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Bankaktien Lohnt der Einstieg bei der Deutschen Bank?

Symbol für einstige Stärke: Das Hauptquartier der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Quelle: REUTERS

Die Aktienkurse der Deutschen Bank und der Commerzbank sind niedrig wie lange nicht mehr. Anleger glauben, tiefer könnten die Papiere nicht mehr fallen und wittern eine Einstiegsgelegenheit. Dafür dürfte es zu früh sein.

Es ist lange her, dass Bankaktien, die der Deutsche Bank im Speziellen, zum Small-Talk-Thema auf der Sommerparty taugten. Aber Ende Juni, als der Kurs des Deutsche-Bank-Papiers unter neun Euro sackte und überall von einem historisch günstigen „Allzeittief“ die Rede war, da fragte sich der ein oder andere börsenaffine Partygast zwischen Mozzarella-Häppchen und Tiramisu dann doch, ob nicht jetzt die Gelegenheit zum Kauf gekommen sei.

Gut, ein richtiges Allzeittief war es zwar nicht, aber immerhin der niedrigste Stand seit 35 Jahren. Selbst im rauen Herbst 2016, als die Bank im Zuge einer möglichen Milliardenstrafe in den USA unter Beschuss geriet, notierte die Aktie höher.  

Kaum eine Branche wird unter Analysten und Aktionären denn auch aktuell so heiß diskutiert wie die Banken. Soll ich nun kaufen oder nicht, fragen sich viele, erscheint doch das Papier mit seinem Preis von aktuell gut 10,30 Euro sehr günstig. Auch die Commerzbank, deren Kurs derzeit nur zwischen acht und neun Euro rangiert, scheint attraktiv.

Das Börsenjahr verlief bisher insgesamt nicht gut für den Sektor, der europäische Branchenindex Stoxx hat seit Januar rund zwölf Prozent verloren. Die Verluste bei den deutschen Instituten sind allerdings besonders hoch. Bei der Deutschen Bank sind es im gleichen Zeitraum über 37 Prozent, bei der Commerzbank ebenfalls 34 Prozent. Im Vergleich zum Buchwert sind die Papiere fast historisch günstig. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 (Commerzbank) und 22 (Deutsche Bank) ist zumindest Letztere nicht günstig – was aber vor allem auch am niedrigen Gewinn liegt. Und trotzdem: für den Wiedereinstieg dürfte es noch zu früh sein.

Zwar konnte die Deutsche Bank zuletzt ausnahmsweise positiv überraschen. Ihr Ergebnis im zweiten Quartal wird wohl die bisherigen Schätzungen deutlich übertreffen, wie die Bank Anfang der Woche per Ad-hoc-Meldung mitteilte. Aktuell rechnen die Frankfurter mit einem Vorsteuergewinn von etwa 700 Millionen Euro, von denen unterm Strich wohl 400 Millionen Euro übrig bleiben. Für das erste Halbjahr bliebe dann ein Gewinn von 1,15 Milliarden Euro. Am kommenden Donnerstag veröffentlicht die Bank die endgültigen Zahlen.

Der Kurs der Bank sprang daraufhin zwischenzeitlich um über sieben Prozent auf mehr als 10,30 Euro je Aktie. Trotzdem ist Anleger-Euphorie fehl am Platz. Im Vergleich zum ebenfalls nicht sonderlich rosig verlaufenen Vorjahresquartal fallen Gewinn und Vorsteuerergebnis jeweils deutlich schlechter aus, die Erträge stagnieren. Insbesondere die Erträge aus dem Handel sollen um 15 Prozent gefallen sein – ein „unterdurchschnittliches Resultat“ sei das im Vergleich zu den US-Banken, konstatiert Nord/LB-Analyst Michael Seufert. „Der Abstand der Deutschen Bank zu den US-Wettbewerbern hat sich weiter ausgedehnt“.

Noch radikaler urteilt die UBS in einer aktuellen Analyse. Die Deutsche Bank, so die UBS-Analysten Daniele Brupbacher und Mate Nemes, verliere weiterhin Marktanteile und die Risikoaufschläge (CDS-Spreads) seien weiterhin erhöht. Gleichzeitig sei die von der Bank angepeilte Marge auf das verfügbare Eigenkapital mit zehn Prozent 2021 zu ambitioniert. Zusammen mit dem langsam schwindenden Top-Personal und der stetigen öffentlichen Kritik könnte das zu einer strategischen 180-Grad-Wende führen. Aus Sicht von Brupbacher und Nemes müsste die Bank ihr Investmentbanking um rund die Hälfte stutzen, um auf einen fairen Wert der Aktie von rund 17 Euro zu kommen.              

Soweit ist Deutsche Bank-Chef Christian Sewing allerdings noch nicht. Unter dem Projektnamen „Colombo“ durchforstet er die Einheit aktuell nach Geschäftsfeldern, die nicht mehr gebraucht werden, deutliche Einschnitte soll es vor allem beim Handelsgeschäft in den USA geben. Besonders konkret sind die Maßnahmen noch nicht, weshalb viele Analysten befürchten, der Strategieschwenk greife nicht tief genug. Erst wenn deutlich wird, dass die Bank sich eine klare, neue Strategie verpasst und einen radikalen Schnitt wagt, sollten Anleger ein weiteres „Allzeittief“ tatsächlich zum Einstieg nutzen.  

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