1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Börse
  4. Börsenwoche: Der perfekte Markt ist schwer zu erreichen

Börsenwoche 422: EditorialDas Goldlöckchen-Szenario ist schwierig zu erreichen

Die Erwartung sinkender Zinsen dank nachlassender Inflation, gepaart mit einer weichen Konjunktur-Landung, trägt den Markt. Das Szenario dürfte im Herbst geprüft werden. Wie wir die WiWo-Musterdepots dafür aufstellen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Jan-Lukas Schmitt 14.08.2023 - 05:41 Uhr

Die Erwartungshaltung an der Börse ist derzeit das größte Risiko für die Kurse.

Foto: Imago

Drei Bären führen ein beschauliches Leben in einer Hütte im Wald. Eines Tages kommt eine Vagabundin vorbei, bedient sich an ihren Vorräten und schläft in einem der Betten. Als die Bären sie entdecken, eskaliert die Situation und die Waldbewohner versuchen auf verschiedenste Weise die Frau zu töten – was schließlich gelingt. Das englische Märchen wurde später überarbeitet, die Vagabundin zu „Goldlöckchen“, einem kleinen Mädchen, das wegläuft, als es die Bären sieht. Der Plot bleibt der selbe: Die Situation wird endgültig entschärft und die Bären haben ihre Ruhe.

In der Wirtschaftstheorie beschreibt das Goldlöckchen-Szenario den perfekten Markt: stabiles Wachstum, moderate Inflation, niedrige Zinsen. Ich persönlich finde die blutrünstige Variante der Geschichte passender – die Inflation verschwindet schließlich nicht von selbst. Die starke Entwicklung an den Aktienmärkten wird aber von einer Goldlöckchen-Hoffnung getragen. Anleger spekulieren darauf, dass die Rezession mild ausfällt und dass die Zinspolitik bald wieder lockerer wird, dank fallender Inflation.

Für beide Annahmen gibt es gute Gründe. Ein gleichzeitiges Eintreten ist aber unwahrscheinlich. Die zeitverzögerte Wirkung der Geldpolitik auf die Realwirtschaft ist nicht zu unterschätzen. Wird der Zins jedoch zu früh gesenkt, droht die Inflation erneut auszubrechen – worauf wieder mit Zinserhöhungen reagiert werden müsste. Nach den neuen US-Inflationsdaten hält die Mehrheit der Investoren einen weiteren Zinsschritt im laufenden Jahr in den USA für unwahrscheinlich, abzulesen an den Fed Funds Futures. Die erste Zinssenkung wird aktuell für den März erwartet. Sicher sind solche Prognosen aber nicht.

Podcast – BörsenWoche

Diese ETFs gehören in jedes Depot

von Philipp Frohn und Jan Lutz

Das Umfeld für die Geldanlage bleibt also herausfordernd. Auf den aktuellen Niveaus sind bei Enttäuschungen Rücksetzer der großen Aktienindizes zu erwarten, etwa wenn die zinsbedingte Rezession die großen westlichen Volkswirtschaften doch stärker erfassen sollte, als bisher prognostiziert. Ein Indiz dafür ist die inverse Struktur der Zinskurve (siehe BöWo 418). In der Berichtssaison ist von Rezession derweil wenig zu sehen: Die Quartalsergebnisse sind zwar durchwachsen, aber unter dem Strich solide.

In unserem konservativen Musterdepot sehen wir uns für beide Szenarien gut aufgestellt. Viele Werte sind wenig konjunkturanfällig und dürften auch in einem schwächeren Gesamtmarkt Stärke zeigen. Wir bewahren deshalb eine ruhige Hand und können Schwächephasen gelassen entgegensehen. Im spekulativen Musterdepot würde ein Kursrutsch jedoch direkter einschlagen. Einige Aktien sind anfällig für technische Korrekturen – etwa die des Brokers XP Inc. nach 120 Prozent Kursgewinn in vier Monaten. Da wir von unseren Depotwerten überzeugt sind, haben wir uns vergangene Woche (BöWo 421) gegen kurzfristige Kursrücksetzer mit Put-Optionen auf den Nasdaq 100 abgesichert. Hinzu kommt diese Woche eine Wette auf Gold (siehe Depotticker).

BörsenWoche-PDF zum Download

Das Goldlöckchen-Szenario ist schwierig zu erreichen

Alles andere als stabil hielt sich zuletzt unser spekulativer Depotwert Ariston. Die Aktie der Italiener sind nach der größten Übernahme der Firmengeschichte eine Wette auf den deutschen Wärmepumpenmarkt. Doch die Nachfrage nach der Heizungsalternative ist hierzulande im ersten Halbjahr um die Hälfte eingebrochen, meldet das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Warum wir für Ariston trotzdem optimistisch bleiben und wie die Aktie im Vergleich zur Konkurrenz abschneidet, lesen Sie in unserer dieswöchigen Analyse.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche an der Börse.

Foto: WirtschaftsWoche

Ihr Lukas Schmitt

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick