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Aussichten am Rohstoffmarkt "Skeptische Rohstoffanleger könnten überrascht werden"

Commerzbank-Rohstoffexperte Eugen Weinberg sieht kein Ende des Superzyklus und hält auch Chinas Nachfrage oder einen starken Dollar nicht für problematisch. Was ihn positiv stimmt, verrät er im Interview.

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Eugen Weinberg

Herr Weinberg, mit Rohstoffen lässt sich an der Börse derzeit kaum Geld verdienen. Ist der Superzyklus vorbei?

Der Rohstoffzyklus ist noch lange nicht vorbei, legt aber eine Pause ein. Insbesondere Industriemetalle wie Kupfer und Aluminium litten zuletzt unter der Konjunkturschwäche in den Schwellenländern. Die Goldpreise kamen unter Druck, weil die Anleger eine baldige Wende der Zinspolitik erwarten und die Inflation sehr niedrig bleibt. Dennoch bleiben die langfristigen Aussichten für den Rohstoffmarkt aus unserer Sicht gut.

Die Goldpreisprognosen der ängstlichen Analysten
Goldbarren Quelle: dpa
Goldman SachsDer Goldpreis wird im kommenden Jahr wahrscheinlich um mindestens 15 Prozent sinken. Zu dieser Einschätzung kommen die Analysten von Goldman Sachs in einer Studie. Sie sehen trotz eines beschleunigten US-Wirtschaftswachstums erhöhte Abwärtsrisiken für Rohstoffe. Die Preise für Gold, Kupfer und Sojabohnen werden demnach auf das niedrigste Niveau seit 2010 sinken. Die Goldman-Sachs-Analysten gehen beim Goldpreis von einem Rückgang bis Ende nächsten Jahres auf 1050 Dollar je Unze aus. Stand: 22. November 2013 Quelle: REUTERS
Die Schweizer Bank UBS prognostiziert im Jahresdurchschnitt für 2013 einen Goldpreis von 1396 Dollar je Unze. 2014 soll dann ein Durchschnittspreis von 1435 Dollar je Unze erreicht werden. Damit nahm die Bank ihre Prognose für das laufende Jahr um neun und für das kommende Jahr um zehn Prozent zurück. Stand: 25. Juni 2013 Quelle: REUTERS
Morgan StanleyFür 2013 geht die US-Bank nun von 1409 Dollar je Unze aus, nachdem es zuvor noch 1487 Dollar gewesen waren. Für 2014 rechnen sie mit 1313 Dollar je Unze, zuvor waren es 1563 Dollar. Für 2015 nahmen sie die Prognose von 1450 auf 1300 Dollar zurück. Stand 25. Juni 2013 Quelle: dapd
HSBCDie größte Bank der Welt senkte ihre Prognose für den Goldpreis auf einen Jahresdurchschnitt von 1396 Dollar je Unze in 2013 und 1435 Dollar für 2014. Damit senkte sie ihre alten Prognosen um neun bzw. zehn Prozent. Stand: 25. Juni 2013 Quelle: REUTERS
RBC Capital   Prognose am 1. Januar: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze) Prognose am 11. April: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze) Prognose am 28. Mai: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)   Alle Prognosen beziehen sich auf den erwarteten Goldpreis im vierten Quartal 2013. Quelle: Bloomberg; Stand: 28. Mai Quelle: REUTERS
Danske Bank Quelle: PR

Die Ankündigung von Fed-Chef Ben Bernanke, man werde künftig weniger Anleihen kaufen, hat nicht gerade geholfen.

Auch wenn die US-Notenbank nicht mehr 85 Milliarden US-Dollar monatlich an Anleihen kaufen sollte, bleibt die Zinspolitik sowohl in den USA als auch in Europa und Japan weiterhin expansiv. Geld bleibt noch lange Zeit günstig. Zwar sind die Rohstoffe nach den Äußerungen der Fed unter Druck geraten, aber dieser Effekt ist bereits in den Preisen eingerechnet. Und: Wenn der Ausstieg nicht ganz so schnell wie erwartet kommt, gibt das den Rohstoffpreisen positive Impulse.

Eine Garantie, dass es so kommt, gibt es nicht. Wäre es für Anleger dann nicht besser, zunächst abzuwarten und Rohstoffe zu meiden?

