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NegativzinsHandeln statt Jammern!

Die Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen ist negativ, Anleger verlieren damit Geld. Das Problem dürfte sich nicht einfach beseitigen lassen - jedenfalls nicht ohne Blessuren für Wirtschaft und Verbraucher.Daniel Stelter 14.06.2016 - 17:03 Uhr
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Heute ist ein historischer Tag. Zum ersten Mal in der Geschichte zahlen wir dem Staat Geld dafür, dass er sich bei uns für 10 Jahre verschuldet. Wer eine Bundesanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren heute kauft, bekommt garantiert über die Laufzeit der zehn Jahre weniger zurück, als er heute an den Staat überweist. Was bisher schon für Anleihen mit kürzerer Laufzeit gilt, gilt nun auch für diese Kategorie von Anleihen. Damit folgt Deutschland der Schweiz und Japan immer mehr in die terra incognita des Negativzinses. Niemand weiß, wie die Reise enden wird. Gut wohl eher nicht.

09. Januar 2012

Negativ verzinste deutsche Staatspapiere: Erstmals gelingt es Deutschland, kurzfristige Geldmarktpapiere  mit Gewinn zu verkaufen. Wer an diesem Tag Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten kauft, bekommt am Ende der Laufzeit weniger vom Fiskus überwiesen, als er am Anfang investiert hat.

Die Gründe sind vielfältig: Weil die Anleihen der Krisenstaaten vom Ausfall bedroht sind, flüchten alle in deutsche Titel. Gleichzeitig pumpt die EZB über großzügige Sonder-Kredite an die Banken frisches Geld in die Märkte, das die Unternehmen gar nicht ausleihen wollen. Die Nachfrage nach Krediten ist klein, das Angebot an Geld groß. Das drückt auf die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt zu diesem Zeitpunkt bei 1,85 Prozent.

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26. Juli 2012

„Whatever it takes.” Investoren sind wenige Monate nach dem griechischen Schuldenschnitt in Panik. Die Kurse der Anleihen aller Euro-Randländer fallen, ihre Renditen steigen. Da spricht EZB-Chef Mario Draghi bei einer Konferenz in London ein Machtwort. „Die EZB wird innerhalb ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“ Damit leitet Draghi eine Erholung der Anleihen der Euro-Randländer ein. Doch auch Bundesanleihen bleiben gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 1,32 Prozent – und sinkt immer weiter.

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11. Juni 2014

Zentralbankzins für Einlagen unter null: Die Euro-Zone kommt wirtschaftlich noch immer nicht vom Fleck. Obwohl die EZB die Leitzinsen immer weiter gesenkt hat, bleibt die Kreditvergabe schwach. Die Notenbank geht also noch einen Schritt weiter: Sie senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent, der Einlagezins fällt auf minus 0,1 Prozent. Geschäftsbanken, die ihr Geld bei der EZB parken und nicht verleihen wollen, zahlen jetzt Strafe. Im September 2014 erhöht die EZB diesen „Strafzins“ auf 0,2 Prozent.

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17. September 2014

Der Bund verdient Geld mit Anleihen. Die Negativzinsen fressen sich bei Bundeswertpapieren weiter durch. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit zu einer Minusrendite auf. Diese liegt bei minus 0,07 Prozent. Aufgestockt wird die Anleihe um 3,3 Milliarden Euro. Begeben worden war sie am 20. August 2014 mit einem historisch niedrigen Zinsschein von null Prozent und einer Rendite von ebenfalls null Prozent.

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16. Januar 2015

Die Schweiz schreibt Geschichte am Anleihemarkt: Erstmals sinkt in einem Land  die Rendite einer Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren unter null Prozent. Grund dafür war die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank vom Vortag, den Euro-Mindestkurs zum Franken aufzuheben. Die Folge: Der Franken wertet drastisch auf, die Aktienkurse brechen ein – und Anleger fliehen in Anleihen. 

Am 9. April profitieren die Schweizer Steuerzahler von den Minuszinsen. Die Schweiz stockt die die zehnjährige Anleihe, die einen Zinsschein von 1,5 Prozent hat, zu einem Kurs von 116 Prozent auf. Daraus errechnet sich bei der Auktion eine negative Rendite von minus 0,055 Prozent. Anleger versuchen damit, den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Schweizer Notenbank für kurzfristige Einlagen von Banken  festgelegt hat.

