1. Startseite
  2. Management
  3. Trends
  4. Künstliche Intelligenz im Job: Beim Thema KI fordern Unternehmen viel – und fördern wenig

Fit für künstliche Intelligenz?KI im Job? Diese Grafiken zeigen, wie Firmen ihre Mitarbeiter im Regen stehen lassen

Geht es um künstliche Intelligenz, klaffen Anspruch und Realität auseinander. Fünf Grafiken zeigen, was Unternehmen verlangen – und was sie bieten.Emma Möllenbrock 17.06.2025 - 16:40 Uhr
Mitarbeiter sollen KI-Tools beherrschen – dabei vertrauen viele Führungskräfte nicht mal ihrer eigenen KI-Strategie. Foto: AcadMedia GmbH

Prompten, automatisieren, neue Tools in den Arbeitsalltag integrieren – all das sollen Beschäftigte heute möglichst eigenständig umsetzen. Viele Unternehmen gehen inzwischen davon aus, dass ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht nur offen für künstliche Intelligenz (KI) sind, sondern sich auch selbstständig das nötige Wissen aneignen.

Doch eine aktuelle Umfrage des Personaldienstleisters Adecco Group zeigt: Zwischen diesen Erwartungen und der tatsächlichen Unterstützung klafft eine deutliche Lücke. Für die Untersuchung „Führung in Zeiten von KI: Erwartung versus Realität“ wurden rund 2.000 Geschäftsführer befragt, die zusammen etwa 10.000.000 Angestellte verantworten.

60 Prozent von ihnen geben an, dass sie von ihrer Belegschaft erwarten, sich eigenständig neue KI-bezogene Fähigkeiten anzueignen. Diese soll sich „mit KI beschäftigen, ausprobieren, testen, antizipieren, was dafür im Business genutzt werden kann, und dann idealerweise selbstständig einsetzen“, skizziert der Deutschlandchef der Adecco Group Peter Blersch die Haltung vieler Manager.

Die dafür nötige Begleitung durch das Unternehmen ist jedoch oft unzureichend: Zwar bieten laut der Untersuchung in diesem Jahr rund 59 Prozent der Unternehmen entsprechende Schulungen an – doch nur 25 Prozent der Belegschaft nehmen diese tatsächlich in Anspruch. „Die Fortbildungen, die gemacht werden, sind zu generisch, viele treffen nicht auf den konkreten Beruf und die Situation des Mitarbeiters zu“, so Blersch.

Viele Angestellte empfinden eine solche Schulung außerdem eher als eine zusätzliche Belastung denn als eine wertvolle Unterstützung. „Die Arbeitsbelastung ist in vielen Bereichen bereits hoch – eine Schulung ist daher ein weiterer Aufwand“, betont Blersch.

KI-Weiterbildung muss alltagstauglich sein

Statt auf die klassische Schulung, für die man einen halben Tag lang in einen Seminarraum verschwindet und dann eine Menge auf einmal vorgesetzt bekommt, könnten Unternehmen stärker auf kleinere Lerneinheiten setzen, die sich besser in den Arbeitsalltag einbinden lassen. Auch ein Ansatz: Peer Learning, also das Prinzip, wonach ein technikaffiner Mitarbeiter sich ein KI-Tool aneignet und es anschließend im Team weitervermittelt.

Jedoch fehlt vielen Arbeitnehmern auch eine klare Vorstellung davon, welche Rolle KI künftig in ihrem Job spielen wird – und was konkret von ihnen erwartet wird. Was müssen sie können? Welche Aufgaben fallen künftig weg, welche kommen neu hinzu? Diese Fragen bleiben in vielen Unternehmen unbeantwortet.

Das sorgt für Verunsicherung – etwa bei Beschäftigten, die bislang kaum Berührung mit KI hatten, und vor allem in den Abteilungen, die sich durch Automatisierung besonders stark verändern könnten. Viele haben Sorge, im Wandel nicht mehr mithalten zu können, beobachtet Blersch.