Die Anleger sind extrem skeptisch und meiden bereits den Rohstoffmarkt. In den vergangenen Monaten wurden bei Metallen ähnlich viele Terminkontrakte auf fallende Preise abgeschlossen wie kurz nach der Lehman-Pleite. Tiefer können die Erwartungen eigentlich nicht mehr sinken. Phasen, in denen Investoren bei Rohstoffen so einseitig positioniert sind, kündigen häufig Trendwenden an. Wir könnten in diesem Jahr, etwa bei Industriemetallen, noch positiv überrascht werden.

So groß ist Chinas Hunger nach Rohstoffen

Welche Überraschungen meinen Sie?

Gute Nachrichten aus China und Europa. Die Angst geht um, Chinas Wirtschaftswachstum, das die Rohstoffnachfrage im vergangenen Jahrzehnt antrieb, könnte sich weiter verlangsamen. Zwar bremst die neue Regierung das Wachstum, aber dank der Strukturreformen wird das BIP-Wachstum Chinas noch einige Jahre über sieben Prozent jährlich betragen. Wenn sich der Konjunkturoptimismus wieder durchsetzt, wäre mit steigenden Rohstoffpreisen zu rechnen. Für Investoren, die gegen den Strom schwimmen, sind dies gute Voraussetzungen.

"Gute Nachrichten aus China und Europa"

Pro und Contra zu Rohstoff-Spekulationen
Die Frankfurter Skyline ist hinter einem Rapsfeld in Eschborn zu sehen: Die öffentliche Meinung ist eindeutig. Geht es nach einer Forsa-Umfrage vom Ende vergangenen Jahres, dann sind nur elf Prozent der Bevölkerung in Deutschland dafür, dass es Anlageprodukte auf Agrarrohstoffe überhaupt gibt. 84 Prozent sind dagegen. Trotzdem finden sich genügend Experten, die Spekulationen auf Agrarrohstoffe befürworten. Hier eine Auswahl: Quelle: dpa
Professor Harald von Witzke, Agrarökonom an der Humboldt-Universität in Berlin, sagt: „Nur Scharlatane glauben, dass Wetten an den Terminbörsen die Lebensmittelpreise dauerhaft nach oben treiben. Landwirte und Agrarhändler können sich nur gegen Preisrisiken absichern, wenn Finanzinvestoren auf der Gegenseite in die andere Richtung wetten.“ Quelle: obs
Sein Kollege George Rapsomanikis, Ökonom bei den Vereinten Nationen, verweist auf die gegenseitige Abhängigkeit der verschiedenen Märkte: "Wenn der Ölpreis steigt, dann steigt auch die Nachfrage nach Ethanol und damit die Nachfrage nach Mais. All diese Märkte sind eng miteinander verknüpft, weshalb wir bei jedem Ölschock auch eine Nahrungsmittelkrise erwarten." Steigende Rohstoffpreise hängen seiner Ansicht nach in erster Linie auch mit der zunehmenden Industrialisierung in den Schwellenländern sowie mit der veränderten Nutzung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen zusammen. Werden die vermehrt als Energieträger genutzt, dann führt die steigende Nachfrage auf dem Energiemarkt jedes Mal zu einem Preisanstieg auf dem Rohstoffmarkt. Quelle: Pressebild
Der Gießener Agrarökonom Michael Schmitz sieht vor allem die Entwicklungsländer selbst in der Verantwortung: "Der Hunger ist vor allem ein hausgemachtes Problem in den Entwicklungsländern. Die Preisschwankungen waren Anfang der 70er-Jahre ähnlich hoch wie heute - ohne große Zuflüsse an Kapital", sagt der Professor. 2006 bis 2008 gab es zudem massive Ernteausfälle. Das war seiner Ansicht nach der Grund, warum damals die Preise deutlich anzogen. Außerdem waren die Lagerbestände infolge der Knappheit abgebaut worden, was die Märkte besonders nervös werden ließ. Und dann kam infolgedessen die Politik ins Spiel. Viele Importländer verstärkten ihre Importe, und die Exportländer drosselten ihre Exporte, was den Engpass und somit den Preisauftrieb noch verstärkte. Zudem: 74 Studien zum Thema, wie Rohstoffspekulationen Preise und Hunger treiben, hat sich der Experte angesehen. Nur eine stand in einem qualitätsgeprüften Journal. Quelle: Pressebild
Es ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, die sich aus ethisch-moralischen Gründen gegen das Spekulieren auf landwirtschaftliche Produkte ausspricht. Kern aller Argumente ist dabei stets, dass sich hinter der Vielzahl von Kontrakten, die an den Terminbörsen abgeschlossen werden, nur selten Absicherungsgeschäfte für Landwirte und Agrarhändler befinden. In den meisten Fällen wollen Spekulanten vom Auf und Ab der Preise profitieren. Quelle: dpa
"Wir erleben derzeit eine Achterbahnfahrt auf den Weltmärkten für Agrarrohstoffe. Dadurch drohen Grundnahrungsmittel für immer mehr Menschen gerade in den Entwicklungsländern unbezahlbar zu werden", äußerte sich beispielsweise kürzlich Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Die Politik hat dabei das große Ganze im Auge: Geht die Preistreiberei weiter, dann könnte es irgendwann Krieg um Grundnahrungsmittel geben. Erste Auswirkungen sah man bereits im vergangenen Jahr in Südostasien, als der Reispreis massiv angezogen hatte und die Menschen auf die Straße gingen. Quelle: dpa
Auch an den Börsen sieht man dieses Treiben zunehmend kritisch. „Es gibt volkswirtschaftlich gesehen überhaupt keinen Grund, warum man Investoren erlaubt, Lebensmittel aus dem Markt zu nehmen und zu horten, nur um von Preissteigerungen zu profitieren“, sagt etwa der als „Mister Dax“ bekanntgewordene Börsenmakler Dirk Müller. Immer wieder gab es Berichte, wonach in großen Lagerhäusern Lebensmittel bewusst zu Spekulationszwecken zurückgehalten wurden, um das Angebot gering zu halten. Quelle: dpa

