WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Tagesgeld, Gold, Aktien, Lebensversicherung, Riester Wie viel Steuer zahle ich auf was?

Seite 2/2

Immobilien, Lebensversicherungen, Rente und Gold

Immobilien
Gewinne mit selbstgenutzten Immobilien sind grundsätzlich steuerfrei. Bei vermieteten Immobilien kommt es auf die Haltedauer an. Sobald zehn Jahre abgelaufen sind, müssen Wertzuwächse auch hier nicht versteuert werden. Es lohnt sich also, bei erwarteten Gewinnen diese Mindesthaltedauer zu berücksichtigen. Vermieter können laufend ihre mit der Vermietung verbundenen Kosten steuerlich geltend machen, müssen aber natürlich auch die Mieteinnahmen versteuern. Selbstnutzer von Immobilien können kaum Kosten absetzen. Denkbar ist das nur bei haushaltsnahen Dienstleistungen, also etwa den Ausgaben für Handwerker oder Gärtner. Die bezuschusst der Staat mit bis zu 20 Prozent der reinen Lohnkosten, als Abzug von der Steuerschuld.

Lebensversicherung
Abgeltungsteuer ist bei privaten Lebens- und Rentenversicherungen die Ausnahme. Auch hier hängt die Besteuerung zudem vom Jahr des Abschlusses ab. Wer seinen Vertrag vor 2005 abgeschlossen hat (und ein paar Bedingungen einhält, etwa bei der Mindestlaufzeit), der zahlt auf eine Einmalauszahlung zum Schluss keine Steuer. Eine derartige steuerliche Vorzugsbehandlung ist bemerkenswert. Sie gilt nur für Altverträge. Bei neueren, seit 2005 abgeschlossenen Verträgen kommt es ebenfalls auf Laufzeit und Mindestalter an.

Wer bei Auszahlung wenigstens 62 Jahre ist und den Vertrag 12 Jahre oder länger bespart hat, der muss nur den halben Ertrag bei Einmalauszahlung versteuern. Zur Anwendung kommt dann der persönliche Steuersatz, so wie bei Lohneinkommen. Diese hälftige Besteuerung muss über die Steuererklärung beantragt werden. Denn die Lebensversicherer selbst ziehen erst einmal Abgeltungsteuer ab, auf den vollen Ertrag. Liegt der Grenzsteuersatz (das ist der auf den letzten Einkommens-Euro gezahlte Steuersatz) beim Spitzensatz von derzeit 44,3 Prozent (inklusive Soli), ist der Vorteil aus der hälftigen Besteuerung gering. Entweder würden hier 26,375 Prozent Steuer fällig oder 44,3 Prozent auf den halben Ertrag, also 22,15 Prozent auf den Gesamtertrag. Singles zahlen den Spitzensteuersatz ab zu versteuernden 56.000 Euro im Jahr, auf jeden zusätzlichen Einkommens-Euro.

Ist keine Einmalauszahlung vorgesehen, sondern eine lebenslange Rentenzahlung, greifen andere Regeln. Hier muss von jeder Monatsrente ein bestimmter Anteil mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Wie hoch der Anteil ist, hängt vom Alter bei Beginn der Rentenzahlung ab. Wer mit 65 Jahren die erste private Rente bezieht, angenommen 500 Euro monatlich, der müsste auf 18 Prozent davon Steuer zahlen. Bei 20 Prozent persönlichem Steuersatz würden 18 Euro Steuer pro Monat fällig (20 Prozent von 18 Prozent von 500 Euro).

Riester-Rente
Für staatlich geförderte Riester-Renten gelten andere Regeln. Da die Beiträge hier komplett steuerlich abgesetzt werden können, muss später die Rente in voller Höhe versteuert werden. Eine Riester-Rente von 500 Euro würde bei 20 Prozent Steuersatz also monatlich 100 Euro Steuer kosten. Die Steuerlast ist in diesem Fall von der Beitragsphase in die Auszahlungsphase verschoben worden. Ein Vorteil entsteht, wenn der Steuersatz im Alter geringer als in der Einzahlungsphase ist.

Gesetzliche Rente
Bis 2040 findet bei der gesetzlichen Rente ein Übergang zur Besteuerung im Alter statt (die sogenannte nachgelagerte Besteuerung). Von 2025 an sind Rentenbeiträge voll steuerlich absetzbar (innerhalb bestimmter Grenzen), ab 2040 müssen neu startende Rentner dann allerdings auch ihre Rente zu 100 Prozent versteuern, mit dem persönlichen Steuersatz. Wer vor 2040 in Rente geht, kassiert einen Teil der Rente steuerfrei. Der Freibetrag berechnet sich als prozentualer Anteil der ersten kompletten Jahresrente und gilt dann lebenslang. Wer 2019 in Rente startet, bekommt einen Freibetrag von 22 Prozent der ersten kompletten Jahresrente (also der 2020 gezahlten Rente). Bei Rentenstart 2020 errechnet sich der Freibetrag als 20 Prozent der im Jahr 2021 gezahlten Rentensumme.

Rürup-Rente
Für die Rürup-Rente, auch Basisrente genannt, gelten die gleichen Steuerregeln wie für die gesetzliche Rente.

Rente vom berufsständischen Versorgungswerk
Auch für solche Renten, wie sie etwa Anwälte, Ärzte oder Architekten beziehen, gelten die gleichen Regeln wie für die gesetzliche Rente.

Gold
Bei Goldinvestments kommt es auf die Art an. Physische Goldkäufe, also etwa Investments in Goldmünzen oder -barren, bieten ab einer Haltedauer von einem Jahr die Aussicht auf steuerfreie Gewinne. Verluste blieben dann allerdings auch steuerlich unberücksichtigt. Wer sein Gold schneller, also in weniger als einem Jahr, wieder verkauft, wird mit den für private Veräußerungsgeschäfte geltenden Regeln besteuert. Damit greift der persönliche Steuersatz, sobald eine Freigrenze von 600 Euro erreicht oder überschritten wird. Freigrenze heißt: Bis 599 Euro fällt keine Steuer an. Ab 600 Euro muss die gesamte Summe versteuert werden.

Kaufen Anleger Gold nicht direkt, sondern über Wertpapiere, die sich an der Wertentwicklung des Goldpreises orientieren, wird je nach Machart der Wertpapiere unterschiedlich viel Steuer fällig. Sind die Wertpapiere mit physischem Gold gedeckt, das sich der Anleger auch ausliefern lassen könnte (wie etwa bei Xetra Gold oder Euwax II Gold), sollten die gleichen Regeln wie bei physischen Goldkäufen gelten. Sonst gelten die normalen Regeln für Wertpapierkäufe, sodass Abgeltungsteuer anfiele.



Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%