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Macht – anders!
So bunt wie im Reich der Playmobil-Figuren sieht es in der deutschen Wirtschaft noch nicht aus. Fragt sich nur: Wie können Firmen mehr Frauen für sich gewinnen? Quelle: dpa

Diversity ist kein Konzept

Unternehmen wollen mehr Frauen für sich gewinnen. Und vergessen, während sie über ausgefeilte Strategien brüten, die kleinen Dinge, die Arbeitnehmerinnen ansprechen.

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Kennen Sie das? Eigentlich wissen Sie, dass die Sache dringend ist. Aber weil Sie damit ordentlich Eindruck machen und wirklich alles genauestens abgewogen wissen wollen, schieben Sie sie immer wieder auf. Und am Ende wird nichts daraus.

Genau so, das ist mein Eindruck, geht es Unternehmen bei dem Versuch, mehr Frauen für sich zu gewinnen. „Wir sind noch nicht so weit, Frauen unser Angebot vorstellen zu können.“ Diesen Satz höre ich regelmäßig von Personalverantwortlichen. Sie träumen vom großen Wurf, einem umfassenden Konzept und einer ausgefeilten Angebotspalette, anstatt Frauen einfach direkt anzusprechen.

Einerseits ist dies verständlich: Wenn es etwa um flexiblere Arbeitszeiten geht, gilt es vieles zu bedenken. Gerade in der Pandemie spielte Flexibilität von Arbeitgebern eine große Rolle: Geschlossene Kitas und Schulen führten unter anderem dazu, dass jede zweite Mutter ihre Arbeit teilweise am Abend oder am Wochenende erledigte, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung belegt.

Mit kleinen Schritten starten

So bremst der Eindruck, ein perfektes Konzept zu bieten zu müssen, viele Firmen. Das Thema erscheint so riesengroß, dass es auf die lange Bank geschoben wird.



Besser wäre es, mit kleinen Schritten anzufangen – wie das Beispiel der Zurich Versicherung in Großbritannien zeigt: In einem Projekt mit dem Verhaltensforschungsteam der britischen Regierung nahm das Unternehmen in Stellenanzeigen lediglich sechs zusätzliche Wörter auf: „offen für Teilzeit, Vollzeit oder Jobsharing“. Die Anzeigen waren gendergerecht formuliert und Vorgesetzte, die bestimmte Stellen nur für Vollzeit geeignet hielten, mussten dies wirtschaftlich begründen. Das Ergebnis: Der Versicherungskonzern erhielt 16 Prozent mehr Bewerbungen von Frauen – bei Managementjobs lag das Plus sogar bei 19 Prozent und einem Drittel mehr Einstellungen.

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Diversity ist kein Konzept, sondern eine Haltung: Es braucht vor allem pragmatisches Denken. Frauen warten nicht auf Frauenförderung. Das haben sie nicht nötig, denn sie sind so gut qualifiziert wie nie. Wenn Arbeitgeber aber ehrliches Interesse daran zeigen, Frauen zu beschäftigen, haben sie im Rennen um Talente beste Chancen.

Mehr zum Thema: An Frauen bleibt noch immer viel zu oft die Arbeit mit Kindern und in der Küche hängen. Karriere können sie nur machen, wenn die Männer mitspielen: in der Politik, in Unternehmen – und in der Partnerschaft.

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