Leben mit Aktien: Die Disney-Aktie ist ein Traum auf Pump
Der Mediengigant Disney konnte vergangene Woche die Börse begeistern. Ein viel besserer Gewinn als erwartet, Kosteneinsparungen, ein üppiges Aktienrückkaufprogramm sowie eine deutlich großzügigere Dividende haben den Aktienmarkt überzeugt. Die Aktie stieg um zehn Prozent, auf den höchsten Stand seit einem Jahr. Wir nehmen die Quartalsergebnisse im Detail in der neuen Folge unseres Podcasts „Leben mit Aktien“ unter die Lupe.
Was noch fehlt? Eine penible Analyse der Schuldensituation bei Disney. Denn die droht, die Party zu vermiesen. Im Bericht über das erste Quartal von Disneys Geschäftsjahr, das dem vierten Quartal des Kalenderjahres entspricht, listet das Unternehmen 42 Milliarden Dollar an Darlehen und etwas über 12 Milliarden Dollar an „anderen langfristigen Verbindlichkeiten“ auf. Kurz gesagt: Mit 54 Milliarden Dollar steht Disney in der Kreide.
Das will alles irgendwann zurückgezahlt werden – selbstverständlich mit Zinsen. Damit wären wir schon beim nächsten Problem. Auf Seite 108 seines letzten Jahresberichts führt Disney auf, was es in Zukunft an Zinsbelastungen erwartet. Hier kommen weitere 25 Milliarden Dollar auf den Micky-Maus-Konzern zu.
Wie acht Milliarden verpuffen
Das wirft einen langen Schatten auf die Kapitalverwendungsstrategie, die eben noch an der Börse gefeiert wurde. Für das laufende Geschäftsjahr prognostiziert Disney überraschend optimistische acht Milliarden Dollar an freiem Cashflow. Diese Kennzahl dient dazu, Aktionären eine Übersicht über das für Dividenden, Rückkäufe und Schuldendienste verfügbare Kapital zu geben.
Schnell zeigt sich: Die acht Milliarden sind in Windeseile verscharrt. Die um 50 Prozent angehobene Dividende lässt sich Disney 1,6 Milliarden Dollar kosten. Das neue Aktienrückkaufprogramm kostet weitere drei Milliarden Dollar. Annualisiert man die aktuellen Zinskosten, kommen dabei zwei Milliarden Dollar heraus. Damit bleiben von acht noch knapp unter eineinhalb Milliarden Dollar übrig. Kein Posten, mit dem die Dutzenden Milliarden an langfristigen Verbindlichkeiten schnell wegzuschmelzen sind.
Kapitalpolster für wichtige Zukunftsinvestitionen sind erst recht nicht drin. Disney schafft sich gerade seine eigene Bilanz-Traumwelt – ohne Garantie auf ein Happy End für Aktionäre.
Mehr zum Thema Disney, russischen Akten, Wertpapierinvestitionen für Kinder sowie Swap-ETFs hören Sie in der neuen Ausgabe unseres Podcasts „Leben mit Aktien“.