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Festgeld-Ranking Die besten Zinsangebote im Ausland

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Rating zum Ausfallrisiko der Staaten

Auffällig ist, dass kein Festgeldangebot aus dem aktuellen FMH-Ranking aus einem Land mit besonders guter Ratingklasse stammt. Zum Vergleich: Deutschland notiert bei der Ratingagentur Moody’s derzeit in der besten Kategorie Aaa mit einem auch langfristig vernachlässigbaren Ausfallrisiko, das ganze bei stabilem Ausblick. Frankreich als zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone wurde wegen seines schwachen Wachstums bereits 2015 herabgestuft und notiert nur noch in der drittbesten Kategorie, bei Aa2.

Die meisten Ratingurteile der im FMH-Ranking berücksichtigten Staaten liegen in noch deutlich schlechteren Risikoklassen als Frankreich. Die Banken mit hochverzinsten Festgeldangeboten sitzen in Ländern wie Portugal, Rumänien, Bulgarien oder Kroatien. Dort kann eine Geldanlage laut Moody’s-Definition lediglich unter der Prämisse als sicher gelten, dass die gesamtwirtschaftliche Lage stabil bleibt und keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreffen.

Eine Festgeldanlage sollte eigentlich eine sichere Anlageform sein, bei der man ruhig schlafen kann. Daher sollten Anleger Festgeldanlagen in riskanten Ländern allenfalls mit einem überschaubaren Teil ihres Geldvermögens eingehen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn oft liegt die Mindestanlagesumme bei den untersuchten Festgeldangeboten bei stolzen 10.000 Euro, etwa bei der Haitong Bank (Portugal), der Alior Bank (Polen) oder der Banka Kovanica (Kroatien). Die Atom Bank aus Großbritannien akzeptiert dagegen auch schon Anlagen ab einem Euro, also ohne Mindestsumme und auch bei der Rietuma Bank aus Lettland kann man bereits ab 100 Euro anlegen.

36-Monats-Festgeldanlagen bei ausländischen Banken - Länder mit Euro als Währung

Ökonom Sinn warnt vor Kreditblase in Südosteuropa

Anleger sollten sich ebenfalls die volkswirtschaftliche Situation in Ländern mit hochverzinsten Festgeldangeboten vor Augen halten. So weist der Ökonom Hans-Werner Sinn bei einem aktuellen Interview mit der WirtschaftsWoche darauf hin, dass sich die Privatwirtschaft in Bulgarien, Rumänien und Kroatien auffällig stark in Euro verschuldet habe. Geldgeber dieser Fremdwährungskredite seien vor allem Banken aus Österreich, Frankreich, Belgien und den Niederlanden sowie aus dem finanzschwachen Griechenland.

Der Wissenschaftler Sinn spricht dabei von einer „Kreditblase“, hinter der das Kalkül stehe, dass Bulgarien, Rumänien und Kroatien in die Währungsunion aufgenommen würden. So könnten sie trotz übermäßiger Schulden zahlungsfähig bleiben. Ausgerechnet Banken aus Rumänien, Bulgarien und Kroatien sind mit ihren Festgeldangeboten ganz vorne mit dabei.

36-Monats-Festgeldanlagen bei ausländischen Banken - Länder mit eigener Währung aber Anlage in Euro

Wie immer, wenn irgendwo eine auffällig hohe Rendite lockt, sollten Anleger sich fragen, woran die höhere Verzinsung liegt. Denn darin ist ein Ausgleich für das höhere Ausfallrisiko zu sehen. Die Spitzenreiterin in unserem FMH-Festgeld-Ranking ist die Novo Banco aus Portugal, ein Institut mit bewegter Vorgeschichte. In ihren Büchern wurden die weniger problematischen Bilanzreste der untergegangenen Skandalbank Espírito Santo gebündelt, die 2014 vom portugiesischen Staat geschlossen und aufgefangen werden musste. Die größten Problemkredite wurden in einer staatlichen Bad Bank entsorgt.

Klar, dass Novo Banco mehr bieten muss als die Konkurrenz, um am freien Markt Geld zu bekommen. Ähnliche Beweggründe dürften auch bei anderen Banken mit auffällig hohen Festgeldrenditen eine Rolle spielen. Kaupthing lässt grüßen.

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