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Fondsmanagement Viele aktive Fonds sind nur ein Witz

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Jeder sechste aktive Fonds imitiert nur einen Index

Die Erkenntnis, dass es nur sehr wenigen Fondsmanagern gelingt, ihren Vergleichsindex zu übertreffen, treibt jedoch seltsame Blüten. Denn nicht wenige Fondsmanager ahmen mit ihren Investments lediglich ihren Vergleichsindex nach.

In Finanzkreisen wird diese Form des Indexmissbrauchs durch Fondsmanager "Closet Indexing" genannt. Während passive Indexfonds beziehungsweise ETFs für die Indexdaten zahlen und sich im Gegenzug den Fondsmanager sparen, sparen sich die Nachahmer die Lizenzgebühren – und vor allem viel Arbeit. Dabei hatten die Anleger in dem Glauben investiert, der Fondsmanager würde mit großem Aufwand und Gespür nur die besten Wertpapiere für den Fonds raussuchen.

Marc van Loo, Head of Research von NN Investment Partners (vormals: ING IM), weiß, worauf es bei einen aktiven Fonds ankommt: "Ob eine Aktie in der entsprechenden Benchmark enthalten ist oder nicht, ist für unseren Research-Prozess komplett irrelevant. Wir untersuchen beide Arten von Aktien auf dieselbe Weise“, sagt der Aktienanalyst. Trotzdem sind Aktien, die in wichtigen Indizes enthalten sind, überproportional oft in der Auswahl. „Von den rund 1.000 Unternehmen, die wir mit unserem internen Research abdecken, sind rund zehn Prozent nicht Teil des MSCI World Index“, sagt van Loo. Der MSCI World umfasst allerdings 1600 Aktien.

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Der Vorwurf vom Betrug am Anleger steht im Raum

Seit einigen Monaten sehen sich Kapitalanalagegesellschaften vermehrt dem Vorwurf des Closet Index-Tracking aus. Sowohl die deutsche Finanzaufsicht BaFin wie auch die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA haben die heimliche Nachbildung von Indizes als möglichen Betrug am Anleger ausgemacht. Dabei wird als besonders kritisch betrachtet, dass sich auch aktiv gemanagte Fonds unter Umständen ebenso eng an einen Index klammern, wie es ansonsten nur von ETFs (Indexfonds) erwartet wird.

Die Täuschung der Investoren besteht darin, ihnen eine in der Realität nicht erbrachte Analyse-Leistung vorzugaukeln. Und für einen Indexfonds sind die damit verbundenen Gebühren ungerechtfertigt hoch, jeder Index-ETF wäre deutlich günstiger bei gleichem Ergebnis. Nach Untersuchungen der ESMA steckt spätestens hinter jedem sechsten Fonds Closet Index-Tracking. Die BaFin wiederum sprach vor gut einem Jahr noch von „wenige Einzelfällen“ an „auffälligen Fonds“ – und daher keinen Anlass, „in die Vergütungsstrukturen der Kapitalverwaltungsgesellschaften einzugreifen“.

Privatanleger haben es natürlich besonders schwer, derartige Verstöße zu identifizieren oder gar Schadensersatzansprüche durchzusetzen. Dagegen können institutionelle Investoren mithilfe von darauf spezialisierten Gutachter- und Analysegesellschaften wie der SAM (Sachsen Asset Management) wesentlich effizienter vorgehen.

Laut Jan Hartlieb, Geschäftsführer von SAM, haben andere Staaten längst die heimlichen Indexnachahmer im Visier. „Schweden veröffentlichte eine Liste von 25 als aktiv betitelte Fonds, die unter dem Verdacht stehen, Closet Indexing zu betreiben“, berichtet Hartlieb. „Und in Norwegen verklagte die Regierungsbehörde für Verbraucherschutz stellvertretend für 137.000 Kleinanleger die landesgrößte Bank DNB.“ Der Vorwurf: Der Fondsanbieter wich bei drei der vermeintlich aktiv gemanagten Fonds nur um 1,4 Prozent vom Index ab, der Anteil aktiv gehandelter Aktien lag bei nur 12,3 Prozent. „In einen Zeitraum von zehn Jahren sollen dadurch 73 Millionen Euro an überhöhten Gebühren gezahlt worden sein“, sagt Hartlieb.

Vor Gericht erwiesen sich die Vorwürfe allerdings als unhaltbar, die riesige Sammelklage wurde abgewiesen. Begründung des Gerichts: Obwohl die Wahrscheinlichkeit gering gewesen sei, hätte es eine Chance auf eine Überrendite gegenüber vergleichbaren Indexfonds gegeben. Immerhin hat DNB auf die Vorwürfe reagiert und die laufenden Gebühren von 1,8 auf 1,4 Prozent gesenkt sowie die Trading-Aktivität im Fonds erhöht. Nun soll auch die Regulierungsbehörde klare Mindestanforderungen an die Aktivität eines aktiv gemanagten Fonds definieren.

So profitieren auch Privatanleger zumindest indirekt von der Arbeit von Unternehmen wie der SAM. Denn einmal ertappte Fondsgesellschaften können wohl kaum an ihrer bisherigen Vorgehensweise festhalten, da sie ansonsten (auch wenn es sich nur um einen institutionellen Anleger handelt) fortwährend mit Schadensansprüchen konfrontiert wären.

Weitere Erfolge bei der Identifizierung und Verfolgung des Closet Index-Trackings wären dennoch absolut zu begrüßen. Denn sonst werden sich Anleger über kurz oder lang gegen aktives Fondsmanagement entscheiden und nur noch ETFs ordern. Die Chance, den Index zu übertreffen, wäre für Fondsanleger verloren.

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