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22. Januar 2015

Die EZB macht Ernst. Die Notenbank kündigt ein massives Kaufprogramm für Wertpapiere – vor allem Staatsanleihen an. Bis mindestens September 2016 will sie öffentliche Anleihen – sprich Staatsanleihen, Anleihen von nationalen Förderbanken sowie supranationalen Institutionen kaufen. Dazu kommen die schon länger laufenden Programme für gedeckte Bankenanleihen (Covered Bonds) und Verbriefungen (ABS). Insgesamt wollen die EZB und vor allem die nationalen Notenbanken monatlich Wertpapiere über 60 Milliarden Euro erwerben – also insgesamt 1,14 Billionen Euro. Die zehnjährige Bundesanleihe wirft für Neueinsteiger nur noch 0,45 Prozent Rendite ab.

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25. Februar 2015

Der Bund verdient jetzt Geld mit einer Fünfjahres-Anleihe. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit fünf Jahren auf, für die das Land von Anlegern Gebühren bekommt, statt Zinsen zu zahlen. Eingenommen werden zu einer Rendite von minus 0,08 Prozent 3,3 Milliarden Euro. Seit der Emission am 21. Januar hat auch diese fünfjährige Anleihe einen Kupon von null Prozent.

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9. März 2015

Die EZB legt los. Die Europäische Zentralbank beginnt mit ihrem im Januar angekündigten Anleihekaufprogramm. Die Investoren an den Anleihemärkten haben schon im Vorfeld der EZB-Käufe kräftig zugegriffen – und jetzt fallen die Renditen noch weiter.

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17. April 2015

Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bringt jetzt fast gar keine Rendite mehr. Der Kurs des nominal mit 0,5 Prozent verzinsten Bundesbonds steigt auf 104,43 Prozent. Die Folge: Die Rendite sackt im Tagesverlauf auf historisch niedrige 0,05 Prozent ab. Bundesanleihen im Umfang von 312 Milliarden Euro und damit 80 Prozent aller ausstehenden Bundesbonds rentieren im negativen Bereich.

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21. April 2015

Anleihe-Guru Bill Gross twittert, dass seine Wette gegen die zehnjährige Bundesanleihe eine „einmalige Chance sei“, die Frage des Zeitpunktes lässt er aber offen. Das Timing hänge vom EZB-Kaufprogramm ab. Gross selbst wettet aber noch nicht gegen Bundesanleihen – ein Fehler wie sich später herausstellt.

Am 28. April 2015 sagt Anleihe-Investor Jeffrey Gundlach – in den USA ebenso bekannt wie Bill Gross – abends in einem Interview, dass sich eine riskante, gehebelte Wette gegen zweijährige Bundesanleihen lohnen könne. Wie Gross sagt aber auch Gundlach nichts zum Timing. Der Renditeanstieg der zehnjährigen Bundesanleihe beginnt.

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29. April bis 7. Mai 2015

Die Verbraucherpreise sind in Deutschland im April gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,4 Prozent gestiegen, etwas stärker als Ökonomen erwartet hatten. Eine Rückkehr der Inflation scheint damit möglich. Eine steigende Inflation schürt auch die Hoffnung auf steigende Zinsen. Der Renditeanstieg verstärkt sich, und das hat auch technische Gründe. Viele Investoren hatten sich falsch positioniert und müssen jetzt automatisch verkaufen, weil bestimmte Kursuntergrenzen gerissen wurden.
Am 7. Mai steigt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe im Tagesverlauf auf bis zu 0,8 Prozent. So deutlich in so kurzer Zeit ist sie noch nie nach oben geschnellt – auch wenn sie später wieder etwas zurückfällt.

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10. Juni 2015

Rendite über einem Prozent. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen steigt im Tagesverlauf auf bis zu 1,05 Prozent. Das ist keine hohe Rendite – aber mehr haben Investoren seither nicht mehr gesehen. Das liegt auch daran, dass die Investoren an den Aktienmärkten nervös werden. Die Aktienbörsen fallen seit Mitte April – und langsam schichten Investoren wieder in sicherere Anleihen um. Verunsichert sind die Investoren durch den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und seit Juni fallen zudem die Aktienbörsen in China. Auch der Ölpreis sinkt seit Juni – und das rasant.
Dazu kommen neue Sorgen um Griechenland. Athen verweigert neue Reformen, Griechen ziehen Geld von ihren Bankkonten ab. Ende Juni ruft Ministerpräsident Alexis Tsipras ein Referendum über die von den Gläubigern verlangte Reformpolitik aus.

