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GeldanlageWann Sie eine Aktie verkaufen sollten

An der Börse kreisen die Gedanken der Investoren meist darum, welche Aktien man kaufen soll. Doch mindestens genauso wichtig ist es, den richtigen Ausstiegszeitpunkt zu finden.Hartmut Jaensch 24.07.2017 - 14:30 Uhr

10. Platz: Aktien

Der comdirect Spar- und Anlageindex ist im September den sechsten Monat in Folge gesunken. Er erreichte mit 93,8 Punkten den niedrigsten Stand seit Dezember 2015. Die Deutschen sparen also immer weniger. 40 Prozent legten im September gar nichts oder weniger als 50 Euro zurück. Im Schnitt sparte jeder Deutsche 105,62 Euro.

Aktien sind als Geldanlage bei den Deutschen nicht sehr beliebt. Mit einem Anteil von 14 Prozent reicht es nur für den zehnten Platz des Rankings.

(Quelle: comdirect)

Foto: dpa

9. Platz: Festgeld

Schon etwas beliebter als die Aktien ist das Festgeld. Immerhin 19 Prozent der Geldanlagen fallen in diesen Bereich.

Dass insgesamt wenig angelegt wird, hängt unter anderem mit der andauernden Niedrigzinsphase zusammen. Da noch nicht klar ist ob, und falls ja, wann die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder hebt, wird Anlegern empfohlen, ihr Geld in Produkten mit höheren Renditechancen (und gleichzeitig aber auch höherem Risiko) als den aktuell sehr schlecht verzinsten klassischen Sparprodukten anzulegen.

Foto: dpa

8. Platz: Fonds

Fonds befinden sich mit dem Festgeld gleichauf. Sie liegen ebenfalls bei 19 Prozent. Im Gegensatz zum August konnten sie um drei Prozent zulegen und sich so einen Platz nach oben schieben.

Im Norden und im Osten Deutschlands wurde im September vergleichsweise besonders wenig gespart. Im Norden sparte man durchschnittlich 94,37 Euro und im Osten 91,96 Euro pro Person. Im Süden legte der Durchschnittsparer mit 121,26 Euro deutlich mehr zurück.

Foto: gms

7. Platz: Altersvorsorge

Die Altersvorsorge wird in Deutschland zu einem immer wichtigeren Thema. Immerhin 26 Prozent der Ersparnisse werden hierzulande in diesem Bereich angelegt, was der Anlageform zu einem siebten Platz in diesem Ranking verhilft.

Absolut gesehen planen die Deutschen gemäß der Studie aber zukünftig weniger zurück zu legen. Nur 11 Prozent der 1.600 Befragten gaben an, dass sie ihre Sparrate erhöhen möchten. 13 Prozent wollen ihr Verhalten nicht ändern und 13 Prozent sagten, dass sie in Zukunft weniger sparen möchten.

Foto: dpa

6. Platz: Lebensversicherung

Die Lebensversicherung schafft es in diesem Ranking auf den sechsten Platz. Mit 29 Prozent ist sie aber auch weit vom Spitzenplatz der beliebtesten Geldanlage für die Ersparnisse entfernt.

Dass die Sparquote insgesamt zurück gegangen ist, liegt vor allem an dem hohen Anteil der Menschen, die so gut wie nichts sparen. Insgesamt legten 40 Prozent der Deutschen weniger als als 50 Euro zurück.

Foto: dpa

5. Platz: Bausparvertrag

Im Mittelfeld dieses Rankings findet sich der Bausparvertrag. Die Deutschen legen 30 Prozent ihrer Ersparnisse in dieser Form an. Somit ist der Bausparvertrag deutlich beliebter als die Aktien, Fonds und das Festgeld. Auch zu den nächsten Plätzen fehlt nicht viel.

Foto: dpa

4. Platz: Bargeld

Nur ein Prozent vor dem Bausparvertrag liegt das Bargeld. Es bewahren also 31 Prozent der Deutschen ihre Ersparnisse als Bargeld auf. Die Vorstellung, dass viele Deutsche ihr Geld in einem Sparstrumpf „anlegen“ ist also weiterhin zutreffend.

Foto: dpa

3. Platz: Tagesgeld

Auf das Treppchen dieser Einordnung hat es das Tagesgeld geschafft. 34 Prozent reichten, um sich vor den anderen Geldanlagemöglichkeiten zu platzieren. Der Abstand zu den ersten beiden Plätzen ist allerdings groß.

Der Anteil des Einkommens, den Deutsche insgesamt sparten, betrug im September knapp 7 Prozent.

