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Die neue Generation Geld Ende der Bauspar-Republik? Deutschlands neue Anlagekultur in 7 Grafiken

Quelle: imago images

Aktien-Apps sorgen für einen digitalen Börsenboom, gleichzeitig sind Immobilien Partygespräch Nummer eins. Gehen die Unter-40-Jährigen mit ihren Finanzen anders um? Ein exklusiver Einblick in neueste Umfragen gibt Aufschluss.

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Deutschland ist Mieterland. Und die Deutschen sind ein Volk der Aktienskeptiker. So weit, so bekannt. Doch womöglich verändert sich da gerade etwas. Noch nicht in der Breite der Gesellschaft, aber doch unter Jüngeren. Man kann das gut oder auch weniger gut finden, aber der Kauf eines Wertpapiers war noch nie so schnell und so einfach erledigt wie heute vom Smartphone aus. Auch was ein ETF ist, und warum er mit ziemlicher Sicherheit besser ist als einst eine T-Aktie: Das wissen heute gerade Leute unter 40 ziemlich präzise. Noch nie war die Schwelle zum Geldanlegen niedriger, waren die Möglichkeiten größer und Informationen leichter zugänglich.

Die Broker-App „Trade Republic“ ist Teil und zugleich Treiber dieses Booms. Und natürlich hat ihr Chef Christian Hecker ein Eigeninteresse, wenn er im Podcast Chefgespräch der WirtschaftsWoche vom „Beginn einer Zeitenwende“ spricht. Aber Recht hat er trotzdem: „Das Finanzwissen der Menschen ist heute deutlich größer als früher“, sagt Hecker. Und: „Bevor es ETFs gab, war es ein Luxusinstrument für Wohlhabende, breit diversifiziert anlegen zu können.“

Entwickelt die risikoscheue, geldkonservative Bauspar-Republik etwa so etwas wie eine Aktien- und Anlagekultur?

Um das zu beantworten, hat das Meinungsforschungsinstitut Civey unter Aktien- und Fondsbesitzern zentrale Themen rund um persönliche Finanzentscheidungen und -vorsorge abgefragt – mit einigen interessanten, teilweise exklusiven Ergebnissen. Sie zeigen, wie unterschiedlich die Deutschen je nach Alter ticken (und klicken), wenn es um ihre Finanzen geht. Es gilt: Je jünger, desto aufgeschlossener fürs (digital gemanagte) Risiko. Und gleichzeitig mit mehr Lust auf Eigentum.

„Es wächst eine ganz neue junge Generation an Aktionären an, die die Schocks der T-Aktie und des Neuen Marktes vor 20 Jahren gar nicht aktiv miterlebt hat“, sagt Civey-Partner und Finanzexperte Paul Zernitz. „Diese Generation hat viel weniger Berührungsängste mit Aktien." Vielleicht wächst da also tatsächlich eine neue Geld-Generation heran.

Da wäre zuerst der Boom der Handels-Apps wie „Trade Republic“. Sie sind, auch unter Aktienbesitzern generell, zwar noch immer ein Nischenprodukt – einerseits. Andererseits hat unter den 18- bis 29-Jährigen tatsächlich schon fast jeder Zweite, der Wertpapiere sein Eigen nennt, Erfahrungen damit gemacht. Auch den Unter-40-Jährigen sind die Handelsplattformen durchaus ein Begriff. Ein weiterer Befund: Es sind eher Männer, die sich für das digitale Kaufen und Verkaufen interessieren. Anders gesagt: Jung, männlich, zockt:



Das große Interesse an den Apps spiegelt sich in der Lust auf Aktien. Mit mehr als 50 Prozent findet keine Altersgruppe Wertpapiere so attraktiv wie die Generation 18 bis 29, erneut gefolgt von den 30- bis 39-Jährigen. Am wenigsten davon wissen wollen die Rentner:



Ein wenig anders gelagert sieht der Befund für Bitcoin und Co aus. Generell spielen Kryptowährungen laut der Civey-Umfrage so gut wie keine Rolle für die ernsthafte Geldanlage, und zwar in keiner Altersgruppe. Relativ gesehen das größte Interesse findet sich noch zwischen 30 und 50:



Und wie sieht es beim Thema Immobilien aus? Interessanterweise geht die neue Lust an der volatilen Börse einher mit einem Faible für seriösen Stein und Beton. Je jünger die Befragten, desto größer der Traum, einmal in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Offenbar hat ein Jahrzehnt Kaufboom, angefeuert von niedrigen Zinsen, gepaart mit rapide steigenden Mieten (gerade auch für Studenten und Jobstarter in Metropolen) das Bewusstsein hier geschärft. Die Kaufmuffel jedenfalls sind eindeutig jenseits der 50:



Zuletzt bietet die Civey-Untersuchung noch eine Erklärung für die ausgeprägte Suche sowohl nach Rendite als auch nach Verlässlichkeit: die Sorge vor Altersarmut. „Wir müssen endlich ehrlich und offen über diese Rentenlücke reden und wie wir sie lösen“, fordert "Trade-Republic"-Chef Hecker. Die Furcht vor ihr steigt jedenfalls mit abnehmendem Alter, zeigt die Umfrage. An der typischen deutschen Sehnsucht nach Sicherheit ändert sich also nichts:



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