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05. Juli 2015

Am Rande des Grexit. 61 Prozent der griechischen Bürger sprechen sich beim Referendum gegen die Sparvorgaben der Gläubiger aus. Faktisch scheint damit das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro-Raum beschlossen. Doch später reicht Athen neue Reformvorschläge ein – am 12. Juli stimmen die Staats- und Regierungschefs nach einem 17-stündigen Verhandlungsmarathon zu. Griechenland bekommt ein drittes Hilfspaket.

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24. August 2015

Schwarzer Montag an den Börsen: Die Furcht der Aktieninvestoren erreicht einen neuen Höhepunkt. Der Dax bricht um 7,8 Prozent ein und verzeichnet damit den größten Tagesverlust seit dem Jahr 2008. Dabei machen sich die Anleger vor allem Sorgen um das Wirtschaftswachstum in China. Dort fallen die zuvor massiv gestiegenen Aktien seit Mitte Juni. Verstärkt werden die Sorgen dadurch, dass die Regierung den Yuan gegenüber dem Dollar abwertet. Die Flucht in Bundesanleihen setzt sich vor diesem Hintergrund fort.

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29. September 2015

Dax auf Jahrestief. Mit 9.325 Zählern erreicht der Dax den tiefsten Stand des Jahres. Seit seinem Allzeithoch von 12.391 Punkten am 10. April hat er damit mehr als 3.000 Punkte oder knapp 25 Prozent verloren. Die Themen China, Ölpreis und allgemeine Sorgen um die Weltkonjunktur machen den Anlegern weiter zu schaffen. Der Dax steigt zwar bis Ende November wieder etwas, doch das ist nicht nachhaltig. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt Ende September bei 0,59 Prozent.

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3. Dezember 2015

Die EZB legt nach. Die Notenbanker kündigen an, den Zeitraum ihrer Anleihekäufe um sechs Monate bis März 2017 zu verlängern – mit einem Kaufvolumen von weiterhin etwa 60 Milliarden Euro pro Monat. „Wir machen mehr, weil es wirkt“, sagt EZB-Chef Mario Draghi. Zugleich senkt die EZB den Einlagenzins auf minus 0,3 Prozent. Die zehnjährige Bund-Rendite steigt zunächst auf 0,67 Prozent – hält sich aber nicht lange auf diesem Niveau.

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16. Dezember 2015

Die Fed erhöht die Zinsen. Die US-Notenbank Fed erhöht zum ersten Mal seit zehn Jahren den Leitzins. Da der Schritt so lange erwartet war, zieht er weder die Renditen der zuvor wieder gestiegenen US-Staatsanleihen, noch der Bundesanleihen weiter nach oben.

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20. Januar 2016

Ölpreis auf Zwölfjahrestief. Der Preis für ein Fass (159 Liter) des Nordseeöls Brent fällt auf bis zu 29,31 Dollar. Der rasante Ölpreisverfall schürt neue Sorgen um die Banken, Schuldner von US-Hochzinsanleihen aus der Energiebranche gehen reihenweise pleite. Die zehnjährige Bundesanleihe wirft nur noch 0,48 Prozent Rendite ab.

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9. Februar 2016

Japan schreibt Geschichte am Anleihemarkt. In Tokio fällt die Rendite der zehnjährigen japanischen Anleihe unter null Prozent. Damit durchbricht erstmals eine zehnjährige Anleihe einer G7 Nation diese wichtige Marke nach unten. Wenige Wochen später gelingt es Japan erstmals eine neue zehnjährige Anleihe mit einer Negativrendite am Markt zu platzieren. Niedrig sind die Anleiherenditen im lange von der Deflation geplagten Japan seit dem Ende der 1990er Jahre. Seit gut 15 Jahren kauft die Bank of Japan zudem Anleihen auf. Aktuell erwirbt sie jährlich Bonds im Umfang von 80 Billionen Yen (630 Milliarden Euro).

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11. Februar 2016

Der Dax fällt auf den tiefsten Stand seit November 2011. Seit Dezember ist auch der Dax wieder auf Talfahrt und fällt bis zum 11. Februar auf 8.699 Punkte. Damit hat er allein seit Jahresanfang 22 Prozent eingebüßt – und damit den schlechtesten Jahresstart aller Zeiten hingelegt. Inzwischen machen sich Investoren auch wieder Sorgen um die Konjunktur in den USA – die nächsten Leitzinserhöhungen der Fed scheinen in weite Ferne zu rücken.

