Trade-Republic-Nutzer sauer: „Investiert besser in einen vernünftigen Kundenservice!“
Trade Republic sieht sich auf dem nächsten Level seiner Evolution. Das Berliner Unternehmen will nicht mehr nur Neobroker sein, sondern bezeichnet sich nun selbst als Vermögensverwalter: Seit Montag können Kunden des Fintechs über Fonds auch in Private Equity investieren, also in Unternehmen, die nicht – oder noch nicht – börsennotiert sind.
Normalerweise ist diese Anlageklasse vermögenderen Kunden mit mehreren Hunderttausend Euro Kapital vorbehalten. Bei Trade Republic lässt sich ab einem Euro in private Beteiligungen investieren.
In sozialen Netzwerken diskutieren Kunden die neue Anlageklasse bei Trade Republic eifrig. „Aus Interesse habe ich mal ein paar Hundert Euro reingeschmissen“, schreibt ein Nutzer im Internetforum Reddit. „Nicht mal, um Rendite zu bekommen. Mich würde einfach mal ein bisschen die Performance und der Ablauf interessieren.“
Der Krypto-Dealmaker von Trade Republic, Flatex und Co. packt aus
Allerdings: Wer die Kommentarspalten auf Instagram und Youtube sowie Foreneinträge bei Reddit liest, stellt fest: Mit dem Produktlaunch erzürnt Trade Republic auch viele Kunden. „Macht mal lieber Support“, kommentiert ein Reddit-Nutzer. Ein anderer kritisiert die Keynote-Präsentation von Trade-Republic-Gründer Christian Hecker, in der er das neue Produkt vorgestellt hat: „Anstatt einen auf Apple zu machen, solltet ihr lieber mal einen anständigen Kundenservice aufstellen!“ Das fasst die Kernkritik vieler Nutzer zusammen.
Trade Republic plant weitere Produkte
Schon seit Längerem kritisieren Nutzer den Kundenservice des Fintechs. Anfragen würden gar nicht oder erst nach langer Wartezeit beantwortet, bemängeln viele. Kunden hätten keine Möglichkeit, den Kundenservice des Neobrokers direkt anzurufen. Beschwerden und Fragen könnten nur schriftlich eingereicht werden.
Hinzu kommt, dass Trade Republic im vergangenen Jahr seinen eigenen Kundenservice geschlossen und den Service auf externe Dienstleister ausgelagert hat. Außerdem werden Anfragen auch mittels künstlicher Intelligenz beantwortet. „Der Support von Trade Republic ist vergleichbar mit Bielefeld. Beides existiert nicht“, kommentiert ein Reddit-Nutzer.
Daher kommt die Einführung von Private Equity bei Trade Republic nicht bei jedem gut an. „Die machen gerade einfach zu viel auf einmal. Damit können die sich doch nur verzetteln“, meint ein Brancheninsider. Auch ein Kunde echauffiert sich: „Vielleicht hättet ihr die Kohle, die ihr Luciano in den A. geschoben habt, besser in einen vernünftigen Kundenservice investieren sollen.“ Der Deutschrapper Luciano ist das Werbegesicht der neuen Kampagne. Er erklärt in kurzen Videos in der App, wie private Beteiligungen funktionieren. Allein diese Besetzung sorgt bei manchen für Verwirrung.
Trade Republic selbst will sich auf Anfrage nicht zu der Kritik am Kundenservice äußern. Das Fintech gibt keine Zahlen heraus, aus denen sich ableiten ließe, ob die Probleme wirklich so groß sind, wie auf Grundlage der Forenbeiträge zu vermuten ist. Klar ist aber auch: In Onlineforen schildern Nutzer vor allem negative Erfahrungen. Und gut möglich, dass die digitalaffine Kundschaft von Trade Republic häufiger in solchen Foren unterwegs ist als die Nutzer klassischer Broker. Von einigen Nutzern bekommt das Berliner Unternehmen immerhin auch Zuspruch: „Seit 2021 dort ein Depot und keine schlechten Erfahrungen. Support über Chat immer hilfreich gewesen.“
Trade Republic baut seine Produktpalette unbeirrt weiter aus. Im Oktober und November will der Neobroker je eine weitere Anlageklasse in die App aufnehmen.