Tech-Konferenz CES: Wird Nvidia langsam langweilig?
Nvidia-Gründer und CEO Jensen Huang spricht während einer Nvidia-Pressekonferenz im Rahmen der CES Tech Show.
Foto: Abbie Parr/AP/dpaDer Chip-Star, dessen Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 170 Prozent in die Höhe geschnellt ist, brachte durchaus Innovationen mit auf die Bühne in Las Vegas. Neben der KI-Grafikkartenserie GeForce RTX 50 auf Basis der neuen Blackwell-Architektur präsentierte Nvidia mit dem Projekt Digits auch einen KI-PC für den heimischen Schreibtisch, inklusive neuem Nvidia-Chip mit der Bezeichnung GB10.
Auf dem Börsenparkett brach die Aktie daraufhin um mehr als sechs Prozent ein und hat sich in den Tagen danach nicht erholt. Hat das Unternehmen zu wenig geliefert, um die Anleger in Euphorie zu versetzen?
Auch aus einem anderen Blickwinkel stehen die Zeichen bei Nvidia eher auf Verkauf: bei den Insidern. Plattformen, die Insiderkäufe und -verkäufe verfolgen, kennen seit einigen Monaten nur den einen Trend. Allein Nvidia-Vorstand Coxe Tench soll laut dem Portal Openinsider im vergangenen Jahr Aktien im Wert von über einer halben Milliarde Dollar verkauft haben.
Zu früh für einen Abgesang
Ist der durch den KI-Boom getriebene Aufwärtstrend bei Nvidia also schon wieder vorbei? Das wäre wohl eine übertriebene These. Beobachter sehen in den Verkäufen nach der CES-Präsentation lediglich Gewinnmitnahmen, da Investoren bereits auf die Neuheiten gesetzt hatten.
Es könnte also ähnlich laufen wie beim US-Tech-Unternehmen Apple. Nach dessen mit Spannung erwarteter Keynote im September 2024 sackten die Kurse zunächst ab, um bis zum Jahresende wieder kräftig zuzulegen.
Auch Forbes-Kolumnistin Catherine Brock sieht für Nvidia noch viel Luft nach oben: „Es scheint nicht weit hergeholt, dass sich die Marktkapitalisierung von Nvidia in den nächsten fünf Jahren auf 6 Billionen Dollar verdoppeln wird.“ Getrieben wird dies nach ihrer Analyse zum einen durch die bereits getätigten Blackwell-Aufträge der IT-Größen Meta, Google und Microsoft. Außerdem geht sie davon aus, dass auch staatliche Akteure verstärkt in KI-Hardware investieren, um ihre eigenen KI-Sprachmodelle zu trainieren. Als dritte treibende Kundengruppe mit hoher Nachfrage identifizierte sie Rechenzentren, die Nvidia-Technologie für die Verarbeitung von KI- und 5G-Anwendungen benötigen.
Einen weiteren Hinweis darauf, dass auch Nvidia in diesem Jahr mit weiteren Gewinnen rechnen kann, lieferte der weltweite Branchenverband der Halbleiterindustrie WSTS in seinem Jahresausblick. Nach den jüngsten Schätzungen des Verbands wuchs der Halbleitermarkt im Jahr 2024 um satte 19 Prozent.
Für 2025 ist die Branche zwar etwas zurückhaltender, sieht aber immer noch ein Plus von 11,2 Prozent. Für einen Abgesang auf den Branchenprimus aus dem kalifornischen Santa Clara ist es also deutlich zu früh.
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