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Deutsche Börse Börsenchef Kengeter macht den Weg frei

Kengeters Rücktritt ist nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einem Neuanfang bei der Deutschen Börse. Aber ein wichtiger.

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EZB sorgt für gute Laune - Börsenchef Kengeter tritt zurück

Der Rücktritt von Börsenchef Carsten Kengeter sorgt am Finanzplatz Frankfurt vorwiegend für Erleichterung. Spätestens als der angestrebte Vergleich mit den Justizbehörden im Verdachtsfall des Insiderhandels scheiterte, war die Linie dessen überschritten, was Investoren, Nutzern und Mitarbeitern der Börse an Unsicherheit zugemutet werden konnte.

„Entscheidend ist, dass die Börse sich nun auf die Zukunft konzentrieren kann“, sagte etwa der Präsident des Verbands einer deutschen Bankengruppe unmittelbar nach Bekanntwerden von Kengeters Rücktrittsangebot.

Kengeter war zur Börse gekommen, um einen neuen Anlauf für die Großfusion mit einem anderen internationalen Börsenbetreiber zu nehmen. Der geplante Zusammenschluss mit der Londoner Börse scheiterte jedoch wegen des Brexits und am Veto der Brüsseler Wettbewerbsaufsicht. Doch auch den deutschen Finanz- und Börsenaufsehern war Kengeters Fusionsplan mit der Sitzverlagerung der Börse nach London ein Dorn im Auge.

Börsenchef Kengeter in Schwierigkeiten

Der Verdacht des Insiderhandels mit Aktien der Deutschen Börse, den Kengeter deutlich von sich gewiesen hat, ließ schließlich Zweifel an der Eignung für die Führung eines so wichtigen Börsenbetreibers aufkommen. Ob es tatsächlich Insiderhandel war, müssen die Justizbehörden klären. Sie wollen weiter ermitteln und können dies nun in aller Ruhe und ohne Zeitdruck tun. Denn das ursprüngliche Ablaufdatum von Kengeters Vertrag im März 2018 besitzt keine Relevanz mehr. Vor dem Abschluss der Ermittlungen war und ist eine Vertragsverlängerung undenkbar, auch aus diesem Grund scheint der Rücktritt konsequent.

Kengeter will mit dem für ihn wahrscheinlich nicht einfachen Schritt dafür sorgen, dass die Börse sich unbelastet durch das Ermittlungsverfahren schnellstmöglich wieder voll auf ihr Geschäft konzentrieren kann. Die Börse ist neben den finanzkrisengebeutelten Großbanken die tragende Säule des Finanzplatzes Frankfurt. Deshalb wünscht sich die gesamte Finanzbranche aber auch Bürger und Politik einen Neuanfang bei der Deutschen Börse. Die muss den Kopf frei kriegen, um sich zum Beispiel in den Wettbewerb der europäischen Finanzplätze um Neuansiedlungen durch den Brexit stürzen zu können.

Erster Schritt in die Zukunft

Dabei ist der Rücktritt Kengeters nur ein erster Schritt auf dem Weg zu diesem Neuanfang. Der Insiderverdacht hat seinen Schatten nicht nur auf den Börsenchef geworfen, sondern auf das gesamte Führungssystem des Unternehmens. Nicht nur Kengeter persönlich war und ist daher Gegenstand der Ermittlungen. Auch die Börse selbst befindet sich wegen der Insideraffäre im Visier der Justiz und Finanzaufsicht. Die weiteren Ermittlungen könnten also noch Konsequenzen für das Unternehmen haben.

Eine weitere offene Frage ist, wie sich Aufsichtsratschef Joachim Faber verhalten wird, der sich in der Vergangenheit voll hinter den zurückgetretenen Kengeter gestellt hat. Faber hat das Aktienkaufprogramm, welches zum Insiderverdacht führte, nicht nur verteidigt.

Er gilt auch als dessen Architekt und trägt daher einen wichtigen Teil der Verantwortung. Für Fabers Zukunft dürfte entscheidend sein, ob er zeitnah einen überzeugenden Nachfolger für Kengeter präsentieren kann, der das Vertrauen des Kapitalmarkts und der Mitarbeiter wieder gewinnen kann.

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