US-Präsident und die Märkte: Dollar und Dax haben den Trump-Blues
Die Aussagen des desgenierten US-Präsidenten werden an den Finanzmärkten aufmerksam verfolgt.
Foto: dpaWachsende Zweifel an einem bevorstehenden US-Wirtschaftsboom haben den Dollar und die internationalen Aktienmärkte am Donnerstag belastet. Anleger seien von der ersten Pressekonferenz Donald Trumps seit seiner Wahl zum US-Präsidenten enttäuscht, sagte BayernLB-Analyst Norbert Wuthe. "Infrastrukturmaßnahmen, Deregulierung, Steuerreform und so weiter - nahezu keine der vielen im Wahlkampf geäußerten Ideen zur Stimulierung der Wirtschaft fanden mehr Erwähnung."
Der Dax verlor daraufhin 0,6 Prozent auf 11.580 Punkte und der EuroStoxx50 büßte 0,2 Prozent auf 3301 Zähler ein. Damit lagen sie aber immer noch jeweils rund zehn Prozent über ihrem Niveau, auf dem sie vor dem US-Präsidentenwahl im November standen. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt und der Anfang des Jahres auf ein 14-Jahres-Hoch von 103,82 Punkten gestiegen war, verlor ein Prozent auf 100,78 Zähler. Im Gegenzug verteuerte sich der Euro um etwa einen US-Cent auf 1,0679 Dollar.
Michael McCarthy, Chef-Anlagestratege des Online-Brokers CMC Markets, kritisierte Trumps erneute Androhung von Strafzöllen auf Billig-Importe und von Sondersteuern für US-Firmen, die Produktion ins Ausland verlagern. "Jeder Wirtschaftsstudent im ersten Semester erkennt den Widerspruch, auf der einen Seite neue Jobs zu versprechen und auf der anderen Seite Handelsbarrieren aufzubauen."
Dies trieb einige Anleger in als sicher geltende Häfen. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, stieg um bis zu 71 Ticks auf 164,19 Punkte. Die "Antikrisen-Währung" Gold legte um 1,3 Prozent zu und war mit 1206,98 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so teuer wie zuletzt vor knapp zwei Monaten. "Für die Märkte gibt es den 'guten Trump' und den 'bösen Trump'", sagte Anlagestratege Ayako Sera von der Sumitomo Mitsui Trust Bank. Die große Frage sei nun: "Kehrt der 'gute Trump' vor seiner Amtseinführung wieder zurück?" Der Milliardär wird am 20. Januar als 45. US-Präsident vereidigt.
Am Aktienmarkt litten vor allem die Pharmawerte unter der Kritik Trumps an hohen Medikamentenpreisen und der Produktion im Ausland. "Die europäischen Firmen haben enge Verbindungen mit den USA, daher verheißen diese Kommentare nichts Gutes für den Sektor", sagte Marktanalyst Jasper Lawler vom Brokerhaus London Capital. Der heimische Branchenindex rutschte zeitweise um 2,3 Prozent ab. Zu den größten Verlierern zählten mit Kursverlusten von bis zu vier Prozent Novo Nordisk aus Dänemark, Shire aus Großbritannien und Novartis aus der Schweiz. In Deutschland gaben Merck 1,4 Prozent nach.
Bei ihren Preisforderungen würden die Medikamenten-Hersteller „über Leichen gehen“, sagte der designierte US-Präsident Donald Trump auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Namen nannte er nicht. Etliche Unternehmen dürfen sich dennoch angesprochen fühlen:
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Der US-Konzern Mylan erhöhte den Preis für seine Allergiespritze EpiPen von 100 auf 600 Dollar. EpiPen ist ein lebenswichtiges Medikament, das im Notfall sofort verabreicht werden muss. Die Herstellungskosten dürften sich auf wenige Dollar belaufen.
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Das amerikanische Biotech-Unternehmen Gilead verlangt für die Drei-Monats-Packung seines Mittels Epclusa gegen Hepatitis C insgesamt 74.760 Dollar. Allerdings ist das Mittel in der Lage, Hepatitis C tatsächlich zu heilen. Das Vorgängermedikament Sovaldi erlangte schon Preis-Berühmtheit: 1000 Dollar kostete die Einnahme einer einzigen Pille.
Foto: APBayer und Roche
Auch europäische Hersteller könnten in das Visier von Trump geraten. Für Krebsmedikamente verlangen Hersteller wie Bayer oder Roche aus der Schweiz oft mehrere tausend Euro pro Monat. Nexavar von Bayer verlängert das Überleben von Nierenkrebspatienten im Schnitt um 2,8 Monate. Mit Tarceva gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs können Patienten im Schnitt 14 Tage länger leben.
Foto: dpaTuring Pharmaceuticals
Zur Hassfigur wurde vor gut einem Jahr Martin Shkreli, dessen Unternehmen Turing Pharmaceuticals das Entzündungs-Medikament Daraprim kaufte und den Preis von 13,50 auf 750 Dollar pro Pille anhob – eine Erhöhung um 5555 Prozent. Daraprim hilft unter anderem Aids-Patienten – für viele war das Medikament damit unerschwinglich geworden. Nach einem Shitstorm gelobte Shkreli jedoch, den Preis wieder zu senken.
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An der Wall Street standen auch Stahlwerte unter Druck: US Steel, Steel Dynamics und AK Steel fielen vorbörslich um bis zu rund drei Prozent. Die Analysten der Credit Suisse stuften die Branche auf "Market Weight" von "Overweight" herunter. Sie bezweifelten, dass die Firmen vom geplanten US-Infrastrukturprogramm profitieren werden. Gleichzeitig müsse wegen eines Überangebots mit fallenden Preisen gerechnet werden.
In London konnte Tesco das erste Gewinnplus seit fünf Jahren nicht in Kursgewinne ummünzen. Die Aktien des größten britischen Einzelhändlers gaben um zwei Prozent nach. Die Tesco-Zahlen seien zwar gut, für die "Super-Optimisten" aber offenbar nicht gut genug, sagte Analyst Clive Black vom Vermögensverwalter Shore Capital.