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FußballaktienBallspiele an der Börse

Papiere von Fußballaktien sind spekulativ, das zeigt unter anderem die Börsenhistorie von Borussia Dortmund. Auch Anleger der neuen Anleihe von Schalke 04 liegen im Minus. Nun plant der britische Rekordmeister Manchester United den prominentesten Börsengang in den USA seit Facebook.Stefan Hajek, Anton Riedl, Christof Schürmann 09.07.2012 - 06:00 Uhr

Kaum zu glauben. ManU war schon einmal an der Börse und das außerordentlich erfolgreich. Wer 1991 die Aktie kaufte, konnte sich zwischenzeitlich über eine Verdreißigfachung des Kurses freuen

Foto: dpa

Der britische Fußball-Rekordmeister Manchester United plant, diesen Sommer an die New Yorker Börse zu gehen. Laut jetzt eingereichten Unterlagen will ManU bis zu 100 Millionen Dollar bei Anlegern einsammeln. Preisspanne je Aktie und der Tag des Börsengangs sind bisher nicht bekannt. ManU war schon einmal an der Börse und das außerordentlich erfolgreich. Wer 1991 die Aktie kaufte, konnte sich zwischenzeitlich über eine Verdreißigfachung des Kurses freuen. Wie kein anderer Club vermarktete ManU sich in den Neunziger Jahren extrem erfolgreich auf dem lukrativen asiatischen Markt. 2005 kaufte der Milliardär Malcolm Glazer mit seiner Familie den Club für 790 Millionen Pfund Sterling von der Börse weg. Bei den Fans ist die Familie, die den Club auch leitet, eher verhasst. Deshalb lässt sich ManU offenbar auch nicht erneut in London notieren.

Manchester United ist in der Premier League, was der FC Bayern München in der Bundesliga ist. Schon 1991 hatte ManU Aktien des Vereins erfolgreich an die Börse gebracht (Im Vordergrund ManU-Stürmerstar Wayne Rooney) - und die waren eine Erfolgsstory. Der Aktienkurs stieg in den Folgejahren um ein Vielfaches. Heute plagen den Verein allerdings Schulden in Höhe von 423 Millionen Pfund

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ManU gehört dem Milliardär Malcolm Glazer. Er kaufte 2005 den britischen Rekordfußballmeister und nahm die Aktie von der Börse. Um die Schuldenlast zu lindern, soll die Aktie nun an die Börse zurückkehren - allerdings an der Wall Street in New York. Glazer wird dank der Mehrfachstimmrechte seiner Anteile dennoch das Sagen haben. Der Club will an der New Yorker Börse 100 Millionen Dollar von Investoren einsammeln

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Fußballklubs brauchen für den wirtschaftlichen auch den sportlichen Erfolg. Eine Champions-League-Teilnahme beschert den Vereinen hohe Einnahmen aus den Übertragungsrechten, Sponsoren zahlen mehr, die Werbeeinnahmen steigen. Aber die schwankenden Einnahmen stehen oftmals konstant hohen Ausgaben gegenüber - vor allem für teure Spieler und große Stadien. Vereine versuchen daher immer öfter, Kapital an der Börse einzusammeln. Für Anleger ist das mitunter riskant

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Borussia Dortmund wagte als erster Bundesligist den Sprung an die Börse. Aber mit dem Börsengang am 31. Oktober 2000 begann auch ein Leidensweg. Die Aktie fiel schon am ersten Handelstag und die sportlichen Erfolge wurden trotz der Einnahmen aus dem Börsengang immer spärlicher. Auf große Erfolge mussten die Dortmund-Fans lange warten. Im Bild die Dortmund-Spieler Sebastian Kehl und Mats Hummels nach dem Sieg im DFB-Pokalfinales 2012 gegen Bayern München.

