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Dax-Wert K+S-Aktie außer Kontrolle

Der hessische Düngemittelproduzent K+S wird an der Börse zum Spielball des Rohstoffmarktes. Vor allem Spekulationen um die Kalipreise setzen der Aktie zu. Aber selbst nach einem Dax-Abstieg hätten Anleger noch Chancen.

Der hessische Düngemittelproduzent K+S wird an der Börse zum Spielball des Rohstoffmarktes. Quelle: dpa

Der Kasseler Kali- und Salzhersteller K+S bleibt unter Druck. Analysten der US-Großbank Morgan Stanley setzten am Mittwoch ihre Aktienempfehlung auf "Untergewichten". Das Kursziel für den Dax-Wert senkten sie von zuvor 30 auf nur noch elf Euro. Die K+S-Aktie erlitt in nur einer Woche seit Ende Juli Kursrückgänge von zeitweise 40 Prozent. Auch andere Banken und Analysehäuser wie die Schweizer UBS haben inzwischen den Daumen über K+S gesenkt. Dass die Aktie am Mittwoch und Donnerstag trotz der Herabstufung jeweils um mehr als fünf Prozent in einem schwachen Markt zulegte, dürfte auf risikofreudige Anleger zurückzuführen sein, die Kurscrash als Einstiegsgelegenheit ansehen. Aber wie stehen die Chancen?

Welche Chefs massiv unter Druck stehen
Commerzbank: Martin Blessings ewige BaustelleSeit sechs Jahren saniert Martin Blessing die teilverstaatlichte Commerzbank: Zu seinem Rezept gehört, das Institut auf Privatkunden und Mittelstand neu auszurichten, bis 2016 rund 5200 Stellen einzusparen und weniger lukrative Randbereiche und Altlasten abzustoßen. So konnte Blessing im Juli den Verkauf des britischen Immobiliengeschäfts aus dem Bestand der ehemaligen Hypothekentochter Eurohypo vermelden. Ein Fortschritt, doch die Reste der Eurohypo kleben Blessing noch immer wie ein Klotz am Bein. Unterm Strich liefert die Commerzbank keine gutes Ergebnisse ab. In der ersten Jahreshälfte ist die Aktie um fast 45 Prozent gefallen - hält diese Entwicklung an, droht der Ausstieg aus dem Dax. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass der Umbau der Commerzbank frühestens 2015 Früchte tragen wird. Auch für Blessing wird das Eis dünn. Jetzt mischt sich auch noch der Bund in die Verhandlungen über Abfindungen von zwei Commerzbank-Vorständen ein. Quelle: REUTERS
K+S: Investoren sind unzufrieden mit Norbert SteinerKein DAX-Wert lief schlechter als der von K+S. Die Aktie des Düngemittelherstellers fiel von Juli 2012 bis Juli 2013 um knapp ein Drittel. Damit sorgt K+S-Chef Norbert Steiner für Unmut bei den Investoren, unter denen manche den Aufstand proben sollen. Steiner zu stürzen, wird jedoch schwierig sein – angesichts der zersplitterten Aktionärsstruktur auf der einen Seite und dem starken Rückhalt Steiners innerhalb des Unternehmens auf der anderen. Quelle: dpa
ThyssenKrupp: Heinrich Hiesinger kämpft mit AltlastenMilliardenhohe Schmiergelder an Auftragnehmer, Kartellbildung mit Schienen-, Aufzug- und Rolltreppenherstellern, ausufernde Bürokratie, Luxusreisen für Journalisten, Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Übersee. Die Altlasten, die ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger übernommen hat, sind gewaltig. Durch die Abschreibungen auf die Stahlwerke hat der Konzern Schulden von 5,3 Milliarden Euro angehäuft. Die Eigenkapitalquote schrumpft zusehends. Hiesinger hat das Gros der Probleme nicht verursacht, soll es nun aber richten. Eine Sisyphusaufgabe. Quelle: dpa
Daimler: Zetsche kämpft gegen die MarktlageSeit Dieter Zetsches Vertrag nur um drei, statt um fünf Jahre verlängert wurde, gilt der Daimler-Chef als angezählt. Gründe gibt es viele. Die Aktionäre sind unzufrieden, die Renditen bleiben hinter den Erwartungen zurück und ausgerechnet im Wachstumsmarkt China fährt Daimler der Konkurrenz hinterher. Der Kastenwagen Citan patzte beim Crashtest und jetzt auch noch das Gerangel mit Frankreich wegen eines nicht zulässigen Kältemittels. Für Zetsche läuft es nicht rund. Es fehlen die großen Innovationen - BMW setzt auf seine Elektro-Flitzer aus Karbon. Nissan, General Motors und Toyota verkaufen jedes Jahr Zehntausende von Elektroautos. Von Mercedes dagegen gibt es bis heute kein einziges E-Mobil. Der Daimler-Chef hat den Aktionären eine Verbesserung der Geschäftslage versprochen. Angesichts des schwachen deutschen und europäischen Markts ein mutiges Versprechen. Quelle: dpa
Karstadt: Andrew Jennings bekommt nicht die KurveDrei Jahre nach der vermeintlichen Karstadt-Rettung durch Investor Nicolas Berggruen geht es dem Warenhaus immer noch nicht besser. Der neu eingesetzte Chef Andrew Jennings konnte das Ruder nicht herumreißen, auch weil sich Berggruen bisher weigert, Geld zu investieren. Im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 fuhr Karstadt Verluste von knapp 250 Millionen Euro vor Steuern ein, für 2012/13 soll erneut ein Verlust anstehen. Jennings reagiert, indem er den Tarifvertrag aussetzt und 2.000 Stellen streicht. Ob das ausreicht, ist fraglich. Der Aufsichtsrat sucht bereits seit mehreren Wochen nach einem Nachfolger. Quelle: dpa
Apple: Tim Cook soll endlich liefernApple-Chef Tim Cook fehlt nicht nur die Strahlkraft des 2007 verstorbenen Unternehmensgründers Steve Jobs – sondern auch dessen Erfolge: Seit dem iPad hat das Unternehmen in drei Jahren kein grundlegend neues Produkt mehr herausgebracht, das iPhone 5 war im Herbst 2011 bloß eine Weiterentwicklung des 4S. Während Konkurrent Google an der Computer-Brille Google Glass arbeitet, setzt Apple auf eine Computer-Uhr, die "iWatch". Nach zahlreichen Neueinstellungen sollen mittlerweile 100 Tüftler an dem Produkt dran sein.  Neue Verkaufsschlager sind nötig, wenn Cook den Erfolgskurs seines Vorgängers fortsetzen will. Denn im dritten Geschäftsquartal (bis Ende Juni 2013) stagnierte der Umsatz bei etwa 35,3 Milliarden Dollar, der Gewinn schrumpfte sogar das zweite Mal in Folge. Er fiel mit 6,9 Milliarden Dollar um 22 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum (5,3 Milliarden Euro). Quelle: REUTERS
Siemens: Peter Löscher muss gehenFür ihn heißt es bereits "game over". Vorstandschefs Peter Löscher musste seinen Chefsessel räumen. Finanzvorstand Joe Kaeser hat das Ruder übernehmen. Zu viele Probleme hatten sich angesammelt. Zweimal in Folge musste Löscher die Gewinnerwartungen senken - einmal für 2013, einmal für 2014. Auf die Bilanz drücken Vorfälle wie Verluste bei Windparks, versemmelte Zukäufe und verspätete Auslieferung der neuen ICE-Züge an die Deutsche Bahn. Quelle: dapd

