Elsässers Auslese

Gehört Ethik ins Aktiendepot?

Markus Elsässer Value Investor

Aktionäre sollten wissen, was in den Unternehmen mit ihrem Geld passiert. Das kaufmännische Kalkül steht im Vordergrund. Doch was ist mit der Verantwortung des Geldanlegers in Sachen Business-Ethik? Ein heikles Thema.

Wenn das Gewissen über die Geldanlage entscheidet
Euromünzen Quelle: Fotolia
Platz 17: Bergbau (6 Prozent)Die großen Bergbaukonzerne der Welt stehen häufig am Pranger – nicht nur wenn es um Nachhaltigkeit geht. Anleger mit Nachhaltigkeitsfokus haben trotzdem eher wenige Bedenken bei der Branche: Nur Sechs Prozent würden hier kein Geld investieren. Quelle: dpa
Platz 16: Hersteller von Verhütungsmitteln/Betreiber von Abtreibungseinrichtungen (6 Prozent)Ebenfalls 6 Prozent finden Verhütungen und Abtreibungen ethisch bedenklich und würden hier kein Geld investieren. Erfahrungen mit ethisch-ökologischen Geldanlagen hatte übrigens nur jeder zwanzigste der Befragten. Quelle: AP
Platz 15: Autobranche (7 Prozent)Knapp ein Drittel der übrigen Befragten hat aber generell Interesse. Diejenigen, die aus dem Osten der Bundesrepublik stammen oder älter als 60 Jahre sind, sind seltener für ethisch-ökologische Geldanlagen zu begeistern. Sieben Prozent der Verbraucher haben ein grundsätzliches Problem damit, Geld in die Automobilbranche zu investieren. Quelle: dpa
Platz 14: Chemiebranche (9 Prozent)Vor die Wahl gestellt hielt fast die Hälfte der Teilnehmer ethische Aspekte für wichtiger als ökologische. Nur ein gutes Viertel gab der Umwelt den Vorzug, der Rest mochte sich nicht entscheiden. Fast zehn Prozent der Befragten können sich nicht vorstellen, ihr Geld in der Chemiebranche anzulegen. Quelle: dpa
Platz 13: Pharmabranche (12 Prozent)Trotz ihrem Beitrag zum medizinischen Fortschritt: In der Bevölkerung herrscht traditionell das Bild der bösen Pharmaindustrie vor. Das spiegelt sich auch in der Umfrage wieder: Für 12 Prozent der Befragten käme eine Investition in das Geschäft mit den Medikamenten nicht in Frage. Quelle: dpa
Platz 12: Biogas- und Biosprit-Herstellung (13 Prozent)Ein Großteil der landwirtschaftlich angebauten Lebensmittel wird mittlerweile für die Produktion von Biogas und Biosprit verwendet. Das ist in manchen Regionen der Welt problematischer als in anderen, denn die Verknappung der Lebensmittel kann die Konkurrenz zwischen Teller und Tank verschärfen. 13 Prozent der Befragten schließen die Branche bei ihren Geldanlagen deshalb kategorisch aus. Quelle: dpa

In allen kaufmännischen Belangen ist die Marschrichtung klar. Es geht darum, vernünftig mit dem Kapital zu wirtschaften. Nur so sind Kapitalerhalt und Einkünfte aus Kapital auf Dauer abzusichern. Dies gilt auch für den Geldanleger am Aktienmarkt. So sehr er sich auch über internationale Großwetterlagen und politische Unvernunft, Krisen und Missstände im Finanzsystem ärgern mag, letztlich hat er das hinzunehmen. Sein Mandat ist es nicht, ein Schattenkabinett zu bilden. Der Geldanleger muss im Rahmen des Zeitgeschehens sich mit der Vermehrung seines Vermögens – so gut es eben geht – zielorientiert beschäftigen.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Bei allem Gewinnstreben - irgendwie möchte man mit seinem Geld doch keine „bösen Sachen“ fördern oder unterstützen. Oder ist es einem völlig gleich? Hauptsache der wirtschaftliche Erfolg ist da? Das erfordert vielleicht doch von jedem Aktionär eine grundsätzliche Standortbestimmung. Als ich jung war, habe ich mir wenig Gedanken zu dem Thema gemacht. Später nach der Geburt meiner Söhne, überkamen mich doch gewisse Zweifel.

Sollte ich wirklich weiter an der Börse in Unternehmen investieren, die meinen geliebten Kindern schaden? Nach gründlicher Überlegung habe ich dann 2002 meinen eigenen Ethik-Katalog erstellt. Seitdem investiere ich in meinen Fonds nicht in die folgenden Branchen: Rüstungsindustrie, Spiel-Casinos, Zigaretten und Drogen. Da mögen die Kurszuwächse, Geschäftsaussichten oder Bruttomargen noch so hoch sein, Aktiengesellschaften dieser Branchen stelle ich kein Geld zur Verfügung. Die Vorstellung, dass mein Sohn eines Tages erschossen wird, und ich an der Gewehrkugel als Aktionär Geld verdiene, ist mir unerträglich. Ich habe mir also selbst auferlegt, äußert profitable Branchen links liegen zu lassen. Als engagierter Value-Investor ist es mir trotzdem gelungen, erfolgreich Geld anzulegen – eben in anderen Branchen. Das Selbstvertrauen sollte man schon besitzen.

Je länger man sich mit dem Thema – „was machen eigentlich meine Aktienunternehmen?“ – beschäftigt, umso diffiziler wird es. Hier beispielsweise zwei weitere Branchen: Wie stehe ich zum Alkoholgeschäft? Da gibt es eine Reihe sehr schöner Aktien: Heineken Bier, Davide Campari (die ihren halben Umsatz mit Wein machen) und Brown-Foreman an der Börse in New York mit ihrem berühmten Jack Daniels Whiskey. Ein Glas Wein ist gesund, was ist aber mit hochprozentigen Alkohol?

Profitable Aktieninvestments der letzten Jahre waren Hersteller von Computerspielen. Ganze Heerscharen von jungen Männern hängen täglich stundenlang am Computer sozusagen „im Häuserkampf um Bagdad“ als virtuelle Scharfschützen. Die Programme sind bewusst so verfasst, dass der Suchtnerv der Nutzer getroffen wird. Was ist davon zu halten?

Nach dem Branchenkatalog gilt es im nächsten Schritt, das Geschäftsmodell beziehungsweise das Verhalten der Manager ethisch einzuordnen.

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