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29. Februar 2016

Zehnjährige Bund-Rendite nähert sich ihrem Rekordtief. Mit 0,10 Prozent rentiert die zehnjährige Bundesanleihe erneut nur ganz knapp über der Null-Linie. Inzwischen rentieren 80 Prozent aller Bundeswertpapiere im negativen Bereich. Im ganzen Euro-Raum sind es 46 Prozent. Auch viele Pfandbriefe und einige Unternehmensanleihen rentieren im Minus.

In den folgenden Tagen steigen die Anleiherenditen zunächst wieder etwas. Die Sorgen um die Konjunktur legen sich etwas, der Ölpreis steigt wieder und auch der Dax legt wieder zu.

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3. März 2016

Die EZB zieht alle Register. Sie senkt den Leitzins von 0,05 auf null Prozent und erhöht den Einlagenzins für Übernachteinlagen der Banken auf minus 0,4 Prozent. Das bis März 2017 Anleihekaufprogramm wird pro Monat um 20 Milliarden auf 80 Milliarden Euro erhöht. Die EZB nimmt zudem erstmals Unternehmensanleihen von Unternehmen abseits der Finanzindustrie in das Anleihekaufprogramm auf. Schließlich bietet sie den Banken neue zweckgebundene Langfristkredite (TLTROs) deren Verzinsung an den Einlagensatz gekoppelt ist. Die Anleiherenditen steigen zunächst - fallen bereits aber bereits ab dem nächsten Tag wieder.

Hintergrund der EZB-Entscheidung sind die gesenkten Inflationsprognosen. 2016 erwartet wie EZB jetzt nur noch eine Teuerungsrate von 0,1 Prozent nach zuvor 1,0 Prozent, für 2017 senkt sie den Ausblick um 0,3 Prozentpunkte auf 1,3 Prozent. Die erstmals veröffentlichten Projektionen für 2018 sehen eine Inflationsrate von 1,6 Prozent vor. Eigentliches Ziel der EZB ist eine Inflationsrate von im Schnitt um die zwei Prozent pro Jahr.

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5. April 2016

Zehnjährige Bund-Rendite nähert sich Rekordtief. Die Maßnahmen der EZB lassen die Anleiherenditen wieder kräftig fallen. Am 5. April fällt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf bis zu 0,08 Prozent. Danach steigt sie wieder etwas, aber nur leicht. Außer den Anleihekäufen der EZB spielen die weiter stark schwankenden Aktienmärkten, die neuen politischen Unruhen um Griechenland und die steigende Nervosität vor einem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU eine Rolle bei der Flucht der Anleger in sichere Bundesanleihen.

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14. Juni 2016

Der Zins ist weg. Um kurz vor halb 10 ist es soweit. Erstmals in ihrer Geschichte fällt die Rendite selbst der zehnjährigen Bundesanleihe auf null Prozent. Banker rechnen damit, dass die Rendite bald auch leicht negativ werden wird. Als Dauerzustand sehen Banken das aber nicht. Doch die Banken haben mit ihren Prognosen schon oft daneben gelegen.

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Die Notenbanken der Welt, nicht nur die EZB haben beschlossen, den Sparer zu enteignen, im verzweifelten Versuch die Weltwirtschaft aus der Stagnation zu befreien, den Euro zu retten und die Finanzkrise zu überwinden. Dabei sind die Notenbanken die Hauptverantwortlichen für die Überschuldung der westlichen Welt, deren Folgen wir immer mehr zu spüren bekommen. Mit ihrer jahrzehntelangen zu laxen Geldpolitik haben sie eine Abwärtsspirale der Zinsen ausgelöst, die selbstverstärkend wirkt. Tiefe Zinsen heute machen noch tiefere Zinsen morgen erforderlich, um den Schuldenturm vor dem Einsturz zu bewahren.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt seit Jahren vor den Folgen dieser Politik, die bei jeder Krise die Geldschleusen geöffnet, danach jedoch niemals wieder richtig geschlossen hat. Vergeblich. Denn die Abwärtsspirale in der die Notenbanken gefangen sind, können sie nicht selber überwinden. Die Voraussetzung dafür ist so einfach gesagt wie schwer realisiert: die faulen Schulden müssen aus der Welt geschaffen werden.

