemd – und offenem Kragen. Bei den meisten würde dieser krawattenlose Auftritt – vor allem bei der älteren Generation – für irritierte Blicke sorgen.

Nicht nur bei feierlichen Anlässen, auch im Arbeitsalltag ist die Krawatte in vielen Branchen unabdingbar. Zwar schaffen immer mehr Unternehmen die Krawattenpflicht ab. Doch aus dem Kleiderschrank deutscher Männer wird der Schlips nie ganz verschwinden. "Der Mann braucht die Krawatte, um sich in eine sachliche oder feierliche Stimmung zu versetzen", ist sich Stilexperte Bernhard Roetzel sicher.

Doch Krawatte ist nicht gleich Krawatte – und nicht jeder Binder passt zu jedem Typ. Umso schwieriger ist es, das richtige Modell zu finden: Neben der Farbe müssen auch Muster, Knoten, Breite und Material passen.

In diese Fettnäpfchen treten Männer
Krawattentypen Quelle: Fotolia
Verkäufwerim Quelle: Fotolia
Geschenk Quelle: Fotolia
Abgleich Quelle: dpa
Mehrere aufgerollte Krawatten Quelle: Fotolia
Mann zieht Krawatte vorm Spiegel an Quelle: Fotolia
Einstecktuch Quelle: Fotolia
Schwarze Krawatten Quelle: Fotolia
Mann steht auf Waage Quelle: dpa

Die WirtschaftsWoche hat drei bekannte Stilexperten gefragt, welche Krawatte welchem Typ Mann steht. Das Ergebnis: In vielen Punkten sind sich die Experten zwar einig – im manchen driften die Meinungen aber genauso deutlich auseinander. An welchen Regeln Sie sich bei der Krawattenwahl orientieren können:

Proportionen müssen zur Größe des Knotens passen

Die Stilexpertin Elisabeth Motsch hat verschiedene Krawattentypen erforscht – und ist überzeugt, dass die Proportionen von Augenbrauen, Nase und Mund zur Größe der Krawattenknotens passen müssen. Heißt: Sind die Gesichtskomponenten eher klein, dann sollte auch der Knoten nicht zu groß sein. "Der ehemalige Ministerpräsident Kurt Beck hat zum Beispiel größere Gesichtskomponenten. Wenn er einen kleinen Knoten trägt, passt das weder zum Gesicht noch zur Statur", sagt Motsch. Je größer die Kleidergröße und Gesichtsteile, desto größer auch der Knoten. Je kleiner also Augen, Nase, Mund und Co. sind, desto kleiner sollte auch der Knoten sein. "Ein gutes Beispiel ist TV-Moderator Kai Pflaume. Er trägt immer schmale Krawatten und kleine Krawattenknoten, egal welche Mode gerade herrscht", sagt Motsch.

Auch Stilexperte Jan Schaumann glaubt, dass ein dünner Mann mit einem großen Krawattenknoten die Aufmerksamkeit vom Gesicht weglenkt. Doch anders als seine österreichische Kollegin er ist der Meinung, dass auch schlanke Männer durchaus einen etwas dickeren Knoten tragen können – zum Beispiel in Kombination mit einem breit ausgeschnittenen Hemdkragen: "Durch einen Haifischkragen bildet der Knoten nicht einen Klotz, der unter einem ganz dünnen Hals hängt, sondern es ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild", sagt Schaumann.

Zu dünne Knoten bilden vertikale Linien, die den ohnehin schon schlanken Mann noch schmaler erscheinen lassen. Genau deshalb sind sehr dünne Krawattenknoten seiner Meinung nach für etwas stämmigere Männer geeignet. "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein dickerer Mann mit einem dünnen Knoten albern aussieht, ist relativ gering. Der Knoten fällt durch den Halsumfang ohnehin schon breiter aus als bei einem Dünnen."

So geht der Krawattenknoten "Four-In-Hand"
Schritt 1Stellen Sie den Kragen Ihres zugeknöpften Hemdes auf und legen Sie sich die Krawatte mit der Vorderseite nach oben um den Hals. Dann legen Sie das längere über das kürzere Ende. Dabei sollte das kürzere Ende bei durchschnittlich großen Männern ungefähr auf Höhe der Taille enden. Diese Faustformel variiert jedoch, je nach Größe der Person und Dicke der Krawatte. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 2Führen Sie das lange Ende unterhalb des kurzen Krawattenendes durch und fixieren Sie die dabei entstehende Umwicklung mit dem Finger. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 3Nun schlagen Sie das lange Ende erneut über das kurze Ende der Krawatte, sodass das kurze Ende vom langen im Prinzip einmal „umwickelt“ wurde. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 4Jetzt führen Sie das lange Ende nach oben an den Hals und führen es durch das Loch zwischen der umgelegten Krawatte und des Halses. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 5Das ist der entscheidende Schritt: Sie stecken das lange Ende der Krawatte durch das Loch auf der Vorderseite des kurzen Endes, dass durch die Umwicklung in Schritt 3 entstanden ist. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 6Wichtig dabei: Halten Sie die Umwicklung mit dem Finger immer weit oben am Hals fest, während Sie das lange Ende durch das Loch führen und den Knoten festziehen. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 7Der Abschluss: Ziehen Sie die Krawatte fest und achten darauf, dass Sie mittig zwischen den Kragenflügeln sitzt. Das perfekte Finish erreichen Sie, wenn Sie der Krawatte kurz unter dem Knoten eine kleine Delle eindrücken, in Fachkreisen Dimple genannt. Das sorgt für leichte Lichtreflexion auf der Krawatte und lässt den Knoten eleganter wirken. Haben Sie die richtige Länge gewählt, sollte die Krawatte die Gürtelschließe gerade noch berühren. Quelle: Felix Ehrenfried

Egal wie dick der Knoten wird - wichtig ist in jedem Fall, dass er richtig sitzt. Der oberste Knopf des Hemdes sollte geschlossen sein. "Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als wenn der Knoten so auf Halbmast hängt, als hätte man die letzte Nacht durchzecht", sagt Motsch. So etwas sei allenfalls bei bekannten, extrovertierten Stars ein modisches Statement.

Die Deutschen tragen doppeltgebundene Krawatten

Vor allem im deutschen Business geht es strenger zu. Während es für die Italiener normal ist, einen schrägen Krawattenknoten – also einen halben Windsor – zu tragen, darf es in Deutschland und Österreich meistens nur ein doppelter Windsor sein. Denn: "Deutsche und Österreicher sind in der Regel konservative und korrekte Typen", weiß die Stilexpertin. "Viele empfinden einen schiefen Knoten als unordentlich." Die Italiener seien da freiheitsliebender und dynamischer.

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