China kämpft mit Problemen: Hoch verschuldete Provinzen und Geisterstädte.

Das sind Symptome der Vergangenheit. Die neue Regierung steuert bereits gegen. Geld fließt nun in sinnvolle Infrastrukturprojekte, die Kreditvergabe wird stärker reguliert. Die neue Regierung will die Wirtschaft einer Radikalkur unterziehen und auf einen nachhaltigen Wachstumspfad führen. Außerdem werden weiterhin jedes Jahr 15 bis 20 Millionen Chinesen vom Land in die Städte ziehen. Neue Häuser, Straßen, Brücken und Fahrzeuge werden gebraucht.

Wenn die Rohstoffmärkte abhängig von China sind, werden die Preise dann nicht stärker schwanken?

Nein, im Gegenteil. Die Chinesen kaufen ein, wenn die Preise unten sind - auch wenn die heimische Industrie die importierten Mengen nicht gleich verarbeiten kann. So baut China strategische Lager für Zeiten auf, in denen die Rohstoffpreise wieder anziehen. Mitten in der Weltwirtschaftskrise hat China einige Millionen Tonnen Metall aufgekauft. Anfang des Jahres hielten sich die chinesischen Händler zurück, nun kaufen sie wieder verstärkt Kupfer, Zink oder Aluminium ein. Denn die Vorräte an Kupfer oder Aluminium an der Metallbörse in Shanghai liegen auf dem tiefsten Stand seit einem Jahr. Offensichtlich beschleunigt sich das Wachstum in China derzeit wieder, weshalb die Rohstoffproduktion in China nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten kann.

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Ein starker Dollar verteuert Rohstoffimporte. Bricht die Nachfrage dann ein?

Auch wenn der US-Dollar die wichtigste Währung im Rohstoffhandel ist, wird seine Stärke nicht die Richtung an den Rohstoffmärkten bestimmen. Denn die Rohstoffnachfrage ist weitestgehend preis-unelastisch - sie wird über den Bedarf, nicht über den Preis gesteuert. So ist der Benzinpreis in Deutschland seit Anfang 2009 um 50 Prozent gestiegen. Der Verbrauch sank zwar um knapp fünf Prozent, nicht aber, weil wir etwa weniger fahren, sondern weil die Autos sparsamer sind. Wenn der Bedarf da ist, können die Preise stark anziehen, ohne dass ab einer bestimmten Preisschwelle die wieder einbricht.

Umgekehrt, wenn es kriselt und es mehr Arbeitslose gibt, werden die Rohstoffpreise überproportional fallen. Ohnehin hat China kein Währungsproblem, da der Renminbi weitgehend an den Dollar gekoppelt ist. Und wenn überhaupt, wertet er gegenüber dem Dollar auf. Für die Rohstoffproduzenten ist ein starker Dollar sogar gut, weil sie Lohn und andere Kosten in schwächerer Heimatwährung bezahlen müssen. Eine Dollarstärke könnte deshalb den Gewinnen der Minenbetreiber und deren Aktien nutzen.

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