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Elsässers AusleseGehört Ethik ins Aktiendepot?

Aktionäre sollten wissen, was in den Unternehmen mit ihrem Geld passiert. Das kaufmännische Kalkül steht im Vordergrund. Doch was ist mit der Verantwortung des Geldanlegers in Sachen Business-Ethik? Ein heikles Thema.Markus Elsässer 07.03.2016 - 06:00 Uhr

Waffen haben bei ethisch-ökologischen Geldanlagen nichts zu suchen – darüber sind sich die meisten Anleger einig. Ansonsten gehen die Meinungen zu diesem Thema allerdings ziemlich weit auseinander. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Stiftung Warentest. Das Meinungsforschungsinstitut hat 1014 Personen, die in ihrem Haushalt über die Finanzen entscheiden gefragt, in welche Branchen bei einer ethisch-ökologischen Geldanlage auf keinen Fall Geld fließen darf. Die häufigsten Antworten.

Foto: Fotolia

Platz 17: Bergbau (6 Prozent)

Die großen Bergbaukonzerne der Welt stehen häufig am Pranger – nicht nur wenn es um Nachhaltigkeit geht. Anleger mit Nachhaltigkeitsfokus haben trotzdem eher wenige Bedenken bei der Branche: Nur Sechs Prozent würden hier kein Geld investieren.

Foto: dpa

Platz 16: Hersteller von Verhütungsmitteln/Betreiber von Abtreibungseinrichtungen (6 Prozent)

Ebenfalls 6 Prozent finden Verhütungen und Abtreibungen ethisch bedenklich und würden hier kein Geld investieren. Erfahrungen mit ethisch-ökologischen Geldanlagen hatte übrigens nur jeder zwanzigste der Befragten.

Foto: AP

Platz 15: Autobranche (7 Prozent)

Knapp ein Drittel der übrigen Befragten hat aber generell Interesse. Diejenigen, die aus dem Osten der Bundesrepublik stammen oder älter als 60 Jahre sind, sind seltener für ethisch-ökologische Geldanlagen zu begeistern. Sieben Prozent der Verbraucher haben ein grundsätzliches Problem damit, Geld in die Automobilbranche zu investieren.

Foto: dpa

Platz 14: Chemiebranche (9 Prozent)

Vor die Wahl gestellt hielt fast die Hälfte der Teilnehmer ethische Aspekte für wichtiger als ökologische. Nur ein gutes Viertel gab der Umwelt den Vorzug, der Rest mochte sich nicht entscheiden. Fast zehn Prozent der Befragten können sich nicht vorstellen, ihr Geld in der Chemiebranche anzulegen.

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Platz 13: Pharmabranche (12 Prozent)

Trotz ihrem Beitrag zum medizinischen Fortschritt: In der Bevölkerung herrscht traditionell das Bild der bösen Pharmaindustrie vor. Das spiegelt sich auch in der Umfrage wieder: Für 12 Prozent der Befragten käme eine Investition in das Geschäft mit den Medikamenten nicht in Frage.

Foto: dpa

Platz 12: Biogas- und Biosprit-Herstellung (13 Prozent)

Ein Großteil der landwirtschaftlich angebauten Lebensmittel wird mittlerweile für die Produktion von Biogas und Biosprit verwendet. Das ist in manchen Regionen der Welt problematischer als in anderen, denn die Verknappung der Lebensmittel kann die Konkurrenz zwischen Teller und Tank verschärfen. 13 Prozent der Befragten schließen die Branche bei ihren Geldanlagen deshalb kategorisch aus.

Foto: dpa

Platz 11: Erdölbranche (18 Prozent)

In den Neunziger Jahren wurde die ethische Geldanlage als Gegenpol zur in die Kritik geratene Globalisierung und der Zunahme profitorientierter Finanzspekulationen immer beliebter. Die Erdölbranche schneidet dabei meist eher schlecht ab. Auch in der Forsa-Umfrage gab fast ein Fünftel der Befragten an, sie bei der Geldanlage nicht zu berücksichtigen.

Foto: dpa

Platz 10: Kohlekraftwerke (19 Prozent)

Eher ökologisch bedenkliche Bereiche wie Bergbau oder Erdöl-Branche landen im Ranking auf den hinteren Plätzen. Auch die Kohlekraft belegt mit 19 Prozent nur Platz 10. Das zeigt: Verbraucher finden Ethik wichtiger als Umweltschutz.

Foto: dpa

Platz 9: Finanzdienstleister (22 Prozent)

Bemerkenswert: Auch die Finanzdienstleister schaffen es in die Top Ten. Sie schieben sich sogar vor die meisten ökologisch bedenklichen Branchen, in die kein Geld fließen soll.

Foto: rtr

Platz 8: Alkoholherstellung (31 Prozent)

Auch die klassischen Laster stoßen in der Umfrage auf wenig Gegenliebe: Etwas mehr als 30 Prozent der Befragten haben ein grundsätzliches Problem damit, in die Spirituosenbranche zu investieren.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 7: Tabakbranche (42 Prozent)

Deutlich schlechter ist allerdings das Image der Tabakindustrie. 42 Prozent der Befragten würden hier niemals investieren.

