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Ökonomieprofessor forscht zu Lügen "Männer lügen häufiger als Frauen"

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Kein Argument für Frauenquoten

Ihre Ergebnisse sind aber auch kein Argument für Frauenquoten. Immerhin wurde in den gemischten Gruppen genauso dreist gelogen, wie in den rein männlichen.

Stimmt, in den gemischten Teams wurde ähnlich viel geschummelt, wie bei den rein männlichen Gruppen. Allerdings wäre ich hinsichtlich der Effekte von Frauenquoten in größeren Entscheidungsgremien nicht so pessimistisch. Wir haben im Experiment schon klar gesehen: Wenn zwei Frauen zusammen entscheiden, ändern sich die Präferenzen hin zu mehr Ehrlichkeit schon sehr stark. Wie genau Aufsichtsräte oder Vorstände geschlechterspezifisch idealerweise zusammengesetzt sein müssen, um möglichst ethisches Verhalten zu fördern, ist aber bislang ungeklärt.

In ihrem Experiment war das Verhältnis von Männern und Frauen in den gemischten Gruppen 50:50. Trotzdem wurde stark geflunkert. Eine Frauenquote von 30 Prozent würde mit Blick auf ethischere Entscheidungen demnach nichts bringen.

Da muss ich Ihnen widersprechen. Wenn man unser Ergebnis wörtlich interpretiert, dann haben Sie Recht: Eine Frauenquote von 50 Prozent war nicht ausreichend, um eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Aber in unserem Versuch haben immer nur zwei Menschen miteinander interagiert. Es gibt also nur einen Anteil von 50 oder 100 Prozent eines Geschlechts. Wenn die Gruppe aber größer wäre, zum Beispiel wenn drei Frauen in einer Zehnergruppen wären, dann können sich die Frauen gemeinsam mehr Gehör verschaffen und sind eventuelle eher bereit, wie in den rein weiblichen Gruppen, ihre Präferenzen zu ändern und mehr Ehrlichkeit einzufordern. Das heißt: Eine Frauenquote von 30 Prozent ist nicht automatisch zu gering.

Sie gehen davon aus, dass Männer in gemischten Gruppen den dominanteren Part einnehmen?

Ja, es scheint so, als könnten die Männer ihre Vorstellungen in gemischten Gruppen stärker durchsetzen. Fraglich ist aber, wie sich das bei größeren Gruppen entwickelt. Wir können unsere Ergebnisse nicht eins zu eins auf größere Gruppen übertragen.

Arbeiten Sie schon an weiteren Experimenten?

Wir denken da aktuell in unterschiedliche Richtungen nach. Eine Idee: Wir haben den Probanden schon am Anfang einen kleinen Bonus als Dankeschön für die Teilnahme bezahlt. Studien haben gezeigt, dass wenn man nett zu anderen ist, sie tendenziell auch freundlicher zu einem selbst sind, was ja nicht wirklich überrascht. Die eine oder der andere Teilnehmer könnte also im Kopf gehabt haben: Die waren nett zu mir, also werde ich sie nicht durch die Angabe eines falschen Ergebnisses ausnützen.

Ohne das Taschengeld gleich zu Beginn hätten die Probanden noch stärker gelogen?

Ja, diese Vermutung liegt nahe. Und es könnte sein, dass sich Männer und Frauen davon unterschiedlich beeinflussen lassen. Wir experimentieren weiter. 

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