Fondsmanagerin Eve Tournier: "Die EZB ist noch im Zinssenkungs-Modus"
Eve Tournier ist beim weltgrößten Anleihenmanager Pimco Chefin des europäischen Unternehmensanleihenteams und verantwortlich für 12 Milliarden Dollar, die sie für den Rentenfonds Pimco Diversified Income in Unternehmensanleihen und hochverzinsten Anleihen aus Schwellenländern anlegt. Im vergangenen Jahr zog die gebürtige Französin von der Pimco-Zentrale im kalifornischen Newport Beach nach London, um näher am europäischen Markt zu sein. In London hat sie zuvor im Anleihenhandel der Deutschen Bank und im Derivatehandel bei JP Morgan gearbeitet. Studiert hat sie an der Cornell University und in Lyon.
Foto: WirtschaftsWocheWirtschaftsWoche: Sparer und Lebensversicherte verfluchen die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der niedrigen Zinsen. Wie kommen Sie als Profianleger damit zurecht?
Eve Tournier: Da wir weltweit und über alle Segmente der Kreditmärkte anlegen können, gibt es immer irgendwo Chancen. Die sind derzeit in Euroland wegen der EZB-Maßnahmen sehr gut. Mit dem Pimco Diversified Income Fund investieren wir beispielsweise in Staats- und Unternehmensanleihen, die von den niedrigen Zinsen der EZB, der erhöhten Liquidität sowie den verbesserten Wachstumsaussichten profitieren. In der Vergangenheit erbrachte der Fonds eine Rendite von 8,5% vor Gebühren und konnte in diesem Jahr bereits knapp 6,5% vor Gebühren erzielen.
Was bleibt denn noch übrig? Die EZB ist in ihren jüngsten Schritten schon sehr weit gegangen.
Das stimmt. Am 5. Juni verkündete die EZB ein sehr umfassendes Paket an Lockerungsmaßnahmen, das ihre Entschlossenheit im Kampf gegen das Deflationsrisiko demonstriert. Des Weiteren erläuterte Mario Draghi in der anschließenden Pressekonferenz: "Sollte es im Rahmen unseres Mandats erforderlich sein, war das noch nicht alles." Wenn die Inflationszahlen weiterhin enttäuschen, könnten die Währungshüter noch weiter gehen und ein Anleihenkaufprogramm initiieren. Die EZB bleibt engagiert. Indem sich die Notenbank verpflichtet, die Zinssätze über einen längeren Zeitraum niedrig zu halten, reduziert sie die Volatilität und unterstützt die fortlaufende Heilung der Wirtschaft. Dies schafft ein Umfeld, das Banken, Peripherietitel sowie zahlreiche risikoreiche Anlagen deutlich unterstützt.
Fühlen Sie sich hier also besser aufgehoben als in den USA und Großbritannien, wo die Notenbanken Maßnahmen zur Liquiditätsversorgung vorsichtig zurückfahren?
Teilweise ja. Die EZB ist anders als die zwei Notenbanken noch im Zinssenkungs-Modus. Die für die Zukunft erwarteten Zinssätze in der Eurozone sind niedriger als die in den USA und Großbritannien. Zudem ist das Vertrauen in eine Wachstumserholung dort stärker ausgeprägt. In Euroland ist die Krisenerfahrung noch frischer und das Vertrauen der Marktteilnehmer noch nicht so hoch, was das Risiko einer Neuverschuldung begrenzt.
Welche Chancen nutzen Sie in Europa?
Uns gefallen Anleihen, die durch Finanzinstitute begeben wurden. Die Überprüfung der Aktivaqualität durch die EZB zwingt die Geldhäuser, ihre Bilanzen zu sanieren – in den vergangenen sechs Monaten wurden die EU-Banken durch 90 Milliarden Euro an neuem Kapital oder zusätzlichen Rückstellungen gestärkt. Das Umfeld ist für die Aktionäre der Banken nicht gut, aber für die Anleiheinvestoren schon.
Da sich die Fundamentaldaten zunehmend verbessern, zahlt es sich aus, von vorrangigen, ungesicherten Anleihen, die sehr niedrig bewertet sind, auf den nachrangigen Bereich der Kapitalstruktur auszuweichen, wo die Anleihen mit vier bis sechs Prozent rentieren.