Foto: REUTERS

In Dortmund wurde geklotzt: Mit dem Signal Iduna Stadion entstand im Revier das größte Fußballstadion Deutschlands. Es fasst 81.000 Besucher. In der Finanznot wurde es verkauft, zurückgemietet und schließlich wieder zurückgekauft - jedesmal, um Geld zu sparen

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Nachdem das Geld aus Börsengang verbraucht war, häufte Borussia Dortmund bis 2004 in der Spitze 180 Millionen Euro Schulden an. Trikotsponsor Evonik stieg 2006 dennoch ein, hat gerade den Vertrag verlängert. Der neue Trikot-Ausstatter Puma (Vertrag bis 2016) zahlt zudem fast dreimal soviel wie der Vorgängersponsor Kappa

Foto: REUTERS

Auch der bei Dortmundfans verhasste Rivale Schalke 04 aus dem nahen Gelsenkirchen gönnte sich ein großes, teures Stadion. Die hohen Schulden des Vereins sollten neu strukturiert werden, um die Kreditkosten zu senken. Die Vereinsführung entschloss sich, 100 Millionen Euro von Anlegern einzusammeln. Allerdings nicht mittels Börsengang und der Ausgabe neuer Aktien. (Im Bild die Schalke-Spieler Jefferson Farfán und Klaas-Jan Huntelaar)

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Stattdessen bot Schalke 04 eine Anleihe an - und setzte dabei offenbar auf die zahlreichen treuen Fans. Doch schon am ersten Handelstag der neuen Anleihen fielen die Papiere um fünf Prozent. 50 Millionen Euro sollten durch die Anleihe in die Schalke-Kasse gespült werden. Aber aufgrund der zu geringen Nachfrage kamen nur 35 Millionen Euro zusammen. Beim Geld hört ja bekanntlich die Freundschaft auf

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Hohe Schulden

Dass der neue Börsengang ähnlich erfolgreich wird, wie vor 20 Jahren, ist zweifelhaft. Denn mit den Einnahmen aus dem Börsengang sollen erst einmal die hohen Schulden des Clubs abgebaut werden. ManU belasten Verbindlichkeiten über gut 423 Millionen Pfund. Zudem wird Glazer über Mehrstimmrechte auch langfristig die Geschicke des Clubs bestimmen. Im Geschäftsjahr 2011 (30. Juni) setzte Manchester United 331 Millionen Pfund um und erzielte dabei einen Gewinn von 13 Millionen Pfund. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres erzielte der Club einen Ertrag vor Steuern von 15,7 Millionen Pfund und einen Umsatz von 246 Millionen Pfund.

Schwarze-gelbe Emission, der BVB auf dem Parkett

Lange Zeit sah es so aus, als würde sich die Borussia Dortmund KG auf Aktien nahtlos in die Reihe hochgejubelter Möchtegern-Börsenstars einreihen, die rund um die Jahrtausendwende zu völlig überzogenen Preisen an die Börse gekommen waren und danach gnadenlos abstürzten. Für 11,00 Euro hatten Deutsche Bank, WGZ Bank, Dresdner Kleinwort, die WestLB und die beiden Dortmunder Lokalbanken Sparkasse und Volksbank Deutschlands  erste und bislang einzige Fußballaktie unter die Anleger gebracht.

Stark angefangen, stark nachgelassen. Schon bald stellte sich heraus, dass Banken und die damalige BVB-Vereinsführung um Manager Michael Meier und Vorstand Gerd Niebaum zu hoch gepokert und das Unternehmen viel zu positiv bewertet hatten

Foto: dpa/dpaweb

Die schlimmsten Zeiten sind vorbei. Heute notiert die Aktie von Borussia Dortmund mit rund 2,40 Euro wieder gut 200 Prozent über seinem Tiefststand bei 80 Cent von 2009

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Es folgte ein beispielloser Absturz, der selbst die Crashs der Telekom-Aktie und vieler hochgejazzter Papiere vom damaligen Neuen Markt in den Schatten stellt: Schon bald stellte sich heraus, dass Banken und die damalige Vereinsführung um Manager Michael Meier und Vorstand Gerd Niebaum zu hoch gepokert und das Unternehmen viel zu positiv bewertet hatten: Den Zeichnungspreis von 11 Euro sah das Papier niemals wieder, seit es an der Börse gehandelt wurde; schon der Schlusskurs der ersten Handelstages lag deutlich darunter. 

