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Alarmstimmung Rezessionsangst sucht europäische Börsen heim

Angst vor US-Rezession setzt Europas Börsen unter Druck Quelle: REUTERS

Der US-Rentenmarkt sendet ein Rezessionssignal und die Zweifel an einer dauerhaften Lösung des US-chinesischen Handelsstreits wachsen. Das sorgt für nervöse Stimmung – nicht nur an der US-Börse, sondern auch in Europa.

Aus Furcht vor eine Rezession beim wichtigen Handelspartner USA ziehen sich Anleger aus europäischen Aktienwerten zurück. „Die Anleger sind wieder im Alarm-Modus“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Dax und EuroStoxx50 verloren am Mittwoch jeweils gut ein Prozent auf 11.214 und 3155 Punkte.

Genährt wurden diese Spekulationen unter anderem von der Entwicklung am US-Rentenmarkt. Dort sind erstmals seit gut einem Jahrzehnt die Renditen länger laufender Bonds teilweise unter diejenigen mit kürzerer Laufzeit gefallen. Börsianer nennen dieses Phänomen „inverse Zinskurve“. „Normalerweise werden länger laufende Anleihen höher verzinst“, sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. „Eine Invertierung der Zinsstrukturkurve gilt als Rezessionssignal.“

Trotz des von US-Präsident Donald Trump verkündeten Burgfriedens im Zollstreit mit China wachse der Zweifel an einer dauerhaften Lösung, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Trump zeigte sich wie gewohnt äußert optimistisch, während in Peking weiterhin Stille herrscht.“

Frische Impulse aus den USA waren am Mittwoch nicht zu erwarten, da die dortigen Aktien- und Anleihemärkte zum Gedenken an den kürzlich verstorbenen Ex-Präsidenten George Bush Senior geschlossen blieben. Vor diesem Hintergrund nahmen einige Anleger Kurs auf den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen. Ihre Käufe drückten die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Sechs-Monats-Tief von 0,242 Prozent.

Mit sorgenvoller Miene blickten Anleger auch nach London. Dort kassierte die britische Premierministerin Theresa May im Unterhaus zwei Schlappen. Unter anderem sicherten sich die Abgeordneten ein Mitspracherecht bei den nächsten Schritten, sollte der mit der EU ausgehandelte Brexit-Deal bei der für den 11. Dezember geplanten Abstimmung durchfallen. Da die Parlamentarier bei diesem Thema heillos zerstritten seien, wachse die Gefahr eines ungeordneten Brexit ohne einen Vertrag über die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU, warnte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Das Pfund Sterling kam kaum vom Fleck und kostete 1,2720 Dollar. Der Euro notierte bei 1,1339 Dollar.

Die Spekulationen auf eine Abkühlung der Weltwirtschaft setzte konjunkturabhängige Werte unter Druck - vor allem aus dem Technologiesektor. Die Stimmung hier verdüsterte zudem ein Umsatzeinbruch der taiwanischen Chipfirma Nanya, deren Aktien um gut acht Prozent einbrachen. Die Titel der europäischen Konkurrenten Infineon und STMicro gaben jeweils mehr als ein Prozent nach. Zu den größten Verlierern im Dax zählten zudem die Chemiefirma Covestro und der Industriekonzern Thyssenkrupp mit Kursverlusten von bis zu 2,3 Prozent.

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