Für die K+S-Aktie geht es schon seit 2011 Jahren nur noch bergab, selbst wer die Aktie vor fünf Jahren kaufte, sitzt bis heute auf rund 75 Prozent Verlust. Das Kernproblem: Der seit geraumer Zeit sinkende Preis für den Rohstoff Kalium. Mit Kali- und Magnesiumprodukten erzielen die Kasseler den größten Teil ihrer Einnahmen, insgesamt 58 Prozent. Die Abhängigkeit von dem wichtigen Grundstoff für Dünger hat sich zu einer harten Belastungsprobe für das Unternehmen entwickelt, denn die Kalipreise sind bereits seit Jahresbeginn 2012 auf Talfahrt. Damals brachte die Tonne Kali noch 480 Dollar ein. Im Rohstoffrausch 2008 waren es sogar kurzzeitig 1000 Dollar. Diesen Boom hatte auch die K+S-Aktie durchlebt. Der jüngste Kurssturz war denn auch maßgeblich von Spekulationen befeuert worden, der Kalipreis könne auf 300 Dollar je Tonne sinken. Derzeit kostet die Tonne Kali noch knapp 400 Dollar.

Mit der langen Talfahrt der K+S-Aktie wächst die Gefahr, dass der Düngerhersteller bei der anstehenden turnusgemäßen Überprüfung aus dem Börsenindex Dax aussortiert wird und in den darunter liegenden Index MDax absteigt. Darüber entscheidet der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse Anfang September. Zwar hat der Arbeitskreis bei seiner Auswahl der Auf- und Absteiger einen Ermessensspielraum, doch orientiert er sich dabei maßgeblich an festgelegten und bekannten Kriterien. Die wesentliche Rolle spielen dabei die Marktkapitalisierung der in Streubesitz befindlichen Aktien und die Liquidität des Handels mit der fraglichen Aktie. Dabei werden die frei handelbaren Aktien mit dem Kursdurchschnitt der vergangenen 20 Börsenhandelstage multipliziert, die Anteile von Großaktionären mit mehr als fünf Prozent der Aktien bleiben unberücksichtigt. Für die Entscheidung der Börse ist also das Kursniveau im August maßgebend. Zählt die Aktie nach der so errechneten Marktkapitalisierung nicht mehr zu den 40 größten deutschen Börsenunternehmen, fliegt sie aus dem Dax, sofern es einen geeigneten Nachrücker gibt. Liegt die Platzierung besser, wird auch noch das Handelsvolumen, also der Umsatz mit den Aktien an der Börse, genauer betrachtet. Schließlich sollte eine Aktie im Leitindex Dax jederzeit zu einer möglichst geringen Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis handelbar sein. Das ist wichtig, weil Dax-Aktien auch von Fonds und anderen institutionellen Investoren im großen Stil gehandelt werden, etwa weil sie neue Investorengelder anlegen müssen oder aber Anleger auszahlen müssen. Dabei sollte es möglichst nicht zu erdrutschartigen Kursverwerfungen kommen.

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