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Odey Asset Management Der Shortseller, der Wirecard jagt

Hedgefondsmanager Robin Crispin William Odey ist schon jetzt einer der Gewinner des Aktienbebens beim Zahlungsdienstleister Wirecard. Quelle: REUTERS

Der Hedgefonds Odey Asset Management verdient kräftig am Kursbeben bei Wirecard, er setzt auf fallende Kurse. Wer ist der Shortseller, der gegen den Münchener Dax-Konzern wettet?

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Zumindest ein Gewinner des Wirecard-Aktienbebens an der Börse steht bereits jetzt fest: Robin Crispin William Odey. Der Hedgefondsmanager wettet gegen den Münchener Zahlungsdienstleister und setzt darauf, dass die Wirecard-Aktie fällt. Dafür hat sein Hedgefonds Odey Asset Management die Aktie leerverkauft. Er leiht sich die Papiere bei Banken oder Fondsgesellschaften und verkauft sie dann weiter. Fällt der Kurs der Wirecard-Aktie dann tatsächlich, kann Odey sie günstiger kaufen und zurückliefern. Laut Bloomberg hat Odey allein nach dem ersten Kurseinbruch am Mittwoch vergangener Woche 18 Millionen Dollar verdient.

Seit der vergangenen Woche gleicht der Kurs der Wirecard-Aktie einer Berg- und Talfahrt. Am 30. Januar stürzte das Papier erstmals um bis zu 24 Prozent ab, nachdem die „Financial Times“ einen Artikel mit Betrugsvorwürfen veröffentlicht hatte. Darin heißt es, ein Manager des Zahlungsdienstleisters in Singapur werde verdächtigt, Verträge vordatiert zu haben, es bestehe auch ein Verdacht wegen Geldwäsche. Wirecard dementiert bis heute die Vorwürfe. Am 1. Februar legte die FT nochmals nach, bekräftigte ihre Vorwürfe, die Aktie schmierte erneut ab. Gleiches passierte am Donnerstag. Wieder bekräftigt die FT, ein Wirecard-Manager habe Kollegen in Singapur gezeigt, wie sie Bücher manipulieren und Umsätze vortäuschen können. Der Börsenwert des Münchener Dax-Konzerns ist um mehr als neun Milliarden Euro geschrumpft.

Immer mit dabei: Odey Asset Management. Laut Daten aus dem Bundesanzeiger hat der Londoner Hedgefonds 0,69 Prozent der Wirecard-Aktien leerverkauft. Pünktlich am 30. Januar, dem Tag des ersten Absturzes, meldet der Bundesanzeiger, dass Odey seine Position bei Wirecard erstmals seit Sommer 2016 nennenswert verändert hat, von 0,4 auf 0,56 Prozent der Aktien. Auch am Tag des zweiten Kursrutsches, am 1. Februar, nennt der Bundesanzeiger eine Veränderung der Shortposition von Odey, sie ist von 0,56 auf 0,67 Prozent der Aktien gestiegen.

Krisen befeuern, im Crash Geld verdienen

Odey Asset Management ist einer der großen Londoner Hedgefonds, die regelmäßig mit Wetten auf sinkende Kurse auffallen. Gegründet wurde der Fonds 1991 von Robin Crispin William Odey, genannt Crispin. Investmentlegende George Soros gehörte zu den ersten Investoren, unterstützte Odey zunächst mit 150 Millionen Dollar. Bekannt wurde der Hedgefonds spätestens während der Finanzkrise 2008. Odey gilt als einer der Geldmanager, der den Crash rechtzeitig vorausahnte und auf fallende Bankaktien spekulierte. 2008 und 2009 lagen seine Fonds teilweise über 30 Prozent im Plus. In der Öffentlichkeit kamen Odeys Wetten nicht so gut an, ihm wurde vorgeworfen, er habe die Krise damit befeuert.

Crispin Odey gilt als bestens verdrahtet. Zum Beispiel mit Mediengroßunternehmer Rupert Murdoch, mit dessen ältester Tochter er zwischenzeitlich mal verheiratet war. Auch Brexit-Verfechter Nigel Farage gehört zu seinen Vertrauten. Odey zählt zu den größten Geldgebern der Brexit-Kampagne. Knapp eine Million Euro soll er dafür gespendet haben. Mittlerweile glaubt er allerdings selber nicht mehr an einen Austritt Großbritanniens aus der Euro-Zone. Während Odey in den vergangenen Jahren immer wieder gegen das Pfund und britische Unternehmen gewettet hat, setzt der Hedgefonds nun auf einen steigenden Pfund-Kurs.

Grundsätzlich gilt Odey als pessimistischer Investor, der seit Jahren den Crash voraussagt. Die Jahre 2016 und 2017 waren deshalb auch nicht sonderlich erfolgreich für seinen Fonds. Seit die Kurse an den globalen Börsen aber wieder schwanken und sinken, ist Odey wieder im Geschäft, zuletzt fuhren seine Fonds satte Gewinne ein.

Odey wetten schon lange gegen Wirecard und andere

Auch bei Wirecard macht Odey nicht zum ersten Mal Kasse. Auch im Februar 2016, als der unbekannte Research-Dienst Zatarra einen Report mit Vorwürfen über den Münchener Konzern veröffentlichte, verdiente Odey am Kurssturz mit. Am Tag der Veröffentlichung erhöhte er laut Bundesanzeiger seine Position bei Wirecard von 0,93 auf 1,04 Prozent.

Neben Wirecard nimmt Odey noch zwei weitere deutsche Unternehmen ins Visier. Mit 2,8 Prozent hält der Fonds eine nennenswerte Shortposition beim Automobilzulieferer ElringKlinger. Die Branche gilt insgesamt unter Leerverkäufern als attraktiv, viele erwarten durch Dieselskandal, Handelskrieg und schwächelnde Wirtschaft fallende Kurse. Außerdem wettet Odey gegen die Grenke AG, einen auf Leasing und Factoring spezialisierten Finanzdienstleister aus Baden-Baden.

Odeys Hauptaugenmerk dürfte aber erstmal auf seiner Position bei Wirecard liegen. Aktuell läuft es gut für ihn. Nachdem bekannt wurde, dass die Büros von Wirecard in Singapur durchsucht wurden, liegt die Aktie am Freitag kurz vor Börsenschluss schon wieder rund 15 Prozent im Minus.

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