Börsenwoche 497: Editorial: Geld machen mit dem Geld machen
Die Aktien der Aktienmärkte sind weiterhin spannend. Aber es gibt auch Risiken.
Foto: imago imagesDer Wirtschaftsstandort Deutschland muss bangen. Zu teure Energie, schwächelnde Autohersteller, Nullwachstum und nun auch noch Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump. Die Lage ist unschön. Der Dax läuft trotzdem blendend. Er notiert aktuell nahe Rekordständen, steht knapp vor der Marke von 23 000 Punkten. Noch 2020 war der Zählerstand während des ersten Corona-Schocks unter 9000 Punkte gefallen.
Die Kurse vieler Dax-Klassiker haben in den vergangenen Wochen neue Höhen erreicht, darunter SAP, Siemens und die Münchener Rück. Ein Dax-Konzern profitiert sogar direkt vom starken Aktienmarkt: Die Deutsche Börse macht gute Geschäfte, wenn der Handel mit Wertpapieren rege ist. Kein Wunder, dass auch ihr Aktienkurs frische Rekorde erreicht.
Damit setzt die Deutsche Börse einen Trend fort, der weltweit zu beobachten ist. Aktien von Börsenbetreibern laufen rund um den Globus gut (siehe Grafik), denn mit Geld machen lässt sich noch mehr Geld machen. Das Geschäftsmodell der Börsen weist – für Anleger erfreuliche – Ähnlichkeiten mit dem Geschäft großer Technologieunternehmen auf. Daten sind wichtig, der Kapitalbedarf überschaubar und es gibt monopolartige Zustände. Das ist ein Rezept für hohe Gewinne und dafür, ohne allzu große Investitionen zu wachsen.
Die Aktien von Börsenbetreibern konnten sich von der Entwicklung ihrer jeweiligen Heimatbörse entkoppeln. Der britische Leitindex FTSE 100 notiert nur wenig höher als zur Jahrtausendwende. Die Aktie der London Stock Exchange (LSE) hingegen ist heute fast 30-Mal wertvoller als nach dem Börsengang im Jahr 2001. Der Jahresumsatz lag damals bei gut 200 Millionen Pfund, mittlerweile sind es über 8 Milliarden.
Die LSE weiß mit ihren wertvollen Daten Geschäfte zu machen. Die Verbindung zu Big Tech zeigt sich hier sogar im Aktionärsregister: Der Softwarekonzern Microsoft hält vier Prozent der Anteile und ist damit der viertgrößte Aktionär der Londoner Börse. Ende 2022 schlossen Microsoft und die London Stock Exchange eine zehnjährige Partnerschaft, bei der Datenanalyse und Cloudlösungen eine wichtige Rolle spielen.
Wohin man blickt, sind die Aktien von Börsenbetreibern eine Erfolgsgeschichte. Die Japan Exchange Group läuft gut, ebenso die Euronext, zu der die Börsen in Paris und Amsterdam gehören. Fantastisch läuft auch das Duopol in den USA. Intercontinental Exchange, die Mutter der New York Stock Exchange (NYSE), konnte ihren Aktienkurs in den vergangenen 15 Jahren 746 Prozent steigern. Die Aktie der auf Technologieunternehmen spezialisierten US-Börse Nasdaq lief in diesem Zeitraum mit 1236 Prozent Wertzuwachs sogar noch deutlich besser.
Die Aktien der Aktienmärkte sind weiterhin spannend, denn die Geschäftsmodelle bleiben lukrativ. Aber es gibt auch Risiken. Bei einer Börsenflaute leiden die Aktien von Handelsplätzen besonders stark. Während der Finanzkrise gaben sie in vielen Fällen drei Viertel ihres Werts ab, während sich die breiten Aktienindizes „nur“ halbierten. Außerdem sind die Börsen-Aktien eher hoch bewertet. Gemessen am prognostizierten Gewinn sind alle Aktien von Börsenbetreibern teurer als der Leitindex ihrer Heimat.
Dieser Beitrag entstammt dem wöchentlichen Anlage-Newsletter BörsenWoche. Jetzt abonnieren.