Leistungssport: Vom High- zum No-Performer in einer schmerzhaften Sekunde

Unsere Autorin Lara Dehari ist Ultraläuferin und macht Leistungssport, seit sie acht Jahre alt ist. Hier teilt sie ihre Tipps, Anekdoten und ehrlichen Gedanken aus fast 20 Jahren Sportlerleben.
Eigentlich sollte dieser Text bereits vor mehreren Monaten entstehen. Aber damals war die Welt auch noch in Ordnung: Ich sollte in diesem Jahr 100 Kilometer durch die walisischen Berge krakseln und eine neue Bestzeit im Marathon laufen. Nichts davon ist passiert. Stattdessen warte ich auf Arzttermine, während andere Menschen seit Monaten auf den Start des Ironman hinarbeiten.
Das Jahr 2025 wird nicht mehr meines werden, zumindest sportlich gesehen. Und als ambitionierte Sportlerin habe ich natürlich eine Identitätskrise, die ich versuche, in zu viel Arbeit zu ertränken. Bloß nicht darüber nachdenken, wie mir nicht nur das Band in meinem Fuß, sondern auch das Herz ein- und ausgerissen und überhaupt in fünf Stücke zerteilt wurde.
Sie müssen sich vorstellen: Seit zwei Monaten versuche ich mir einzureden, dass ich mehr bin als meine sportliche Leistung. Und dass man aus Verletzungen ja auch was lernen kann. Resilienz – habe ich gehört. Nach dem Tief kommt auch wieder ein Hoch, oder so ähnlich. Seit die Schmerzen ein wenig abgenommen haben, ist mein Strava-Profil voll von Rad- und Schwimmeinheiten. Schließlich ist Sport wichtig für die mentale Gesundheit. In dem Wissen, dass mein Talent (und meine harte Arbeit natürlich) erst zum Vorschein kommt, wenn ich mal mindestens drei Stunden durch einen Wald gejoggt bin. Doch genau das bleibt mir verwehrt. Ich kann also nur scheitern.
Manchmal schließe ich meine Augen und versuche, es mir angestrengt vorzustellen. Keine stickige Fitnessstudio-Luft, sondern der Wind in den Haaren. Ein Schritt nach dem anderen.
Dass der Herbst die schönste Jahreszeit zum Laufen ist, macht es natürlich nicht besser. Na ja, zurück ins Fitnessstudio. Ganz reicht meine Vorstellungskraft dann doch nicht aus. Zumindest um eines mache ich mir weniger Gedanken: ob ich nach dieser Pause langsamer sein werde. Die Frage ist eher, wie viel.
Zu meinen Lauffreunden würde ich sagen, „dann könnt ihr endlich mal mit mir mithalten“. Zum Glück kommt die Fitness ja relativ schnell wieder zurück. Das ist, was ich mir derweil erzähle. Immer und immer wieder.
Bleiben Sie positiv, ja wirklich!
An dieser Stelle möchte ich Ihnen unbedingt einen Tipp mitgeben: Falls Sie wirklich Angst haben, wegen einer Verletzung Ihre Leistungsfähigkeit zu verlieren – weil Sie beispielsweise kurz vor einem Wettkampf stehen –kann ich Ihnen versichern: Solange Sie in der Zeit vernünftig Ausgleichssport betreiben, werden Sie schnell wieder Anschluss finden. Für Läufer – da spricht meine Erfahrung – ist das die perfekte Zeit, endlich mal das Krafttraining der letzten drei Jahre nachzuholen. Ihre Knie werden es Ihnen danken.
Auch wenn es sich für mich gerade nicht so anfühlt, wenn ich mit anderen Sportlern spreche, erzählen sie mir immer, dass sie an ihren absoluten Tiefpunkten gewachsen sind. Doch wer wäre ich, würde ich mich mit solchen Aussagen zufriedengeben? Ich musste es natürlich besser wissen. Und siehe da: Studien zeigen tatsächlich, dass einige Sportler aus einer Verletzung mental stärker hervorgehen, aber: Das hängt stark davon ab, wie groß Ihre mentale Resilienz vor der Verletzung war und wie positiv oder negativ sie damit umgehen.
Ich weiß nicht, wie Sie es wahrnehmen, aber ich finde meine Einstellung absolut positiv! Es gibt keinerlei Grund, an mir zu arbeiten. Im Gegenteil, ich trainiere so euphorisch in meinem stickigen Fitnessstudio, dass ich zwischen den Übungen noch Zeit habe, diese Zeilen zu schreiben.
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