Leben mit Aktien: Warren Buffetts vergessene Tech-Wette
Für einige war es ein Schock: Wie Anfang Mai bekannt wurde, hat sich die Investmentlegende Warren Buffett von 13 Prozent seiner Apple-Anteile getrennt. Einfach so und ohne dass er das Geld für einen bestimmten Zweck brauchte: Er hat bereits 189 Milliarden Dollar auf der hohen Kante.
Buffett beteuerte auf der Hauptversammlung am 4. Mai zwar, dass er ein begeisterter Apple-Aktionär bleibt. Doch uneingeschränkte Begeisterung sieht in den Augen mancher Beobachter anders aus.
Apple wäre nicht das erste Tech-Unternehmen, bei dem der Investor eine Kehrtwende macht. Relativ bekannt war sein Engagement beim Tech-Dinosaurier IBM. 2011 steckte Buffett mehr als 10 Milliarden Dollar in IBM-Aktien. Keine Kleinigkeit: Im vorausgegangen Jahresbericht war der Wert seines Aktienportfolios mit 77 Milliarden Dollar beziffert. Bis Anfang 2018 hat er dann jedoch alle Anteile wieder veräußert.
Das Orakel von Omaha investiert in Oracle
Weniger geläufig ist dagegen Buffetts Oracle-Investment. Auch hier hat sich Buffett an ein Technologieinvestment gewagt, obwohl er solche Unternehmen normalerweise meidet. Oracle ist ein auf Unternehmenssoftware spezialisierter Konzern, der eine führende Rolle in der Anfangsphase des Internets spielte. Über die Jahrzehnte wurde es von vielen anderen Tech-Unternehmen überholt, aber es bleibt eine Hausnummer: Mit über 330 Milliarden Dollar Börsenwert ist es deutlich wertvoller als Deutschlands Software-Schwergewicht SAP, das ungefähr ein Drittel weniger wert ist. Einen detaillierten Vergleich zwischen SAP und Oracle gibt es in der neuen Ausgabe unseres Podcasts „Leben mit Aktien“.
Im Herbst 2018 wurde bekannt, dass Buffett über zwei Milliarden Dollar in Oracle-Aktien gesteckt hatte. Doch nur ein Quartal später hat er die Anteile schon wieder aus dem Portfolio geworfen. Ein ungewöhnliches Verhalten für Buffett, der eigentlich eine Vorliebe für langfristiges Investieren pflegt und einmal sagte: „Am liebsten besitzen wir Investments für immer.“
In einem Interview wurde Buffett später gefragt, wieso er eine so rasche Kehrtwende bei Oracle vollzogen hat. Er gab daraufhin zu, dass er sich schlichtweg verschätzt hatte. Er konnte die Geschäftsaussichten von Oracle schlechter einordnen, als er zunächst gedacht hatte. Und Buffett bleibt nur investiert, wenn er ein Unternehmen auch versteht. Es war also nur folgerichtig, dass er bei Oracle wieder ausgestiegen ist.
Apple-Aktionäre könnte Buffetts Entscheidung erstmal aufschrecken. Zu viel Sorgen sollte sie trotzdem nicht bereiten. Oracle agiert in technisch komplizierten Geschäftsbereichen. Apple hingegen bietet eine starke Marke und verkauft Produkte, die jeder anfassen kann. Dass Buffett hier bald die komplette Kehrtwende macht, ist unwahrscheinlich.
Mehr zu Software-Champions wie Oracle, SAP, Salesforce und Bechtle sowie der Preisoffensive bei McDonald’s hören Sie in der neuen Ausgabe unseres Podcasts „Leben mit Aktien“.