Zur Person
Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, so eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“. Im Februar 2016 erschien sein neues Buch, „ Eiszeit in der Weltwirtschaft“. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Höhere Zinsen führen zur Pleitewelle

Die Welt ist so verschuldet wie nie zuvor. Die Gesamtverschuldung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten lag 2015 bei 350 Prozent vom BIP in China, 370 Prozent in den USA, 457 Prozent in Europa und 615 Prozent in Japan. In allen Regionen sind die Schulden erneut deutlich schneller gewachsen als die Wirtschaftsleistung. Jedes Gerede vom Sparen ist eben nur Gerede. Aus der Überschuldung kann man sich nicht heraussparen. Es bleiben nur Pleiten, Schuldenrestrukturierung, Besteuerung und Monetarisierung über die Notenbankbilanzen um das Schuldenmonster in den Griff zu bekommen. Keine dieser Alternativen ist politisch attraktiv.

Negativrendite bei Bundesanleihen

Was es mit dem Renditetief auf sich hat

von Andreas Toller und Saskia Littmann

Doch solange sich die Politik darum drückt, die Antwort auf die alles entscheidende Frage zu geben, wie wir die faulen Schulden und damit auch die Forderungen/Vermögen die diesen entgegen stehen aus der Welt schaffen, bleibt den Notenbanken keine andere Wahl als mit immer mehr billigem Geld und dem Aufkaufen fauler Schulden die Illusion aufrecht zu erhalten, wir seien nicht pleite. Wir sind es aber.

Zinserhöhungen sind deshalb völlig unrealistisch. Denn was wäre die Folge? Eine Pleitewelle in den Krisenländern der Eurozone und zwar von Staaten, privaten Haushalten, Unternehmen und Banken. Ein scharfer Einbruch der deutschen Exporte bedingt durch eine deutliche Aufwertung des Euro und einer heftigen Rezession in der Eurozone. Und vor allem ein erheblicher Vermögensverlust für uns Deutsche, sind wir doch die Hauptgläubiger der Eurozone.

Stelter strategisch

Die entscheidende Komponente bei Anleihen

von Daniel Stelter

Damit würden die Notenbanken entscheiden, auf welchem Weg die Bereinigung der faulen Schulden erfolgt. Nämlich auf dem brutalsten und auch für die Gläubiger teuersten Weg. Wie bei einer Unternehmensinsolvenz ist es auch bei der Insolvenz eines ganzen Landes aus Sicht der Gläubiger besser, einen geordneten Prozess durchzuführen, statt eines chaotischen. Deshalb halten die Notenbanken das System am Laufen und verhindern den Zusammenbruch des Schuldenturms in dem sie mit billigem Geld quasi Zement in das Fundament spritzen. Dumm nur, dass wir zeitgleich immer neue Stockwerke auf den Turm drauf setzen.

Geldpolitik der EZB: Belastungen durch Niedrigzinsen
In Deutschland beliebte Sparformen wie Tages- und Festgeld werfen kaum noch etwas ab. Die niedrige Inflation gleiche die negativen Effekte der niedrigen Zinsen allerdings aus, betont EZB-Präsident Mario Draghi. Derzeit liege die Verzinsung minus Inflation höher als im Durchschnitt der 1990er Jahre. „Zu der Zeit hatten Sie höhere Zinsen auf dem Sparbuch, aber zugleich meist Inflation, die weit darüber lag und alles auffraß“, sagte Draghi jüngst in einem Interview. Im Mai lagen die Verbraucherpreise in Deutschland nach vorläufigen Berechnungen gerade einmal um 0,1 Prozent über dem Vorjahresniveau.Stand: 07.06.2016
Finanzinstitute müssen Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Für den durchschnittlichen Privatkunden sind Strafzinsen bislang kein Thema. Man werde „alles tun, um die privaten Sparer vor Negativzinsen zu schützen - in Teilen auch zu Lasten der eigenen Ertragslage“, sagte jüngst der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon. Wenn die aktuelle Niedrigzinsphase aber lange andauere, würden die Sparkassen die Kunden letztlich nicht davor bewahren können. Zudem könnten Geldhäuser nach Angaben des Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, gezwungen sein, an der Gebührenschraube zu drehen: „Jeder muss in seiner Bank überlegen, wie er über Konditionen-Gestaltung gegen die Ertragsverluste anarbeitet, die ohne Zweifel da sind.“
Lebensversicherern fällt es immer schwerer, die hohen Zusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Die Folge: Die Verzinsung des Altersvorsorge-Klassikers sinkt seit geraumer Zeit. Auch Betriebsrenten leiden, Firmen müssen wegen der Zinsschmelze immer mehr Geld für die Pensionsverbindlichkeiten zurücklegen. Viele Unternehmen versprechen bei Neueinstellungen daher keine konkreten Leistungen mehr, sondern sagen lediglich zu, einen bestimmten Betrag pro Monat in Vorsorgekassen einzuzahlen. Das Zinsrisiko tragen die künftigen Pensionäre.