"Eher symbolische Maßnahmen"
"Für sich betrachtet sind die Zinssenkungen und der negative Einlagezins eher symbolische Maßnahmen: Sie werden weder die Kreditvergabe in den Krisenländern maßgeblich verbessern noch das Deflationsrisiko deutlich mindern", kommentierte DIW-Chef Marcel Fratzscher die EZB-Entscheidung. "Ich interpretiere sie aber als Startsignal und Anfang einer neuen EZB-Strategie einer stärkeren geldpolitischen Expansion. Als erste Schritte in einer Reihe von weiteren Maßnahmen in den kommenden Monaten sind sie bedeutungsvoll. Die EZB-Maßnahmen bergen große Risiken: Sie könnten die Blasenbildung und das riskante Verhalten von Banken noch verstärken. Allerdings wäre es noch riskanter und eine deutlich schlechtere Option, wenn die EZB nichts täte."
"Genau das falsche Rezept"
"Der Schritt der EZB markiert eine neue Eskalationsstufe. Damit wird das Niedrigzinsniveau weiter verfestigt, zulasten der Vorsorgesparer in Deutschland. Ihre Sparanstrengungen werden durch die EZB untergraben", kritisiert Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). "Deshalb sind wir in Sorge. Ökonomisch ist die Maßnahme genau das falsche Rezept. Denn die niedrigen Zinsen lösen kaum noch Wachstumsimpulse aus. Viel wichtiger wäre die Fortsetzung der Strukturreformen zur Wiedergewinnung der Wettbewerbsfähigkeit. Die Politik des billigen Geldes wird zum Irrweg."
Foto: AP"Zinspulver fast verschossen"
"Geldgeneral Draghi hat sein Zinspulver nun (fast) verschossen. Aktionäre und Immobilienbesitzer dürfen jubeln, Kontensparer und Versicherungssparer dürfen kapitulieren", sagt Ingo Theismann von der Vermögensverwaltung Consulting Team. "Erstmals müssen Banken Strafzinsen für ihre Einlagen zahlen, damit sollen über höhere Kreditvergaben Konjunktur und Inflation herbeigezaubert werden. Doch was sagte dazu bereits Ex-Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller vor 47 Jahren: 'Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selber.' Wir können nur hoffen, dass diese riskante Wette der EZB auch aufgeht."
Foto: WirtschaftsWoche"Erhebliche Risiken"
"Ich sehe erhebliche Risiken durch die Niedrigzinspolitik und die vergleichsweise üppige Geldversorgung durch die EZB", sorgt sich Michael Fuchs, stellvertretender Fraktionschef der Unionsparteien im Bundestag. "Der Druck der Märkte auf Reformen und Einsparungen gerade in den EU-Krisenländern schwindet. Darüber hinaus gefährden Niedrigzinsen in der gesamten EU die Bereitschaft zum Sparen und zur Altersvorsorge in der Bevölkerung."
„Der Handlungsspielraum der EZB ist mehr homöopathisch“
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hält die Wirkung weiterer Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) für sehr begrenzt. „Der Handlungsspielraum der EZB ist mehr homöopathisch“, sagte das Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung dem Südwestrundfunk. Ein Leitzins, der noch näher bei null liege, und ein Strafzins für Geschäftsbanken, die überschüssiges Geld bei der EZB parken wollten, stellten als Konjunkturimpulse keine schweren „Geschütze“ dar. Um die Wirtschaft im Euroraum zu beleben, sollten die Politiker darüber nachdenken, wie man die Investitionsanreize stärken kann, sagte Bofinger: „Dass also mehr Kreditmittel auf den Märkten von Investoren aufgenommen werden, und dann steigen auch die Zinsen wieder.“ Eine Hauptkritik aus Deutschland an der Politik des billigen Geldes ist, dass das niedrige Zinsniveau die Sparer belaste.
Foto: dapd"Völliges Neuland"
"Die EZB hat völliges Neuland betreten, in ihrer Mission, die Wirtschaft in der Euro-Zone zu unterstützen", konstatiert Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Diba. "Wird das die Wirtschaft anschieben? Wahrscheinlich nicht, aber es zeigt zumindest die Entschlossenheit der EZB und ihre Handlungsmöglichkeiten."
Foto: PR"Ein ganz gefährlicher Weg, den die EZB da einschlägt."
Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon (im Bild links neben dem Co-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen) wettert gegen die EZB-Ankündigungen, die Geldschleusen weiter zu öffnen. „Statt der erhofften Impulse für die Wirtschaft in den Krisenländern werden durch die erneute Zinssenkung die Sparer in ganz Europa weiter verunsichert und Vermögenswerte zerstört“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon. Die Maßnahmen machten die Finanzmärkte auch nicht stabiler - „im Gegenteil, das überreichliche Geld quillt schon jetzt aus allen Ritzen und sucht sich immer riskantere Anlagemöglichkeiten“. Schon am Morgen vor der EZB-Entscheidung äußerte Fahrenschon im ARD-Morgenmagazin seine Sorgen darüber aus, dass viele Menschen, die mit Versicherungen für ihr Alter vorgesorgt hätten, jetzt ungefragt zur Kasse gebeten würden: „Das ist ein ganz gefährlicher Weg, den die EZB da einschlägt.“ Allein in Deutschland würden Sparer, die fürs Alter vorsorgen, 15 Milliarden Euro verlieren: „Das sind vom Baby bis zum Großvater 200 Euro pro Kopf. Und das ungefragt. Und das Geld fehlt. Es ist weg.“
Foto: dpa"Der Zinsentscheid an sich war an den Märkten und insofern über die Kursanstiege der letzten Wochen bereits eingepreist. Dass der Dax als Reaktion auf den Entscheid zunächst über 10.000 Punkte schoss, bildet sozusagen das Tüpfelchen auf dem i", wertet Matthias Steinhauer von Concept Vermögensmanagement die Börsenreaktionen. "Über die öffentlich geführte Diskussion der letzten Wochen hat die EZB keinen Zweifel gelassen, dass sie entschlossen ist, wieder einmal 'das Notwendige' zu tun. Das wird letzten Endes das entscheidende und die Märkte bewegende Kriterium sein. Wir gehen davon aus, dass insbesondere jene Länder profitieren werden, die heute noch unter mangelnder Kreditversorgung leiden – also die europäische Peripherie. Die Kursentwicklung bei Aktien dürfte dort gegenüber dem übrigen Europa beschleunigt verlaufen. Der Dollar mag in Relation zum Euro leicht aufwerten, ein durchaus gewünschter Effekt."
Foto: PR"Die Medizin würde keine Wirkung zeigen"
Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich (im Bild mit Bundeskanzlerin Angela Merkel), sprach nach der EZB-Entscheidung von einer „Placebopolitik auf Kosten der Sparer.“ Schon vor Bekanntwerden des Maßnahmenpakets sagte Fröhlich gegenüber "Bild", er rechne zwar nicht mit negativen Zinsen für den Endverbraucher, gleichwohl schwächten die niedrigen Zinsen die Altersvorsorge der Menschen. "Ein in der EU noch nie dagewesener Strafzins würde die Kreditvergabe nicht beleben. Die Medizin würde keine Wirkung zeigen. Die Risiken und Nebenwirkungen wären dagegen umso größer."
Foto: dpa"Wenig neue Impulse"
"Die Zinssenkung von heute gibt wenig neue Impulse für richtiges Wachstum. Die EZB muss daher vielleicht sogar noch mehr tun", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank KfW. "Für die Sparer ändert sich mit dem heutigen Schritt wenig. Die wichtigste Einkommensquelle für die überwältigende Mehrheit aller Europäer ist ohnehin das Gehalt, der Lohn oder die beitragsfinanzierte Rente. Das alles steigt nur, wenn die Wirtschaft wächst. Dann steigen auch die Zinsen an den Finanzmärkten - übrigens auch ohne die EZB - wieder, denn es wird mehr investiert und die Nachfrage nach Kredit steigt. Wie wir das schaffen, darüber sollten wir derzeit vor allem nachdenken."
Foto: Pressefoto„Risiken und Nebenwirkungen“
Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick warnte angesichts des billigen Geldes vor „Risiken und Nebenwirkungen“. In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte er: „Die Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkte zeigen erste Zeichen einer Überhitzung, auf der Suche nach Rendite werden auch toxische Altlasten wieder zu einer lukrativen Investition.“
Foto: Sueddeutsche Zeitung Photo"EZB könnte Leitzinsen noch einmal senken"
Nach der EZB-Entscheidung kommentierte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank: "Die EZB hat ihren Hauptrefinanzierungssatz nur um zehn Basispunkte auf 0,15 Prozent gesenkt und nicht wie von den meisten Beobachtern erwartet um 15 Basispunkte. Wenn die EZB ihre Politik in den kommenden Monaten noch einmal lockern wollte, könnte sie ihre Leitzinsen also noch einmal senken und müsste nicht direkt zum Hammer der Staatsanleihenkäufe greifen."
