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Quelle: AP

Buffett und die idiotensichere Börse

Hauke Reimer
Hauke Reimer Stellvertretender Chefredakteur WirtschaftsWoche

Das Geld ist billig und will investiert sein – ganz gleich, in was? Im Moment reicht es zu ahnen, was die meisten demnächst für wertvoll halten.

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Führung, sagt Managementguru Reinhard Sprenger, bedeutet Sicherung der Zukunft. Also mindestens: die Nachfolge regeln. Investorenlegende Warren Buffett hat das jetzt bravourös getan, hat jahrelang seinen Nachfolger aufgebaut – und ihn jetzt inthronisiert. Buffett interessieren nur Unternehmen, deren Geschäft idiotensicher ist. Aber natürlich weiß er auch um den Wert eines guten Managers. Gut muss dabei nicht heißen, dass der Nachfolger dem Vorbild ähneln muss. Das Apple-Gründergenie Steve Jobs etwa ebnete dem Zahlenmenschen Tim Cook den Weg. Und allen Prognosen zum Trotz veredelte Cook Apple zum größten Konzern der Welt. Es ist kein Zufall, dass die einzige große Techbeteiligung in Buffetts Portfolio Apple ist.

Vom Unternehmer Buffett lässt sich mindestens so viel lernen wie vom Investor: Etwa, dass neben einem guten Management und einem unangreifbaren Geschäft, Liquidität entscheidend ist. Immer wenn bei anderen das Geld knapp war, schlug Buffetts Stunde. Insofern war die schnelle Erholung der Wirtschaft nach dem Coronacrash für ihn: eine verpasste Investitionschance. Buffett wollte auch nicht darauf wetten, dass die Staaten die notleidenden Fluglinien retten würden – und verkaufte deshalb im vergangenen Frühjahr seine Airlineaktien. Dadurch entgingen ihm Gewinne. Macht nichts. Wer unternehmerisch denkt, spekuliert nicht auf staatliche Hilfen. Unternehmen, die von gesetzgeberischen Rahmenbedingungen abhängen, stürzen schnell ab, wenn die politische Stimmung dreht. Investoren der einst „mündelsicheren“ Aktien von RWE und E.On wissen das genau.

Staatseinfluss und billiges Geld ändern nun schon seit Jahren die Spielregeln an der Börse. In dem von Notenbanken gefluteten Markt muss, wer erfolgreich sein will: nur mitschwimmen. Gewiss, wer früh antizipiert, was später alle wollen, kann seine Gewinne maximieren. Aber auch für den großen Rest scheint die Börse derzeit idiotensicher. Wie „wertvoll“ eine Anlage ist? Ganz egal! Der Bitcoin offeriert kaum Nutzen. Tesla ist „wertvoller“ als die deutsche Autoindustrie.



Nichts wie rein also in Wasserstoffaktien? In einen Boom investieren, der von der Politik befeuert wird? Nicht mit Buffett. Wetten auf Staatsgeld und eine Fortsetzung des irrationalen Überschwangs sind seine Sache nicht – und auch nicht die seines Nachfolgers. Das könnte Anlegern zu denken geben. Könnte.

Mehr zum Thema: Auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway gab es viele überraschende Einsichten. Ein besonders pikantes Detail wurde eher am Rande publik: Dass der Kanadier Greg Abel der Nachfolger Warren Buffetts werden soll. Greg Abel: Das ist der Mann, der Warren Buffett beerben soll

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