Dann ging es Schlag auf Schlag: Die Börsen brachen 2001 und 2002 weltweit zusammen und rissen dabei nicht nur Fußballaktien mit in die Tiefe; bis März 2003 fielen auch die 30 größten deutschen Konzerne im Dax von mehr als 8100 auf 2200 Punkte um 75 Prozent.

Dazu kam schnell BVB-spezifische Unbill: als die Mannschaft 2003 die Qualifikation zur lukrativen Champions League verpasste, begann das von Meier und Niebaum konstruierte Modell in sich zusammen zu brechen. Der Kader erwies sich als zu teuer, die 130 Millionen Euro aus dem Börsengang (plus 50 Millionen aus einem Vertrag mit dem Sportrechte-Vermittler UVA) waren verprasst; schlimmer noch: die Schulden waren auf mehr als 180 Millionen Euro angewachsen.

Der Beinahe-Exitus

Keine zwei Jahre später mit sportlich mageren Ergebnissen im Bundesliga-Mittelfeld und ohne internationales Geschäft stand der Verein schließlich vor dem Aus: Um den Tod auf Raten noch ein wenig hinauszuzögern, hatte das alte Management um Meier und Niebaum nicht nur künftige Einnahmen verpfändet, sondern auch das mit 81.000 Plätze bei weitem größte Fußballstadion der Republik verkauft und zurückgemietet.

Der damals erst seit kurzem amtierende neue Vorstandschef Joachim „Aki“ Watzke musste nun nichts weniger als ein Wunder vollbringen: Auf einer denkwürdigen Versammlung am Düsseldorfer Flughafen musste Watzke am 14. März 2005 die Anteilseigner des Immobilienfonds Molsiris überzeugen, das Stadion an den BVB zurück zu verkaufen; Zinsen und Mieten drohten den Club zu erdrücken. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Club einen Verlust von 70 Millionen Euro gemacht. Obwohl die rund 6000 Mosiris-Anteilseigner also auf ihre zugesagte Rendite verzichten mussten, gelang der Coup.

Noch zwei weitere Jahre stand der Club unter Gläubiger-Aufsicht; musste sich jeden Transfer genehmigen lassen und sportlich äußert kleine Brötchen backen.

Mit der Verpflichtung von Jürgen Klopp und dessen Team als neue Trainer gelang Watzke 2008 ein vielleicht noch größerer Coup: Seitdem geht es mit dem BVB sportlich steil bergauf. Auf einen (äußerst unglücklichen) sechsten Platz in der ersten Klopp-Saison folgte mit Platz 5 im Jahr 2009/10 die Rückkehr ins internationale Geschäft; 2010/11 dann völlig überraschend die deutsche Meisterschaft. Dass die Mannschaft den Titel sogar verteidigen konnte, werten viele Experten sogar als noch größere Leistung, das gelang in den letzten zehn Jahren ausser dem FC Bayern niemanden.

Der Kassenschlager

Erst im November startete der Zweitligist FC St. Pauli die Zeichnungsphase seiner Fan-Anleihe. Papiere zu 100, 500 oder – in Bezug auf das Gründungsjahr – 1910 Euro gab der Kiezclub seither aus.  Vier bis fünf Millionen Euro wollte er damit einsammeln, am Ende wurden es acht. Der Verein musste wegen des Ansturms sogar noch mal nachlegen. Die Anleihe läuft bis 2018.

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Die Fan-Anleihe ist offenbar auch ein Erfolgsmodell für die Rheinländer: Als deutschlandweit erster Klub zahlte der 1. FC Köln 2011 das komplette Anleihevolumen an seine Gläubiger zurück.

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Schlechter läuft es für St. Paulis Erzrivalen: Hansa Rostock hatte im Juli 2011 ebenfalls eine Anleihe auf den Markt gebracht und im November erst 300.000 der angepeilten 5 Millionen Euro eingenommen. Eine ähnlich durchwachsene Bilanz hatten die Hauptstädter: 2011 nahm Hertha BSC statt den erwarteten sechs Millionen Euro nur 3,5 Millionen mit den Anleihen ein.

