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Börsen im Cannabis-Rausch Reddit-Nutzer: Die Karawane zieht weiter

Die Narren sind los - offenbar auch an der Börse: Kleinanleger, die vor allem mittels Smartphone-App am Aktienmarkt handeln, treiben derzeit die Kurse von Cannabis-Aktien. Quelle: imago images

Erneut verabreden sich Privatanleger im Anlegerforum „Wall Street Bets“ zum Aktienkauf, diesmal treiben sie Cannabis-Aktien in die Höhe. Waren die Käufer zu vernebelt, dass sie da nicht früher drauf gekommen sind?

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Pünktlich zum Auftakt des Karnevals sind die Narren wieder los. Unsere inzwischen schon fast lieb gewonnenen Nutzer des Anlegerforums „Wall Street Bets“ auf der Internet-Plattform Reddit haben jetzt Cannabis-Werte für sich entdeckt. Toll, nur warum erst jetzt? Weil es Narren sind? Vor einem Jahr wäre das eine richtig gute Idee gewesen. Der erst Kiffer-Hype war vorbei, die Aktien unten, total down. Und jetzt, nachdem es seit dem Corona-Crash wieder richtig nach oben gegangen ist, um mehrere Hundert Prozent mitunter, interessieren sich die Anlageclowns plötzlich wieder für die Branche.

„Alle gehen arbeiten, nur ich nicht“, singt Kultrapper Sido. Und so ist das wohl auch in der Welt von Robin Hood. Lockdown, Langeweile, Kohle vom Staat und medialer Hype machen eben high – und blöd. Dass der Hedgefonds Citadel, Partner des Neobrokers Robinhood, bei dem die Orderaufträge der selbst ernannten Finanz-Guerilla letztlich landen, alles checkt und wunderbar die Auftragsströme zu seinen Gunsten verarbeiten kann – inzwischen geschenkt. Aber waren es nicht die Gierigen aus dem Finanzestablishment, die mal sauber über den Tisch gezogen werden sollten? Nein, denn Gier frisst Hirn. So war es immer, und so wird es immer bleiben. Die Kleinanleger haben dieses Spiel bisher noch nie gewonnen, sagt der berühmte Schweizer Investor Marc Faber.

Mal einen Joint rauchen, okay. Nur Dauerkiffen macht träge, müde – und vergesslich. Und viele vergessen, den Kopf wieder einzuschalten und den Knopf zu drücken: Den Knopf zum Verkaufen. Gestern wäre es soweit gewesen, denn heute geht es richtig abwärts mit Cannabis-Aktien. Gut, das Spiel ist vielleicht noch nicht aus. Aber halbwegs wissen, wo man sich bewegt, sollte man schon. Unbestritten, es lockt ein gewaltiges Potenzial. Mit Schmerzpatienten, Kiffern oder als Beimischungen für Energydrinks – einen Durchstarter vergleichbar wie „Red Bull“ vielleicht? – könnte die Branche tatsächlich Milliarden umsetzen. Die Schätzungen schwanken stark, aber der Markt wird wachsen, gewiss, bis 2025 auf fast 50 Milliarden Dollar, so der kanadische Marktforscher BDSA.

Nur kostet allein der größte Wert der Branche, Canopy Growth, selbst nach dem heutigen Kurseinbruch um gut 20 Prozent, an der Börse noch 15 Milliarden Dollar, bei einem Umsatz des Unternehmens von vielleicht 450 Millionen Dollar im nächsten Jahr. Wenn es aber mal still wird um die Aktien, die Kurse wieder ein paar Etagen tiefer stehen, dann könnte sich der Kauf tatsächlich wieder für Anleger auszahlen.

Der Rest wird dann eine andere Sau durchs Dorf treiben.

Mehr zum Thema: Der Gamestop-Rausch und seine Folgen: Wie Fondsmanager Jonas Liegl die Deals beurteilt und wie sie sich auf seine Fondsanlagen im Videospielbereich auswirken.

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