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US-Staatsanleihen Notenbanken müssen handeln

Die US-Notenbank Fed begegnet den Störungen auf den Anleihemärkten seit Donnerstag mit Billionen Dollar schweren Liquiditätsspritzen. Quelle: dpa

Von wegen sicherer Hafen. Der Markt für US-Staatsanleihen wackelt bedenklich – trotz Milliarden schwerer Liquiditätsspritzen der Fed. Um den Crash noch abzuwenden, müssen sich die großen Notenbanken über das Wochenende abstimmen und die Märkte am Montag überraschen. Dann könnten Shorteindeckungen für ein Kursfeuerwerk an den Börsen sorgen.

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Es wird turbulent, die Dollar-Liquiditätskrise wird immer extremer. Wegen fehlender Liquidität ist der Handel mit US-Staatsanleihen am Freitag teilweise zusammengebrochen – ein einmaliger Vorgang, der nicht nur für die USA ein enormes Solvenzrisiko bedeuten könnte.

Dabei begegnet die US-Notenbank Fed den „höchst ungewöhnlichen“ Störungen auf den Anleihemärkten seit Donnerstag mit Billionen Dollar schweren Liquiditätsspritzen auf dem US-Repo-Markt. Und am Freitag kaufte sie zudem US-Staatsanleihen aller Laufzeiten im Volumen von 37 Milliarden Dollar. Das war nahezu die Hälfte des eigentlich für einen Monat vorgesehenen Ankaufvolumens von 80 Milliarden Dollar. Darin eingeschlossen sind 20 Milliarden Dollar, mit denen fällig gewordene Bestände ersetzt werden. Bisher konzentrierten sich die Käufe auf sehr kurzfristige Schatzwechsel, seit Freitag werden auch wieder langfristige Staatsanleihen gekauft.

Der Nimbus von US-Staatsanleihen als sicherer Hafen wackelt bedenklich. Der scharfe Einbruch der Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen am Montag – in den Spitzen ging es runter auf ein historisches Tief von 0,31 Prozent – macht sie anfällig für eine Korrektur. Und die hat begonnen. Trotz Interventionen erreichten die Renditen am Freitag im Hoch bereits wieder 1,02 Prozent.

Es stelle sich die Frage, ob Staatsanleihen immer noch den gleichen Absicherungswert haben, sagen auch die Analysten von Goldman Sachs. Um weiter diese Funktion ausüben zu können, müssten die Zentralbanken bereit sein, die Zinsen bis tief in den negativen Bereich zu senken.

Ohne zusätzliche Eingriffe drohen die Renditen weiter rasch anzuziehen. In diesem Szenario dürften die Renditen europäischer Staatsanleihen die gleiche Richtung einschlagen. Das passierte dann mitten in einer Rezession und bei sinkenden Inflationserwartungen. Besonders Italien könnte das zum Verhängnis werden. Angesichts dieses Risikos müssen sich die großen Notenbanken über das Wochenende abstimmen und zusammen einen Plan entwickeln.

Vielleicht sind die Aktienkurse an Wall Street am Freitag aus genau dieser Erwartung in der letzten halben Stunde des Handels um gut sieben Prozent nach oben geschossen. Wenn die Notenbanken liefern, dann sorgen Shorteindeckungen für ein Kursfeuerwerk an den Börsen. Ohne Rückenwind von den Zentralbanken ist allerdings mit einem rabenschwarzen Montag zu rechnen.

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