Foto: WirtschaftsWoche"Die Erfolge geben Herrn Draghi Recht"
"Die Entscheidungen der EZB in den vergangenen zwei Jahren und deren Erfolg geben Herrn Draghi Recht, jetzt diese unkonventionellen und zum Teil nicht unumstrittenen Maßnahmen zu treffen", sagt Jürgen Mehrbrei, Geschäftsführer der Unikat Vermögensverwaltung in Mannheim. "Für den Anleger in den Geldmärkten bedeutet ein Zinsrückgang somit weniger Verzinsung für sein Erspartes. Auf der anderen Seite freuen sich Kreditnehmer und Häuslebauer, die einen Immobilienkredit aufnehmen und sich somit über historisch niedrige Zinsen freuen."
Foto: WirtschaftsWoche„Die EZB ist schon zu weit gegangen“
In einer Pressemitteilung kritisiert Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank, die EZB-Beschlüsse: "Zum einen nimmt die Niedrigzinspolitik immer extremere Formen an, obwohl schon die bisherigen Maßnahmen keinen wirklich durchgreifenden Erfolg zeigten. Eines ihrer wichtigsten Ziele, nämlich die Banken zu einer großzügigeren Kreditvergabe an die Wirtschaft zu bewegen, hat die EZB bislang nicht erreicht." Lang argumentiert, dass die durch die Geldpolitik der Notenbanken hervorgerufenen Höchststände an den Börsen nicht durch die konjunkturelle Entwicklung gedeckt seien. "Insbesondere für europäische Aktien sehe ich daher die Gefahr einer Blasenbildung. Ähnliches gilt auch für die Rentenmärkte. Last but not least existiert derzeit auch keine wirkliche Deflationsgefahr, die extreme Maßnahmen rechtfertigen würde."
Foto: dpa"Die Geldpolitik handelt, während die Fiskalpolitik außer einseitiger Sparorgien nichts zuwege bringt. Damit werden die Mitgliedstaaten ihrer Verantwortung nicht gerecht", erklärt Sven Giegold, Attac-Mitbegründer und Abgeordneter der Grünen. "Ich bin sehr froh, dass wir mit der EZB eine europäische Institution haben, auf die Verlass ist. Menschen, die leichtfertig von Enteignung der Sparer reden, sollten sich vor Augen führen, welches Elend im letzten Jahrhundert durch Deflation ausgelöst wurde."
Foto: dpaBeifall kam von der Gewerkschaftsseite. Angesichts drohender Deflation und Stagnation sei die Geldpolitik der EZB richtig und wichtig, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Dazu müsse sich aber eine aktive Fiskalpolitik der Euro-Staaten mit kräftigen Investitionen gesellen. „Billige Kredite helfen erst dann, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nicht weiter schrumpft und die Märkte wieder eine Wachstumsperspektive bekommen“, meinte Körzell.
Foto: dpa"EZB musste handeln"
Auch die Industrie- und Handelskammern stützten Draghi: „Angesichts der aktuell niedrigen Inflation musste die EZB handeln“, erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Die Regierungen in der Eurozone müssten nun klug agieren und den geldpolitischen Spielraum für weitere Anstrengungen bei den Strukturreformen nutzen. „Die Niedrigzinsphase darf nicht ewig anhalten. Sie erhöht sonst das Risiko neuer Blasen an den Finanzmärkten.“
Foto: dpaLiegen die Gefahren jetzt statt bei Bankanleihen eher bei den Hochzinsanleihen der ausfallgefährdeten Unternehmen? Viele sprechen dort von einer Blasenbildung.
Unternehmen mit niedrigen Ratings müssen traditionell hohe Zinsen zahlen. Derzeit können sie jedoch das Niedrigzinsumfeld nutzen und schulden manche bestehende Anleihe vorzeitig günstig um. Auf diese Weise haben sie ihre kurzfristigen Schulden weitgehend refinanziert. Ohne fällige Schuldverschreibungen und in Anbetracht des allmählichen Wirtschaftsaufschwungs rechnen wir mit anhaltend niedrigen Ausfallraten und ausreichend gestützten Kreditprämien.
Welche Bereiche bei Hochzinsanleihen sind für Sie interessant?