Foto: dpa

2. Platz: Sparbuch

Großer Beliebtheit erfreut sich immer noch das Sparbuch. Mit 51 Prozent wurde es ganz knapp Zweiter. Trotz geringer Rendite ist es also eine der häufigsten Anlageformen in Deutschland. Im Gegensatz zum Vormonat hat es allerdings zwei Prozent eingebüßt.

Foto: dpa

1. Platz: Girokonto

An der Spitze thront auch im September das Girokonto. Wie auch im Vormonat nahm es die Spitzenposition ein. 55 Prozent deutscher Ersparnisse liegen auf Girokonten. Allerdings hat auch das Girokonto – wie das Sparbuch – im Vergleich zum August ein paar Prozent verloren.

Foto: dpa

Manche Anlagestrategen kaufen unterbewertete Aktien und warten, bis der Markt deren Potenzial erkennt. Andere kaufen genau die Aktien, in die auch Warren Buffett investiert. Und wieder andere setzen auf jene Unternehmen, deren Produkte ihnen gefallen. Die Palette der Börsenratschläge reicht von hilflosen bis hilfreichen Tipps. Was dabei jedoch permanent untergeht, ist die andere Seite der Medaille: der Verkauf.

Zum Autor
Unzufrieden mit vagen Handlungsanweisungen aus Lehrbüchern begann Hartmut Jaensch schon im BWL-Studium in München Algorithmen zu testen, um Börsenzyklen zu entschlüsseln. Auch während seiner Tätigkeit als Manager und Berater für US-Konzerne wie Google, Xerox, Avaya und Dresser forschte er weiter. Unter anderem verantwortete er die Entwicklung und Einführung von Prognose-, Finanz- und Risk-Management-Systemen. Heute leitet er als geschäftsführender Gesellschafter Prediqma, ein Unternehmen, das Anlegern mit einer selbst entwickelten Software Informationen für ihre Börsenstrategie zur Verfügung stellt.

Denn wenn Sie fortwährend kaufen und Aktien sammeln wie Briefmarken, kann das Ergebnis zwar eine Zeit lang hervorragend aussehen. Doch schlussendlich verlieren Sie den Überblick über die Artefakte in Ihrem Sammelalbum. Gerade Anlagestrategen, die auf Fundamentalanalysen setzen, empfehlen oft die immer gleichen Käufe (zur Abwechslung mal wieder Coca-Cola oder Nestlé) und bleiben Ihnen Zeit Ihres Lebens die Angabe schuldig, wann Sie am besten verkaufen.

Kein Wunder. Der Blick auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen reicht nämlich nicht, um den richtigen Zeitpunkt für den Verkauf zu bestimmen. Vielleicht tun sich viele Anleger deshalb mit dem Ausstieg schwer – insbesondere wenn die Kurse scheinbar unaufhaltsam neue Rekorde erreichen. Zu groß ist dann die Sorge, einen weiteren Kursanstieg zu verpassen.

Beste Aktien der Welt

Sartorius ist die beste deutsche Aktie

von Sebastian Kirsch

Wann ist also ein guter Zeitpunkt erreicht, seine Aktien zu verkaufen?

Auf diese Frage pflegte der Großinvestor und Milliardär Warren Buffett zu antworten: „Nie.“ Ein „nie“, das viele Laien-Anleger gerne als Argument für eine Daueranlage aufgreifen. Doch ich kann Ihnen versichern: Auch der zweitreichste Mann der Welt kommt nicht umhin, sich immer mal wieder von Aktien zu trennen. Schon um Geld freizumachen für eine noch aussichtsreichere Aktie.

Privatanleger machen vermeidbare Fehler

Eine Studie der Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer für das Magazin „Finanztest“ hat knapp 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum von 2005 bis 2015 ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass die Anleger weit hinter den Wertzuwächsen des Gesamtmarktes liegen. Während eine Rendite von jährlich 8,7 Prozent realistisch gewesen wäre, kommen die Anleger nur auf einen Wertzuwachs von 3,1 Prozent. Mangelnde Finanzkenntnisse müssen nicht die Ursache sein. Zu Einbußen führen meist kurzfristiges Denken, Gier und Aktionismus. Die vier gängigsten Fehler sind leicht zu beheben. Wir stellen sie vor – und entsprechende Gegenstrategien.

Das Bild zeigt die Börse von Abu Dhabi. Hier handeln Privatanleger mit größeren Beträgen als in Deutschland.

