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Bankaktien Lohnt der Einstieg bei der Deutschen Bank?

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Commerzbank steht nur scheinbar besser da

Etwas besser steht die Commerzbank da. Analysten und Investoren halten Deutschlands zweitgrößter Privatbank immerhin zugute, dass sie eine klare Strategie hat und bei deren Umsetzung vorankommt. Allerdings bezweifeln viele, dass Commerzbank-Chef Martin Zielke mit seiner digitalen Commerzbank 4.0 auch die angepeilte Eigenkapitalrendite von mindestens sechs Prozent bis 2020 erreichen kann. Vor allem im für die Bank so wichtigen Firmenkundengeschäft sanken im ersten Quartal die Erträge und das operative Ergebnis brach um 46 Prozent ein.

Den Kurs hat zuletzt nicht nur die parallele Schwäche der Deutschen Bank gedrückt, sondern auch die immer wieder aufkeimenden Probleme der italienischen Banken. Stark profitieren würde die Bank von steigenden Zinsen, dann dürfte ihr kreditlastiges Geschäft wieder ansprechende Margen einbringen. Diese Aussicht sorgt auch bei Neil Smith, dass er die Aktie mit „Kaufen“ bewertet. Ebenfalls dafür spricht laut dem Analysten des Bankhaus Lampe, dass die Commerzbank mit ihren Spar- und Personalabbauzielen voran kommt und ihre faulen Kredite aus der Schiffsfinanzierung schneller abbaut als andere Banken. Einen Kurs von 12 Euro halten Analysten wie Smith für möglich.

Allerdings hängt über der Commerzbank-Aktie ein anderes Damoklesschwert. Die Bank, eines der Gründungsmitglieder des Leitindex Dax, könnte im September aus der ersten Börsenliga absteigen. Laut der Rangliste Stand Ende Juni, die die Deutsche Börse zuletzt veröffentlichte, wäre die Commerzbank wohl draußen gewesen. Nach Marktkapitalisierung belegten die Gelben nur noch Platz 34 unter den größten börsennotierten deutschen Konzernen. Allein seit Januar war der Wert um rund acht Milliarden Euro eingebrochen.

Da der Münchener Zahlungsdienstleister Wirecard nicht nur eine deutlich höhere Marktkapitalisierung aufweist, sondern dank der jüngsten Kurssprünge auch auf einen ansehnlichen Börsenumsatz kommt, könnte es eng werden für die Commerzbank. Allerdings: auch andere Dax-Konzerne wie die Lufthansa oder Beiersdorf müssen noch um den Verbleib im Leitindex fürchten. Bis zur Entscheidung am 5. September können sich Marktkapitalisierung und Börsenumsatz noch deutlich ändern.

Problematisch wäre für die Commerzbank nicht nur der damit einhergehende Imageverlust. Insbesondere bei passiven Investoren, die mit ihren börsengehandelten Indexfonds (ETFs) schlicht einem bestimmten Index folgen und dessen Aktien kaufen, dürfte die Commerzbank nach dem Abstieg verlieren. ETFs auf den Dax haben ein deutlich höheres Volumen, als solche auf den MDax. Der größte Dax-ETF von Blackrock-Anbieter iShares hat ein Volumen von 7,2 Milliarden Euro, der auf den MDax kommt dagegen nur auf 2,1 Milliarden Euro.

Bevor Anleger also die aktuellen Kurse nutzen, um in Commerzbank-Aktien zu investieren, sollten sie die Index-Entscheidung Anfang September abwarten.

Egal ob Deutsche Bank oder Commerzbank: wer nach den richtigen Weichenstellungen nachkauft, muss immer die allgemeine konjunkturelle Lage im Blick behalten. Trübt die sich ein, nützt auch ein Dax-Verbleib oder ein Strategieschwenk nichts. Aber dann gibt es auf der nächsten Sommerparty vielleicht auch keine Häppchen mehr.

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