Wir suchen derzeit nach High-Yield-Unternehmen, die Übernahmekandidaten sein können für größere bonitätsstarke Unternehmen. Das war jüngst beim Zementhersteller Lafarge der Fall, der von Holcim übernommen wurde. Lafarge profitiert von dem besseren Holcim-Rating und die Lafarge-Anleihen stiegen im Kurs. Ähnlich wird es sein, wenn Alstom von Siemens oder General Electric übernommen wird.
Wer derzeit für ein Jahr lang Geld auf einem Tagesgeldkonto parkt, bekommt durchschnittlich nur 0,54 Prozent Zinsen. Wer also 10.000 Euro auf der hohen Kante hat, hat nach einem Jahr lediglich 54 Euro mehr.
(Stand: 12. Mai 2014)
Foto: APDie besten Anbieter von Tagesgeldkonten sind derzeit die Renault Bank direkt Tagesgeld mit 1,31 Prozent p.a. und MoneyYou Tagesgeld (1,31 Prozent p.a.). Viel mehr als 1,3 Prozent Prozent Jahreszins sind derzeit aber - unabhängig vom Anbieter - nicht drin.
Quelle: Tagesgeldvergleich.net
Beim Festgeld ist die Verzinsung gut doppelt so hoch. Wer 10.000 für drei Jahre festlegt, bekommt schon zwischen 2,1 und 3,3 Prozent Zinsen. Für ein einjähriges Festgeld bekommen Sparer in Deutschland allerdings maximal 1,7 Prozent Zinsen. Besonders hohe Zinsen bieten Tochtergesellschaften ausländischer Banken.
Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gmsIm Dezember 2013 hat die SavingGlobal GmbH die Onlineplattform Weltsparen.de gestartet, über die deutsche Sparer Festgeldkonten im Ausland eröffnen können. Die First Investment Bank in Sofia bietet derzeit 2,9 Prozent Zinsen für einjährige Festgeld-Anlagen an, bei einer Laufzeit von 36 Monaten winken 3,3 Prozent. Das Geld wird in Euro angelegt, es gibt also kein Währungsrisiko.
Foto: ScreenshotKünftig sollen auch andere ausländische Banken über die Plattform deutschen Kunden Festgeldkonten anbieten. So soll neben einer italienischen und einer portugiesischen Direktbank auch ein Institut aus Norwegen dazu stoßen, das 2,2 Prozent Zinsen für ein einjähriges Festgeld bei einer Mindestanlage von 15.000 Euro anbietet. Allerdings müssen die Kunden in norwegischen Kronen anlegen.
Foto: dpaUm ein solches Festgeldkonto eröffnen zu können, müssen Sparer bei Weltsparen.de Kunde werden, in dem sie online und per Postident-Verfahren ein Konto bei der deutschen MHB Bank eröffnen. Die MHB Bank ist Abrechnungsbank für die Festgeldgeschäfte der SavingGlobal und legt das Geld der Sparer bei den ausländischen Partnerbanken an. Sobald das Konto eröffnet ist, können Kunden via Online-Plattform den gewünschten Betrag überweisen. Am Ende der Laufzeit überweist die Partnerbank das Geld mit Zinsen auf das Weltsparkonto bei der MHB Bank zurück.
Foto: ScreenshotDie Kontoführung ist für Kunden der MHB Bank kostenlos. Saving-Global und MHB verdienen an einer Vermittlungsgebühr von den ausländischen Partnerbanken. Wie hoch diese Provision ist, lässt sich nur schätzen. So bekommen beispielsweise bulgarische Kunden bei der Fibank für ein einjähriges Festgeld in Höhe von 10.000 Euro 4,15 Prozent Zinsen, Deutsche dagegen 2,9 Prozent. Die Differenz dürfte der Vermittlungsgebühr entsprechen.
Foto: dpaWas die Sicherheit der Kunden anbelangt, müssen alle Partnerbanken der SavingGlobal einen EU-Pass "zur Erbringung von grenzüberschreitenden Dienstleistungen" besitzen und ihr Angebot für deutsche Sparer bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) registrieren. Die Spareinlagen der europäischen Banken sind bis zu 100.000 Euro Guthaben pro Sparer und Bank gesetzlich garantiert. Kann die jeweilige Bank nicht zahlen, muss also der Staat einspringen.