Foto: ZBSP

Platz 6: Gentechnik in der Landwirtschaft (43 Prozent)

Der Streit um die Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft tobt seit einigen Jahren. Dass das Verfahren noch immer umstritten ist, zeigt die Umfrage: 43 Prozent haben ein Grundsätzliches Problem damit, die Branche bei ihrer Geldanlage zu berücksichtigen.

Foto: dpa-dpaweb

Platz 5: Industrielle Tierhaltung (51 Prozent)

Die industrielle Tierhaltung degradiert ein Lebewesen zum Produkt. Eines, das möglichst schnell und möglichst kostengünstig auf den Markt soll. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten können sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden und wählen die industrielle Tierhaltung auf Platz 5.

Foto: dpa

Platz 4: Atomkraft (60 Prozent)

Atomkraft? Nein danke. Das dachten sich nur 60 Prozent der Befragten. Auch bei der Frage, in welchen Bereichen auf alle Geld fließen sollte, haben die ökologischen Themen das Nachsehen. Am häufigsten wurden Armutsbekämpfung, Krankenhäuser und Bildung gewählt. Erst danach folgen Erneuerbaren Energien, ökologische Landwirtschaft und nachhaltige Forstwirtschaft.

Foto: dpa

Platz 3: Pornografie (60 Prozent)

Interessant: Wenn sie keine Vorgaben bekamen, antworteten die Teilnehmer auf die Frage nach Bereichen, in die auf alle Fälle Geld fließen sollte, am häufigsten Klima- und Umweltschutz. So oder so – in die Pornografie würde die Mehrheit der Befragten überhaupt kein Geld Investieren.

Foto: dpa

Platz 2: Glücksspiel (60 Prozent)

Fast die Hälfte der Befragten spricht sich für die Vorgabe aus, die hinsichtlich ethischer und ökologischer Aspekte vorbildlichsten Unternehmen einer Branche zu berücksichtigen. Nur ein Drittel befürwortet einen strengen Ansatz, der Investments aus umstrittenen Bereichen generell ausschließt. Zu diesen Bereichen gehört auch das Glücksspiel: 60 Prozent der Befragten finden, dass die Branche in einem ethischen Depot nichts zu suchen hat.

Foto: dpa

Platz 1: Waffen- und Rüstungsindustrie (79 Prozent)

Das absolute No-Go in einem ethisch einwandfreien Depot sind allerdings Waffen. Fast 80 Prozent der Befragten sind sich darüber einig, dass die Rüstungsindustrie mit einer ethisch-ökologischen Geldanlag nichts zu tun hat.

Foto: dpa

In allen kaufmännischen Belangen ist die Marschrichtung klar. Es geht darum, vernünftig mit dem Kapital zu wirtschaften. Nur so sind Kapitalerhalt und Einkünfte aus Kapital auf Dauer abzusichern. Dies gilt auch für den Geldanleger am Aktienmarkt. So sehr er sich auch über internationale Großwetterlagen und politische Unvernunft, Krisen und Missstände im Finanzsystem ärgern mag, letztlich hat er das hinzunehmen. Sein Mandat ist es nicht, ein Schattenkabinett zu bilden. Der Geldanleger muss im Rahmen des Zeitgeschehens sich mit der Vermehrung seines Vermögens – so gut es eben geht – zielorientiert beschäftigen.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Bei allem Gewinnstreben - irgendwie möchte man mit seinem Geld doch keine „bösen Sachen“ fördern oder unterstützen. Oder ist es einem völlig gleich? Hauptsache der wirtschaftliche Erfolg ist da? Das erfordert vielleicht doch von jedem Aktionär eine grundsätzliche Standortbestimmung. Als ich jung war, habe ich mir wenig Gedanken zu dem Thema gemacht. Später nach der Geburt meiner Söhne, überkamen mich doch gewisse Zweifel.

Nachhaltige Geldanlage

Nicht alle grünen Anleihen sind wirklich grün

von Sebastian Kirsch

Sollte ich wirklich weiter an der Börse in Unternehmen investieren, die meinen geliebten Kindern schaden? Nach gründlicher Überlegung habe ich dann 2002 meinen eigenen Ethik-Katalog erstellt. Seitdem investiere ich in meinen Fonds nicht in die folgenden Branchen: Rüstungsindustrie, Spiel-Casinos, Zigaretten und Drogen. Da mögen die Kurszuwächse, Geschäftsaussichten oder Bruttomargen noch so hoch sein, Aktiengesellschaften dieser Branchen stelle ich kein Geld zur Verfügung. Die Vorstellung, dass mein Sohn eines Tages erschossen wird, und ich an der Gewehrkugel als Aktionär Geld verdiene, ist mir unerträglich. Ich habe mir also selbst auferlegt, äußert profitable Branchen links liegen zu lassen. Als engagierter Value-Investor ist es mir trotzdem gelungen, erfolgreich Geld anzulegen – eben in anderen Branchen. Das Selbstvertrauen sollte man schon besitzen.