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Der Vorreiter

Den Anfang in der deutschen Liga hat 2005 Hertha BSC gemacht. In anderen Ländern, wie Großbritannien, sind Vereinsanleihen bereits seit Jahrzehnten Gang und Gäbe, um neben Krediten und dem Einstieg von Investoren an frisches Geld zu kommen.

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Die Zinsen

Die meisten Vereine wählen einen Zinssatz, der deutlich über dem eines klassischen Sparbuchs liegt: fünf bis sechs Prozent. Über die Anleihen ist der Fan an seinem Lieblingsverein beteiligt und kann sich wie im Fall des 1. FC St. Pauli (mit Vereins- oder Totenkopfemblem) oder Arminia Bielefeld auch die „Schmuckurkunden“, die ihren Besitzer als Financier adeln, ins eigene Wohnzimmer hängen.

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Die Erfolgsboni

Einige Vereine locken ihre potentiellen Investoren noch mit besseren Ertragsaussichten. So hätte es auch Hansa Rostock gelingen können: Wäre der Klub in die erste Liga aufgestiegen, hätte der Ost-Verein einen zusätzlichen Ertrag von zwei Prozent zum jährlichen Basiszins von fünf Prozent auszahlen wollen.

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Die Profiteure

Die Vereine erschließen zunehmend das Anleihe-Modell als Finanzierungsquelle. Auch Schalke 04, 1. FC Nürnberg, der 1. FC Köln, 1860 München und Arminia Bielefeld gaben bereits Anleihen aus.

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Die Rendite

Der Ertrag ist eng mit dem sportlichen Erfolg des Vereins verknüpft, weil davon abhängt, wie viel Geld Sponsoren zahlen, wie viel Geld erspielt wird etc. Ausgefallen ist bislang auch noch keine Vereins-Anleihe.  Bei Schalke 04 schlug in der Saison 2009/2010 das Verpassen der internationalen Wettbewerbe gleich mit einem Minus von 20 Millionen Euro zu Buche.

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Bei Alemania Aachen ging das Aneleihegeschäft nur deshalb nicht nach hinten los, weil die Stadt mit einer 5,5-Millionen-Euro-Bürgschaft 2011 einsprang als der Verein vor der Insolvenz stand. Nur so konnten die Aachener die Rückzahlung ihrer  „Tivoli-Anleihen“ garantieren, die sie 2008 herausgegeben hatten, um ihr neues Stadion zu finanzieren.

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Generell sind die Aussichten auf hohe Renditen gering. „Für rationale Anleger sind Investments in Fußballclubs im Allgemeinen nicht besonders interessant, da die entsprechende Renditephase fehlt“, sagte Christian Keller, Professor für Sportmanagement an der SRH Hochschule Heidelberg, der Wiwo.

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Die Anleger

Die meisten Vereine setzen bei ihren Anleihen auf Fans, die sich mit kleineren Beträgen am Verein beteiligen. Das ist bei St. Pauli der Fall, wo die Anleihen im Schnitt für 1400 Euro gezeichnet wurden. Vereinzelt waren nach Vereinsangaben auch Anleger dabei, die einen höheren fünfstelligen Betrag investiert haben.

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Schalke hatte dagegen auf Großinvestoren gesetzt, um von seinem Schuldenberg herunter zu kommen. Der Londoner Finanzvermittler Stephan Schechter hatte ein Konsortium von Investoren vor einigen Jahren vermittelt, das dem Klub 85 Millionen Euro lieh. Nach Vereinsangaben werden die noch offenen 65 Millionen Euro durch Umschuldung abgelöst. Neuer Kreditgeber ist laut der FAZ eine „international operierende Bank“. Was 2010 nur wie ein Gläubigerwechsel schien, war aber mehr: Denn offenbar hatte Schechter versucht, Einfluss auf die Personalpolitik des Vereins zu nehmen. Doch geben auch die Schalker ihre Anleihe heraus.