Foto: dpaWem das dennoch zu riskant ist, der kann es mit Anleihen großer europäischer Unternehmen versuchen. So lockt beispielsweise ThyssenKrupp mit 2,5 Prozent Rendite für Anleihen, die bis 2019 laufen (Wertpapierkennnummer: A1R041).
Foto: dpa
Sie versammeln in dem Fonds einiges an riskanten Anleihen, Anleger müssen also auch mit Verlusten rechnen.
Wir nutzen nicht auf Teufel komm raus die höchsten Renditen, sondern behalten die Risiken im Blick. Nach vielen Jahren mit zweistelligen Renditen hatte der Fonds 2013 ein Minus von 0,3 Prozent vor Gebühren, weil die Schwellenländeranleihen in Lokalwährung teilweise vorübergehend ein Drittel an Wert eingebüßt hatten. Durch die Mischung in dem Fonds war das Minus aber moderat.
Wie halten Sie es klein?
Ich weiche auf Papiere aus, bei denen ich ein besseres Chance-Risiko-Profil erkenne als bei den normalen Hochzinsanleihen. Zum Beispiel habe ich die Hochzinsanleihen von US-Unternehmen teilweise durch verbriefte Wohnimmobilien-Hypotheken aus den USA ersetzt. Sie bringen Renditen um die sechs Prozent, ähnlich wie High-Yield-Papiere, bieten jedoch einen besseren Schutz gegen Verluste, da die Ausfallquoten bereits in ihren Bewertungen eingepreist sind. Wenn sich die US-Wirtschaft weiter erholen sollte, steigt auch die Zahlungsfähigkeit der US-Hausbesitzer und die Eigenheimpreise ziehen an.
Was haben Sie gemacht, als die Kursverluste in den Schwellenländer-Anleihen 2013 das Portfolio durchgeschüttelt haben?
Ich habe die Volatilität des Portfolios reduziert, indem ich die Engagements in Währungen und Zinsen aus Schwellenländern im zweiten Quartal verringert habe. Bis zum Jahresende entwickelten sich die Staatsanleihen aus Schwellenländern deutlich schlechter als der Hochzinsbereich, also beschloss ich im Dezember, meine Anlagen in Unternehmensanleihen aus Schwellenländern erneut aufzustocken. Seit Beginn des Jahres haben wir bereits knapp 6,5% vor Gebühren erwirtschaftet, was zum Teil auf die Kursgewinne in den Schwellenländern zurückzuführen ist. Ich habe im Februar brasilianische Anleihen gekauft um im April russische, als die Kurse am Boden waren. Der Ukraine-Konflikt hat sich zunehmend entschärft und die russische Bilanz bleibt stark, mit einer geringen Verschuldung und hohen Reserven. Russische Bank- und Unternehmensanleihen bleiben attraktiv.
Keine Fondsgesellschaft ist stärker im Anleihenmarkt investiert als Pimco, wo bringt das für Sie Vorteile?
Wir haben ein sehr starkes Research und eine profunde Trading-Expertise in allen Bereichen des Marktes. Unsere mehr als 50 Kreditanalysten ermöglichen eine direkte und persönliche Beurteilung eines stetig wachsenden Chancenspektrums. Unsere Größe und Infrastruktur versetzen uns außerdem in die Lage, an Reverse Inquiries mit Unternehmen und sogar Ländern teilzunehmen. In meinem Bereich der Unternehmensanleihen ist es zudem von Vorteil, dass die Unternehmen ein immer größeres Emissionsvolumen anstreben. Derzeit gibt es viele Übernahmen und die Unternehmen müssen Aufschläge auf die normalen Unternehmensanleihen zahlen, um sehr umfangreiche Transaktionen zu finanzieren.
Nach dem Abgang des prominenten Pimco-Investmentchefs Mohamed El-Erian geriet Pimco in die Kritik. Es entstand das Bild eines Unternehmens, in dem ein cholerischer und allmächtiger Bill Gross den Ton angibt und das durch abfließende Anlegergelder geschwächt ist. Erkennen Sie darin Ihren Arbeitgeber wieder?
Klare Ansagen und deutliche Worte gibt es doch in jedem Unternehmen mal. Mittelabflüsse entstanden mitunter auch bei einzelnen Fonds durch Umschichtungen in andere Fonds. Ich habe selten eine so ausgeprägte Diskussionskultur erlebt wie bei Pimco. Jeder kann bei uns seine Ideen mit harten Fakten vortragen und wird dazu sogar ermutigt. Das ist schon etwas ganz Besonderes.