BörsenWoche 526: Editorial: Rauf und runter – wieso Aktien so stark ausschlagen
Es war ein kurzes Vergnügen, aber immerhin: Am Mittwoch wurde Larry Ellison für kurze Zeit zum reichsten Mensch der Welt. Ellison ist Mitgründer und Großaktionär des Datenkonzerns Oracle. Dessen Aktie stieg in der Spitze um 43 Prozent, weil der Konzern steigendes Interesse an Rechenzentren für künstliche Intelligenz (KI) vermelden konnte. Der Börsenwert von Oracle legte am Mittwoch zeitweise um fast 300 Milliarden Dollar zu. Die absolute Zahl ist beeindruckend – aber auch die relative.
Dass eines der wertvollsten Unternehmen der Welt solche Kurssprünge hinlegt, ist äußerst selten. Wie kommt es zu solch heftigen Ausschlägen? An der Börse gibt es darauf zwei Antworten. Manchmal ist es pure Zockerei. Gerade bei besonders kleinen Unternehmen oder Pennystocks (Pleitekandidaten mit Minikursen) kann Spekulation zu heftigen Kursschwankungen führen.
Bei etablierten Unternehmen steht aber meist mehr hinter einem starken Kursausschlag. Es braucht eine Neuigkeit, welche die langfristigen Aussichten grundlegend verändert. Denn die Börse fragt sich stets, was sie von der Zukunft halten soll. Ändert sich das erwartete Wachstum, braucht es einen neuen Aktienkurs, der fair erscheint. Weil aber auch bei Umsatz und Gewinn der Zinseszinseffekt greift, kann die Logik zu großen Kurssprüngen führen. Ob ein Unternehmen in den kommenden zehn Jahren seinen Gewinn um sieben oder um zehn Prozent pro Jahr steigert, macht schon heute einen gewaltigen Unterschied.
Am besten lässt sich das anhand von Beispielen verstehen. So gut die Laune bei den KI-Profiteuren aktuell ist: Ende Januar war sie miserabel. Das schlanke KI-Modell DeepSeek aus China schockierte. Die Angst ging um, dass KI sich womöglich einfacher entwickeln ließe und deshalb weniger Chips des Spezialisten Nvidia benötigt würden. Am 27. Januar verlor die Nvidia-Aktie deshalb 18 Prozent an Wert. Der Konzern verlor gut 600 Milliarden Dollar Börsenwert an nur einem Tag – der höchste Tagesverlust der Börsengeschichte.
Aber nicht nur KI wirbelt die Börse dieses Jahr auf. So musste etwa das US-Modelabel Lululemon 2025 bisher Tagesverluste von 16, 20 und 21 Prozent hinnehmen. Die Aktie hat seit 2024 zwei Drittel an Wert verloren. Dabei sollten Lululemons Yogapants und Jogginghosen in den legeren Zeitgeist passen. Niedriges Wachstum hat Anleger nun aber neu rechnen lassen.
Der Taschenrechner hat auch The Trade Desk erwischt. Die Aktie ist hierzulande wenig bekannt, war aber vor allem von US-Anlegern lange Zeit heiß geliebt. Mit programmatischer Werbung ist The Trade Desk stolz gewachsen: Der Gewinn stieg in zehn Jahren um den Faktor 20. Aus und vorbei – schlechte Aussichten ließen die Aktie am 8. August um 40 Prozent crashen.
Ein Happy End gab es dagegen für Aktionäre der Softwarefirma Shopify. Die Kanadier sind auf E-Commerce spezialisiert und mussten im Frühling schlechte Zahlen vermelden. Anleger revidierten ihre Erwartungen, die Aktie sank am 3. April um 19 Prozent. Wenige Monate später war die Fantasie wieder angeregt. 31 Prozent Umsatzwachstum im jüngsten Quartal und begrenzter Gegenwind durch Zölle ließen die Aktie am 6. August um ein Fünftel steigen.
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