US-Aktien Nullzins treibt Anleger an der Wallstreet ins Risiko

Der Börsenboom in den USA ist wacklig: Nur der Mangel an Alternativen heizt ihn an. Das kann noch eine Weile gut gehen, aber das Risiko steigt.

Wo die Deutschen ihr Erspartes verstecken
42 Prozent der Bürger lagern ihr Bargeld aus Verunsicherung zu Hause Quelle: obs
Schmuckdose Quelle: Fotolia
Schuhschrank Quelle: Fotolia
Spardose Quelle: dpa
Tresor Quelle: dpa/dpaweb
Geld im Spülkasten Quelle: dpa
Vorratsdose Quelle: Fotolia
Geld unter der Matratze Quelle: Fotolia
Kleiderschrank Quelle: Fotolia
In der Umfrage als "sonstige Verstecke" betitelte Orte wählen 22 Prozent der Verbraucher für ihr Bargeld. Das kann das Marmeladenglas in der Küche, aber auch das Sofapolster sein Quelle: dpa
Kühlschrank Quelle: dpa

Die US-Börse scheint ihre Schwäche überwunden zu haben. Seit dem vorübergehenden Hoch des Standard & Poor’s 500 Index vom Mai 2015 hat es zwar fast 14 Monate gedauert, eine Durststrecke von 410 Tagen, doch nun eilen die US-Aktien wieder von Rekord zu Rekord. Hat der ältliche Bullenmarkt, der zweitlängste der Geschichte, noch Kraft für einen neuen Anlauf? Die Statistik lässt hoffen: Demnach winken weitere Kursgewinne, wenn der S&P mehr als ein Jahr nach seinem vorerst letzten Hoch eine neue Rekordmarke erklimmt. Historisch ging es in diesen seltenen Fällen ein gutes Stück weiter aufwärts. Nach sechs Monaten waren durchschnittlich acht Prozent plus verbucht.

Geldpolitik der EZB: Belastungen durch Niedrigzinsen

Kurzfristig dürfte die dynamische Erholung von den Brexit-Verlusten ihren Höhepunkt aber schon überschreiten. Neun von zehn S&P-Aktien halten sich nur noch mit Mühe oberhalb des gleitenden 50-Tage-Durchschnitts. Jüngst pumpten Investoren in einer Woche elf Milliarden Dollar in Aktienfonds – so viel wie seit neun Monaten nicht mehr –, nachdem sie diese ein Jahr lang links liegen gelassen hatten. Selbst Nachzügler wie Apple finden wieder Käufer.

Den meisten Investoren scheint es nur noch darum zu gehen, die am wenigsten abstoßende Anlage zu finden. Viele kaufen Aktien nicht aus Überzeugung, sondern weil die Renditen von US-Staatsanleihen so tief wie nie sind. Und wer zehnjährige deutsche Bundesanleihen kauft, zahlt praktisch dafür, Geld an Berlin verleihen zu dürfen. 30 Prozent aller globalen Anleihen – das entspricht rund 13 Billionen Dollar – weisen negative Renditen auf. Ein konventioneller Mischfonds mit 60 Prozent US-Aktien und 40 Prozent US-Staatsanleihen erwirtschaftet im Schnitt eine Rendite von 1,9 Prozent – so wenig wie nie.

Das drängt Investoren weiter ins Risiko, in Aktien und Immobilien. Vermögensverwalter, die ihre Gebühren rechtfertigen müssen, stehen unter hohem Performance-Druck. Im ersten Halbjahr 2016 übertrafen nur 18 Prozent der Large-Cap-Fonds den breiten US-Aktienindex Russell 1000, womit 2016 „das für aktive Vermögensverwalter schlechteste Jahr“ seit 2003 ist, wie die Strategin Savita Subramanian von BofA Merrill Lynch errechnet hat. Wenn Aktienkurse nach Korrekturen, wie durch die Brexit-Entscheidung oder schlechte China-Daten bedingt, wieder steigen, folgen viele einfach dem Impuls, frühere Leerverkäufe einzudecken oder mit der Herde zu rennen. Damit stehen die Argumente für Aktien auf tönernen Füßen und wirken ähnlich verzweifelt wie der Versuch Donald Trumps, blonde Haarfülle vorzutäuschen.

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