Die fehlende Perspektive auf die eigene Entwicklung bremst nicht nur die Lernbereitschaft, sondern auch die Akzeptanz neuer Technologien. Wer den Nutzen für sich nicht erkennt, wird KI nicht einfach mitdenken. Was daher an vielen Stellen fehlt, ist eine klare, nachvollziehbare Strategie, die den Umgang mit KI greifbar macht.

Unternehmen müssten festlegen, wie KI konkret eingesetzt werden soll, welche Fähigkeiten dafür notwendig sind und wie Mitarbeiter dabei unterstützt werden – verständlich, aktuell und praxisnah. „Wenn die Kluft zwischen Anspruch und klarer Strategie so groß bleibt, gibt es das hohe Risiko, dass die Mitarbeiter die Lust auf KI verlieren“, warnt Blersch.

Wenig Vertrauen in die eigene Strategie

Was außerdem leidet, ist das Vertrauen in das Führungsteam. Arbeitnehmer zweifeln daran, ob das Management über die nötigen Fähigkeiten verfügt, um Chancen und Risiken von KI richtig einzuschätzen. Laut einer weiteren Erhebung der Adecco Group, der Global Workforce of the Future-Studie, ist weniger als die Hälfte der befragten Arbeitnehmer überzeugt, dass ihr Führungsteam im Umgang mit Künstlicher Intelligenz ausreichend kompetent ist. Und auch bei den Führungskräften selbst schwindet die Zuversicht: Vertrauten 2024 noch 69 Prozent auf ihre eigene KI-Strategie, sind es 2025 nur noch 58 Prozent.

Ein deutlicher Rückgang, der mit den hohen Erwartungen in der frühen KI-Euphorie zu tun hat. Viele Unternehmen hatten ambitionierte Strategien formuliert – doch in der Umsetzung zeigt sich: Der Weg ist komplexer, langsamer und fordernder als gedacht. „Viele Führungskräfte spüren, dass die Erwartungen nun auf die Realität treffen und die Umsetzung schwieriger ist als gedacht“, erklärt Blersch.

Statt Vertrauen aufzubauen, entsteht so oft ein diffuses Gefühl von Überforderung – sowohl bei denen, die führen, als auch bei denen, die folgen sollen. Was helfen kann, ist ein klar definiertes ethisches Rahmenwerk für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Unternehmen, die über ein solches Konzept verfügen, berichten von anpassungsfähigeren Teams, höherer Akzeptanz gegenüber KI und positiven Effekten auf ihre Talentstrategie – also auf die Frage, welche Kompetenzen künftig im Team gebraucht werden, wie diese gezielt aufgebaut werden können und wie sich Talente langfristig im Unternehmen halten lassen.

Viele Unternehmen mit einem solchen Rahmenwerk verfolgen einen dreistufigen Ansatz: Sie erklären ihren Teams, was von ihnen erwartet wird, unterstützen sie dabei, dies zu erfüllen, und schaffen klare Verantwortlichkeiten für den individuellen Fortschritt.

Auch Peter Blersch betont, wie wichtig diese Struktur ist – gerade angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich KI-Anwendungen entwickeln: „Diesen Rahmen zu setzen, ist wichtig, weil das Angst nimmt. Und es gibt Klarheit: Was kommt jetzt konkret auf mich zu?“

Es gehe nicht darum, jede technische Neuerung im Voraus zu kennen, sondern darum, offen zu kommunizieren, in welchen Bereichen KI im Unternehmen eingesetzt wird und welche Veränderungen sich dadurch für einzelne Rollen ergeben. Ziel sei es, den Wandel so zu erklären, dass Mitarbeitende verstehen, was auf sie zukommt – und wie sie sich gezielt weiterentwickeln können.

Letztlich müsse auch das Lernen selbst einfacher werden: praxisnah, integriert in den Arbeitsprozess und nicht bloß als abstraktes Zusatzangebot. „Je näher an der konkreten Anwendung, desto besser“, so Blersch. Nur so könne KI tatsächlich im Alltag ankommen – und nicht nur in PowerPoint-Präsentationen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick