Leben mit Aktien: Kennedy-Knick: Darum schwächeln Pharmawerte
Verschwörungstheoretiker und Impfkritiker: Robert F. Kennedy.
Foto: BloombergTrump, Bitcoin und der Kennedy-Knick: Nicht irre werden!
Die Nachrichten rund um Trumps „Gruselkabinett“ namens Regierung überschlagen sich. Der Fracking-Unternehmer Chris Wright als Energieminister, der Fox-Moderator Pete Hegseth als Verteidigungsminister, nicht zu vergessen Elon Musk als Sparbeauftragter. Neben ihnen reiht sich möglicherweise auch noch Impfkritiker Robert F. Kennedy als Gesundheitsminister ein.
Als Trump den Verschwörungstheoretiker auf der Plattform X nominierte, warf er den Arzneimittelherstellern vor, „Täuschung, Fehlinformation und Desinformation“ in Bezug auf die öffentliche Gesundheit zu verbreiten. Damit sei nun Schluss.
Das hatte insbesondere auf die seit September ohnehin schon schlecht laufende Pharmabranche an der Börse negative Auswirkungen. Seit dem 4. November, also einen Tag vor der Präsidentschaftswahl in den USA, kommen sechs der 20 Flop-Unternehmen im S&P 500 aus der Pharmabranche. Allen voran Impfstoffhersteller Moderna (Platz 2), Bio-Pharma-Konzern AbbVie (Platz 6) und der auf Gesundheitsdienstleistungen spezialisierte US-Nebenwert Molina Healthcare (Platz 8). Und: Seit bekannt ist, dass Robert F. Kennedy Gesundheitsminister werden soll, haben sich die Verluste der Pharmawerte weiter erhöht.
Unterschiedliche Gründe für Schwäche
Die Gründe für den Abschwung bei den Aktien sind dabei vielfältig: Während es bei Impfstoffherstellern wie Moderna oder Pfizer auf der Hand liegt, dass ein Impfkritiker wie Kennedy ihrem Geschäftsmodell schaden würde, ist es bei Biotech-Unternehmen wie AbbVie oder Amgen zum Teil auch auf andere Gründe zurückzuführen – Kennedys Nominierung wirkt dabei eher wie ein Verstärker.
Bei AbbVie sind am 11. November Studienergebnisse zum Schizophrenie-Medikament „emraclidine“ negativ ausgefallen. Amgen wiederum ist in der Pipeline stark auf Medikamente gegen Übergewicht fokussiert, bei denen andere Hersteller wie Eli Lilly oder Novo Nordisk schon den Markt untereinander aufgeteilt haben. Doch auch Eli Lilly landet auf Platz 20 der Verlierer mit einem Minus von rund 10 Prozent und verzeichnet einen „Kennedy-Knick“, wie es Investor Christian W. Röhl im WiWo-Podcast „Leben mit Aktien“ nennt.
Die jüngste Nominierung von Stardoktor Mehmet Oz als Medicare- und Medicaid-Chef gibt zumindest einer Branche etwas Rückenwind: den Gesundheitsdienstleistern wie Molina Healthcare und Humana, die mit dem bundesstaatlichen Krankenversicherer Medicare zusammenarbeiten. Seine bisherigen Äußerungen deuten laut Analysten auf eine Stärkung des Systems hin, was die Aktien kurzzeitig beflügelte.
Investor Christian W. Röhl hinterfragt im Podcast ohnehin, ob es für die Pharmawerte mit Kennedy wirklich so schlimm kommen wird wie befürchtet: „Wird er wirklich die über Jahrzehnte gewachsene Macht der Pharma-Multis brechen können?“ Das Urteil der Podcast-Hosts lautet: wahrscheinlich nicht.
Mehr dazu warum die Situation für Pharmawerte wahrscheinlich weniger drastisch ausfallen wird als befürchtet, welche Gemeinsamkeit Bitcoin und Gold haben und wie es mit Bayer, Siemens und Disney 2025 weiter gehen könnte erfahren Sie in der aktuellen Folge von „Leben mit Aktien“.