Schuldenschnitt und Reformen für höhere Zinsen

Wenn wir es ernst meinen mit dem Wunsch nach höheren Zinsen, müssen zwei fundamentale Dinge geschehen: Zunächst sind die faulen Schulden in einem geordneten Prozess aus der Welt schaffen, was übrigens für die deutschen Steuerzahler nicht billig wird. Gute eine Billion Euro dürfte es uns kosten, die Folgen der verfehlten Euroeinführung und der Euro-„Rettungs-Politik“ zu bewältigen. Wie dies zu machen wäre, habe ich hier erklärt.

Dies dem Volk zu sagen, dürfte sich wohl jede Partei in Deutschland verweigern und stattdessen lieber die EZB weiter machen lassen wie bisher.

Geldpolitik der EZB: Entlastungen durch Niedrigzinsen
Verbraucher sparen bei Darlehen, ob für den neuen Fernseher oder für die eigenen vier Wände. Hausbauer können sich zu historisch günstigen Konditionen Geld leihen. Nach Angaben des Bankenverbandes BdB sind Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung derzeit zu Effektivzinsen von durchschnittlich etwa 1,4 Prozent zu haben. 2007 lagen sie noch bei mehr als fünf Prozent.
Billiger ist es auch geworden, das eigene Konto zu überziehen. Vor fünf Jahren lagen die Dispozinsen nach Angaben der Finanzberatung FMH im Schnitt noch bei 11,26 Prozent. Mittlerweile sind es demnach durchschnittlich 9,51 Prozent.
Seit Jahren ist günstiges Notenbankgeld der zentrale Treibstoff für die Börsen. Aktionäre können von steigenden Kursen profitieren. Zuletzt wagten sich die eher börsenscheuen Deutschen wieder stärker an den Aktienmarkt. Knapp 9,01 Millionen Menschen besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts im vergangenen Jahr Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds - das ist der höchste Stand seit 2012.
Mit der Ausgabe von Anleihen finanziert die öffentliche Hand - neben Steuereinkünften - einen Großteil ihrer Ausgaben. Am Montag fiel die sogenannte Umlaufrendite, die ein durchschnittliches Maß für die „Verzinsung“ von Staatspapieren mit einer Laufzeit von drei bis 30 Jahren ist, in Deutschland erstmals seit der Gründung der Bundesrepublik in den negativen Bereich. Der Bund „verdient“ in einer solchen Situation somit an seiner eigenen Schuldenaufnahme, anstatt den Gläubigern - den Käufern der Anleihen - einen Zins zu zahlen.Stand: 7. Juni 2016

Doch selbst wenn sich die Politik dazu durchringen würde, das Notwendige mit Blick auf die Schulden zu tun, so genügt das nicht. Die Zinsen sind nicht nur wegen der Politik der EZB so tief. Sie wiederspiegeln auch eine fundamentale Verschiebung in der Weltwirtschaft: Die Erwerbsbevölkerung stagniert bzw. beginnt zu schrumpfen und die Produktivitätszuwächse sind seit Jahren rückläufig. Diese beiden Faktoren sind es jedoch, die das langfristige Wirtschaftswachstum und damit den Zins beeinflussen. Gesellschaften die schrumpfen haben keine hohen Zinsen.

Die Antwort wäre ein Reformprogramm für Deutschland und Europa um das langfristige Wachstum zu stärken. Mehr Erwerbsbeteiligung von Frauen und Alten, mehr Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur. Kurz gesagt: Weniger staatlicher Konsum und mehr Investition. Gerade die Älteren müssten möglichst lange arbeiten und wir werden nicht darum herum kommen, die Leistungen für die ältere Gesellschaft zu senken.

Doch was macht die Politik? Mütterrente, Lebensleistungsrente, jetzt Grundrente. Alles geht in Richtung Konsum und weniger Erwerbsbeteiligung. Und damit in Richtung tiefer Zinsen.

Wer wieder höhere Zinsen will, muss und kann handeln. Da ist es doch viel einfacher, die Schuld bei der EZB zu suchen. Die hat uns zwar in die Krise geführt. Beenden kann sie sie jedoch nicht!

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