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Das „Liebhaber-Risiko“

Für die Fans ist meist die Beteiligung am eigenen Klub wichtiger als es rosige Rendite-Aussichten sind. Denn haben die Anleihen zwar ein relativ geringes Ausfallrisiko – nicht zuletzt, weil bei vielen Vereinen die öffentliche Hand einspringen könnte - , ist auch die Rendite eher gering.

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Generell gilt: Investiert der Verein das frische Fremdkapital in Beine statt in Steine, kauft also neue Spieler, ist das Risiko höher. Wird aber, wie es etwa der Kiezclub St. Pauli plant, das Geld in die Infrastruktur – in diesem Fall in den Ausbau von Stadion und Trainingsgelände – gesteckt, sinkt das Risiko für den „Fan-Anleger“.

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Steht ein Verein grundsätzlich finanziell solide da, sind auch die Risiken für die „Klein-Investoren“ naturgemäß geringer. Beispiel: Wieder der FC St. Pauli. Trotz des Abstiegs machte der Klub in der abgelaufenen Saison einen Rekord-Gewinn von 5,3 Millionen Euro. Andersherum: Steigt ein Verein zum Beispiel ab, hat das nicht nur fatale Konsequenzen für die Finanzen des Vereins, sondern eben auch für die Rendite der Anleihen: Oftmals, so sagen Finanzmarktexperten, ist die angebotene Verzinsung im Verhältnis zum Risiko daher zu niedrig.

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Einen aus Sicht von Finanzanlegern solch fatalen Ausfall gab’s bei Arminia Bielefeld. Als der Verein 2006 seine fünfjährigen Anleihen ausgab, um den Umbau des Stadions zu finanzieren, spielte er noch in der ersten Liga. Zum Ablauf der Anleihe ist der Klub überschuldet und kickt in der Drittklassigkeit. Doch die Fans ließen ihren Klub nicht in die drohende Insolvenz schliddern: Auf Bitten des Vereins verlängerten mehr als 40 Prozent der knapp 2500 Gläubiger im Herbst ihre Anleihen bis 2016. Einige verzichteten komplett auf ausstehende Forderungen und mehr als 1.000 Fans investierten gar nochmals in eine neue „Zukunfts-Anleihe". 

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Für die Finanzen des Clubs erwies sich die Verpflichtung von Trainer Jürgen Klopp (Mitte, neben Manager Michael Zorc, links, und Vorstandschef Hans-Joachim Watzke) als Geniestreich: Nach dem Meistertitel 2011 holte sich Borussia Dortmund die Trophäe 2012 gleich nochmal und gewann außerdem den DFB-Pokal

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Dass der sportliche Erfolg auch den wirtschaftlichen nach sich ziehen würde, liegt in der Natur des Fußballgeschäfts und bedarf wohl keiner besonders herausragenden Management-Leistung – auf den ersten Blick bringen Champions-League-Qualifikation und bessere Fernsehprämien das Geld den sportlich erfolgreichen Vereinen von alleine ins Haus; bei genauerer Betrachtung sind die Leistungen des Dortmunder Managements aber gar nicht hoch genug einzuschätzen: 126 Millionen Euro an Schulden hat Watzke seit 2005 abgebaut; das Stadion zurückgekauft, mit Klopp, Co-Trainer Zeljco Buvac und den anderen Trainern den sportlichen Erfolg auf Jahre hinaus erreichbar oder gar wahrscheinlich gemacht (soweit das im Fußball überhaupt geht), und mit Evonik den perfekten Trikot-Sponsor gefunden: Der Essener Konzern stammt aus der Region und sorgt für eine hohe Identifikation mit der Marke.

Heute notiert das Papier mit rund 2,40 Euro wieder gut 200 Prozent über seinem Tiefststand bei 80 Cent von 2009. Allerdings sind Anleger, die dem BVB und seiner Aktie seit Anfang an die Treue halten, noch immer mit rund 75 Prozent im Minus.  BVB-Boss Watzke geht davon aus, „dass die überwältigende Mehrheit unserer Anleger, die jetzt dabei sind, mit ihrem BVB-Investment im Plus sind“. Watzke schätzt den Anteil der BVB-Aktionäre der ersten Stunde nur noch auf rund ein Prozent.