Je länger man sich mit dem Thema – „was machen eigentlich meine Aktienunternehmen?“ – beschäftigt, umso diffiziler wird es. Hier beispielsweise zwei weitere Branchen: Wie stehe ich zum Alkoholgeschäft? Da gibt es eine Reihe sehr schöner Aktien: Heineken Bier, Davide Campari (die ihren halben Umsatz mit Wein machen) und Brown-Foreman an der Börse in New York mit ihrem berühmten Jack Daniels Whiskey. Ein Glas Wein ist gesund, was ist aber mit hochprozentigen Alkohol?

Profitable Aktieninvestments der letzten Jahre waren Hersteller von Computerspielen. Ganze Heerscharen von jungen Männern hängen täglich stundenlang am Computer sozusagen „im Häuserkampf um Bagdad“ als virtuelle Scharfschützen. Die Programme sind bewusst so verfasst, dass der Suchtnerv der Nutzer getroffen wird. Was ist davon zu halten?

Nach dem Branchenkatalog gilt es im nächsten Schritt, das Geschäftsmodell beziehungsweise das Verhalten der Manager ethisch einzuordnen.

Die Nestlé-Aktie genießt einen guten Ruf als langfristige Anlage. Auf Facebook wird die Anzahl der Stimmen immer lauter, die den Aufkauf von Wasserquellen in den Entwicklungsländern und in den Vereinigten Staaten von Amerika kritisch beäugen. Nach dem Motto: „Nestlé gräbt den armen Menschen das Wasser ab, um es danach in teuren Flaschen zu verkaufen“. An der Börse sind solche Stimmungslagen durchaus ernst zu nehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich in der nächsten Familien-Anlageausschuss-Sitzung mich mit meiner positiven Einschätzung der Nestlé-Aktien nicht mehr durchsetzen kann. Und so etwas kann ja auch in Kalifornien in der großen Pensionskasseneinrichtung passieren. Das hätte dann schon Auswirkung auf den Kurs der Nestlé-Aktie.

Der Verlauf der Nike-Aktie ist eine tolle Erfolgsstory. Doch was wird das FIFA-Debakel im Fußballgeschäft noch alles an das Tageslicht bringen? In Brasilien liegen erste Anschuldigungen gegen Nike vor.

Wäre es möglich, dass hier nicht nur die Verbandsspitze, sondern eine ganze Branche im Sumpf steckt? Was wäre dann mit Adidas? Aus meiner Erfahrung kommt es bei dem Umgang mit Kapital durchaus auf eine eigene und klare Linie an. Ohne feste Prinzipien und Grundsätze wird der Geldanleger und Aktionär auf Dauer hin und her geschüttelt. Ihm wird die Ruhe und Gelassenheit fehlen, da er ohne inneren Halt und vom außen gesteuert durch die Börsenwogen geschoben wird.

Es lohnt sich von daher, zu seinen eigenen ethischen Eckpfeilern zu kommen. Man weiß, wo man hingehört und wo eben nicht. Das trägt zu einem fundamentalen Wohlgefühl bei. Vorsichtig wäre ich immer dann, wenn bei Fonds, Banken oder Vermögensverwaltern die tolle „Ethik“ als Marketing Instrument im Vordergrund der Investmententscheidung steht. Das gesunde kaufmännische Wirtschaften muss immer die Basis der Aktienanlage sein. Dies kann nicht durch eine noch so gut gemeinte soziale Einstellung kombiniert mit wirtschaftlichem Misserfolg kompensiert werden. Wer partout bestimmte Projekte oder Entwicklungen fördern möchte, an denen man kein Geld verdienen kann, der sollte besser das Geld dafür spenden.

Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte, die meinem Geschäftsfreund kürzlich passiert ist. Er hat seinen seit Jahren überdurchschnittlich erfolgreichen Value-Fonds einer kirchlichen Organisation vorgestellt. Die Vermögensrenditen liegen dort seit Jahren schlecht. Wegen der geringen Kapitalerträge müssen Kindergärten geschlossen werden, die Organisation hat Probleme mit dem jährlichen Cashflow.

Man war zunächst von dem Value-Fonds sehr angetan. Bis man im Anlageausschuss plötzlich stutzte. Der Value-Fonds meines Freundes hält im Portfolio seit Jahren die Aktie von Reckitt Benckiser (eine der besten und zuverlässigsten Aktien der letzten Jahre). Reckitt Benckiser verfügt über eine breite Palette von Konsum-Markenartikeln, wie zum Beispiel Calgon, Finish, Woolite, Hofmanns Stärke, Veed, Kukident, Scholl und viele andere etablierte Marken. Unter anderem aber auch die Marke „Durex“. Da hiess es: „Aber die stellen doch Kondome her! Nein, in so einen Aktienfonds können wir nicht investieren!“

Lieber lässt man das Kapital schlecht wirtschaften und kürzt die Ausgaben, nach Maßgabe einer beauftragten McKinsey Studie. So viel zum Thema: Ethik über alles! Und wie sieht es mit Ihrem Ethik-Modell bei Ihren Geldanlagen aus? Haben Sie sich schon Gedanken gemacht? Ihre Meinung interessiert mich.

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