Brainlab-IPO: Hoffnungsträger Brainlab lässt Börsengang vorerst platzen
Im zweiten Anlauf sollte es endlich an die Börsen gehen. Doch nun sagte der Medizintechnik-Softwareanbieter Brainlab den für Donnerstag geplanten Börsengang (IPO) am Dienstag kurz nach dem Ende der Zeichnungsfrist ab.
Vorstandschef Rainer Birkenbach schreibtin einer Reuters vorliegenden E-Mail an die Mitarbeiter, dass die „derzeitigen geopolitischen Unsicherheiten“ sich auf die Kapitalmärkte auswirken. Das Umfeld für einen Börsengang sei deshalb derzeit „nicht optimal“, obwohl es „beträchtliches Interesse an Brainlab“ gebe. Brainlab habe den Schritt daher „nach reiflicher Überlegung verschoben“.
Damit ist der Medizintechnik-Softwareanbieter bereits der zweite deutsche Börsenkandidat, der einen Rückzieher in diesem Simmer macht. Erst vor rund einer Woche kündigte der Autoteilehändler Autodoc an, nicht an die Börse zu gehen. Auch in diesem Fall wurde die geopolitische Lage, als Grund für die kurzzeitige Planänderung genannt.
Vor fast genau 24 Jahren strebte Brainlab bereits einen Börsengang an. Auch damals wurde der IPO am letzten Tag der Zeichnungsfrist abgeblasen. Der Grund: Das Risiko für schlechte Kursentwicklungen sei zu groß.
Der Börsengang sah für dieses Jahr vielversprechend aus: Die begleitenden Banken hatten am Montag mitgeteilt, der Preis werde zwar am unteren Ende der Preisspanne liegen, die von 80 bis 100 Euro reichte, auf diesem Niveau sei die Emission aber vielfach überzeichnet.
Die Voraussetzungen für den Börsenstart waren eigentlich gut: Die Kursschwankungen an den Märkten hatten sich zuletzt beruhigt. Der deutsche Leitindex liegt nur rund drei Prozent unter seinem Allzeithoch. Brainlab wäre mit knapp 1,7 Milliarden Euro bewertet worden.
Das Unternehmen wollte mit dem ihm zufließenden Erlös von 160 Millionen Euro das Geschäft auf andere Medizin-Sparten ausdehnen. Bisher werden die Software und die dazugehörigen Geräte zur Steuerung von Operationen in der Gehirnchirurgie und bei Tumor-Bestrahlungen angewandt, nun sollen Orthopädie, Sportmedizin und Hals-Nasen-Ohren-Behandlungen hinzukommen. Insgesamt sollten beim Börsengang Aktien für 416 Millionen Euro verkauft werden. Damit wollte der Münchner Finanzinvestor EMH Partners seine Beteiligung von 35 auf knapp 20 Prozent reduzieren. Firmengründer Stefan Vilsmeier hält 50,1 Prozent.
In diesem Jahr gab es erst zwei kleinere Börsengänge. Der Elektrotechnik-Spezialist Pfisterer und die Software-Firma Innoscripta haben den Sprung an die Frankfurter Börse geschafft. Beide Unternehmen sind im Freiverkehrssegment „Scale“ gelistet.
Im Herbst stehen in Frankfurt größere Börsengänge wie die Rückkehr des Pharmakonzerns Stada an den Aktienmarkt an. Bald nach dem Sommer wollen Insidern zufolge auch der Prothesen-Hersteller Ottobock, die Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx und möglicherweise der Netzbetreiber TenneT Deutschland den Schritt wagen. Die niederländische Regierung hatte die Entscheidung aber zuletzt auf September verschoben. Zudem stehen die Abspaltung und der Börsengang des Autozuliefer-Geschäfts von Continental unter dem Namen Aumovio an.
Ob der Medizintechnik-Softwareanbieter einen dritten Anlauf wagen wird, ist bisher unbekannt. In der Mitteilung des Unternehmens heißt es, dass weiterhin geprüft wird, ob der Börsengang später nachgeholt werden kann.