Einer tut sich als besonders eifriger BVB-Aktiensammler hervor: BVB-Aufsichtsrat Bernd Geske. Geske kaufte wiederholt BVB-Aktien zu (aus heutiger Sicht) sehr günstigen Einstiegskursen und hat umgekehrt noch nie ein Paket wieder verkauft, was er als Unternehmensinsider, der er als Aufsichtsrat ist, melden müsste. Inzwischen besitzt Geske mehr als 11 Prozent aller BVB-Aktien. 18,5 Prozent hält der Verein selbst.

Nebenwerte

Kräftig verdienen mit den kleinen Starken

Solche Überzeugungstäter als strategische Langfristinvestoren und solche Unternehmensinsider wünscht sich jede AG. Anders den einen oder anderen der zahlreichen, teils schillernden Vorgänger Geskes. Der bekannteste dürfte der ehemalige Basketball-Auswahlspieler, Neckermann-Millionenerbe und Hedgefondsmanager Florian Homm sein: Homm wird Anlagebetrug vorgeworfen. Angeblich jagt ihn auch Russenmafia ; er soll sich irgendwo in Westafrika versteckt halten.

Rekordumsatz von 200 Millionen Euro

Die Zeichen für eine Fortsetzung des wirtschaftlichen Aufschwungs stehen gut: Der Verein hat die Schuldenlast auf erträgliche rund 60 Millionen Euro gesenkt und gerade einen Rekordumsatz von mehr als 200 Millionen Euro für das vergangene Geschäftsjahr verbucht. Das ist umso bemerkenswerter, als mit Ausnahme von Nuri Sahin, der für 10 Millionen Euro zu Real Madrid wechselte, keine teuren Transfererlöse diesen Umsatz aufpumpen.

Wurde der BVB 2010/11 noch mit dem neuntteuersten Kader deutscher Meister, so dürften die Gehälter inzwischen zwar in der Belle Etage der Liga angekommen sein; sie sind aber mit Sicherheit noch immer weit entfernt von den spendabelsten Vereinen Bayern München und VfL Wolfsburg.

Der BVB geht erneut mit der viertjüngsten Mannschaft in die Saison; Spitzenverdiener wie Mats Hummels und Mario Götze sind nach wie vor die Ausnahme; der Großteil des Kaders dürfte durch die beiden Meisterschaften zwar teurer geworden sein; anders als etwa in Wolfsburg, Schalke  oder Stuttgart widerstand man aber in Dortmund der Versuchung, sportlichen Erfolg durch hohe Fixgehälter zu erkaufen; die Dortmunder Gehälter sind nach Aussage einiger Spielerberater fast alle extrem variabel und erfolgsabhängig.

Kalte Dusche für Schalke. Die jüngste Anleihe des Fußballclubs verlor in wenigen Stunden nach Neuemission mehr als fünf Prozent ihres Nennwerts

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Auch bei den Sponsoreneinnahmen zeichnet sich der gestiegene Wert des Vereins inzwischen ab:

Trikotsponsor Evonik hat sein Engagement bei Borussia gerade bis zur Saison 2015/16 verlängert; ebenso der Namensgeber des Stadions, der Dortmunder Versicherungskonzern Signal Iduna. Beide Firmen stammen aus der Region und haben in den mageren Jahren – anders als der frühere  Ausrüster Nike – der Versuchung widerstanden, ihre Geschäftsbeziehung zum BVB in dessen schlechten Jahren zu beenden; der zahlt nun offenbar mit gleicher Münze zurück: Nach Meinung von Sponsoring-Experten hätte der auf der Erfolgswelle der beiden Meisterschaften reitende Club  weitaus lukrativere Sponsoren-Deals an Land ziehen können, setzt aber auf Kontinuität mit den beiden bewährten Partnern und verzichtet dafür wahrscheinlich auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag pro Jahr.

Mit Puma hat der BVB zudem einen lukrativen Ausrüster an Land gezogen, der sich das Recht, die BVB-Spieler mit Leibchen und Hosen ausstatten zu dürfen, dem Vernehmen nach rund 6 Millionen Euro pro Jahr und damit fast dreimal so viel wie der bisherige Vertragspartner Kappa kosten lassen wird. Weil die Deutsche Fußballliga DFL für die kommenden Jahre zudem einen sehr lukrativen Vertrag für die Vergabe der TV-Rechte ausgehandelt hat. Nach den neuen Verträgen nimmt die DFL künftig im Schnitt 628 Millionen Euro pro Saison für die Übertragungsrechte an den Bundesliga-Spielen ein, bislang lagen die Einnahmen pro Saison bei 412 Millionen Euro.

Als Meister der beiden abgelaufenen Spielzeiten wird sich Dortmund neben Bayern München die beiden größten Teile davon einverleiben dürfen.

Unter diesen Voraussetzungen dürfte die unglückselige Phase der Liaison BVB-Börse der Vergangenheit angehören.

Königsblaue Ernüchterung, die Schalke –Anleihe

Es war eine kalte Dusche, als die jüngste Anleihe des Fußballclubs Schalke 04 (DE000A1ML4T7) in wenigen Stunden nach Neuemission mehr als fünf Prozent ihres Nennwerts verlor. In den Folgetagen rutschte der Bond sogar bis auf 92 Prozent ab. Mit aktuellen Notierungen um 94 Prozent liegt die Anleihe immer noch tief unter Wasser. Im Gegenzug ist die Rendite bis auf fast acht Prozent gestiegen.  Ist das jetzt ein faires Angebot, sein Geld anzulegen, womöglich bis Juli 2019 der Fälligkeit der Anleihe?

Fußball ist durchaus ein Wachstumsmarkt und deshalb eigentlich kein schlechtes Umfeld für Anleiheinvestoren. Die große öffentliche Resonanz auf die jüngste EM und die hohen Zuschauerzahlen machen das offensichtlich. In der Bundesliga ist die Zahl der Stadionbesucher in den vergangenen zehn Jahren von neun Millionen auf 13 Millionen gestiegen. Schalke konnte seine Mitglieder in den vergangenen zwölf Jahren auf 110.000 verfünffachen.

Die Einnahmequellen des Vereins sind vielfältig: Erlöse aus Champions-League-Teilnahme, Tickets, Werbung, Medien, Spielertransfer, Fernsehrechte. 2011 kamen immerhin 224 Millionen Euro Jahresumsatz zusammen, 19 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das Problem dabei: Die Gewinne schwanken erheblich. 2009 machte Schalke 16 Millionen Euro Verlust, weil die Medienerlöse einbrachen. 2010 und 2011 folgten jeweils überschaubare Gewinne um fünf Millionen Euro. Das ist für Anleiheinvestoren, die eine kontinuierliche Entwicklung ihres Unternehmens bauen, weniger schön.

Neue Sparpolitik

Für 2012 gibt sich der Verein zuversichtlich. Der Grund ist die Sparpolitik, die Finanzchef Peter Peters eingeleitet hat. Bisher reduzierte er die Schulden um ein Viertel  auf 185 Millionen Euro. Allerdings, das sind immer noch rund drei Viertel vom Jahresumsatz und rund das Dreifache des Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation. Genau deshalb will Schalke mit der neuen Anleihe die Finanzstruktur ja auch verbessern.

Weniger werden die Schulden deshalb natürlich nicht. Dass Schalke allerdings Bankkredite durch Geld gewogener Gläubiger ersetzt, ist schon ein Vorteil.

Die wetten nun darauf, dass Schalke in den kommenden Jahren die einnahmeträchtige Champions League erreicht, um damit das teure Team zu finanzieren. Ohne Frage muss der Verein natürlich die erste Bundesliga halten; ein Abstieg wäre auch für die Inhaber der Anleihe eine Katastrophe.

Fazit: Mit fast acht Prozent Rendite ist die Schalke-Anleihe ein hochspekulatives Papier, das sich nur für Fans und Überzeugungstäter eignet. Und auch die sollten nur begrenzte Mittel einsetzen. 

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