Foto: REUTERS

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Befund

Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage – dennoch vernachlässigen sie viele Anleger: die Risikostreuung. Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Eines der untersuchten Depots beinhaltet heute im Schnitt zwölf Aktien.

In Santiago de Chile bedient ein Mitarbeiter der chilenischen Zentralbank eine Sicherheitstür.

Foto: REUTERS

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Folgen

Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Autoren ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran.

In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen.

Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ kommen Menschen vor der New York Stock Exchange zusammen.

Foto: AP

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Gegenmittel

Es ist leicht, ein breit gestreutes Depot aufzubauen: durch börsengehandelte Indexfonds (ETF). Sie beteiligen Anleger, je nach Art, an 1600 bis 2500 internationalen Aktien. Für Staatsanleihen gibt es ebenfalls ETFs.

Bestehende Depots umzubauen, ist nicht nicht ganz einfach. Anleger sollten sich von Verlustpositionen trennen. Ein Papier erst zu verkaufen, wenn es seinen einstigen Kaufpreis erreicht hat, ist irrational. Es sollten triftige Gründe für eine zu erwartende Wertsteigerung vorliegen.

Ein chinesischer Investor analysiert im August 2015 eine Kurstafel.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Befund

Der Fehler erinnert an das Muster von Sportwetten: Unerfreuliche Ergebnisse werden ausgeblendet, Erfolgserlebnisse übermäßig hochgehalten. Anleger sollten aber ausschließlich die langfristige Entwicklung des Gesamtdepots im Blick haben.

Oft suchen sie ihr Heil in einer Kombination aus Einzelaktien: Im Falle eines Missgriffs ist es eine beliebte Methode, die Position aufzustocken, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken und von der erwarteten Erholung zu profitieren. Das kann jedoch auch weiteres Unheil anrichten: Das sogenannte Klumpenrisiko, eine Übergewichtung einzelner Anlagen im Depot, steigt. Private Anleger haben gegenüber Profis hier offenbar schlechtere Karten.

Das Foto vom 20. Oktober 1987 zeigt Händler in der Frankfurter Börse. Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Tage.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Folgen

Vom Aktien-Picken betroffene Depots bringen nur 3,1 Prozent Rendite. Mit einer Indexmischung, die die durchschnittliche Vermögensaufteilung der Anleger widerspiegelt, hätten sie dagegen 8,7 Prozent erzielt.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Gegenmittel

Aktien- und Renten-ETFs sind auch hier ein probates Mittel. Passionierte Zocker von einer solchen Strategie zu überzeugen, fällt manchmal schwer. Wer unbedingt eigenhändig zusammenstellen will, sollte zwingend auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die wichtigsten Branchen achten.

Die USA gelten als Nation der Aktienbesitzer.

Foto: dpa

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Befund

Ein typischer Anleger verändert auf Jahressicht knapp ein Viertel seines Portfolios. Die aktivsten krempeln ihr Depot zweimal im Jahr komplett um. Das bringt nichts: Die eifrigen Händler erhalten die schlechteste Rendite. Übrigens auch, wenn man die Handelskosten abzieht.

Broker stehen am 25. Oktober 1929 zu Beginn der Weltwirtschaftskrise in der New Yorker Börse. Innerhalb weniger Tage verloren Millionen Amerikaner ihr Vermögen, die Panik griff weltweit auf die Börsenplätze über.

Foto: AP

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Folgen

Kauf- und Verkaufskosten verringern die Rendite um annähernd ein Prozent. Dieser Wert steigt bei besonders aktiven Händlern deutlich (3,3 Prozent). Passivere kommen dagegen der Rendite des großen Index MSCI World nahe.

Händler der Investmentbank Lehman Brothers arbeiten in der New Yorker Börse am 17. Juni 2008 – drei Monate vor der Insolvenz.

Foto: dpa

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Gegenmittel

Wer vom Start weg auf weltweite Indexfonds setzt, hat in der Folge wenig Grund, sein Portfolio zu verändern. In schlechten Börsenzeiten muss die Verlusttoleranz allerdings strapazierfähig sein. Hektische Reaktionen machen die ausgegebene Taktik zunichte. Ein Logbuch kann helfen, die Transaktionssummen im Blick zu behalten.

Die Flamme eines Feuerzeuges beleuchtet eine Euro-Münze aus Griechenland. Wer Geduld bewahrt und sein Portfolio ausgewogen gestaltet, ist vor hohen Verlusten gefeit.

Foto: dpa

Fehler 4: Zu viel Deutschland - Befund

Die nachvollziehbare Einstellung, nur bekannte Unternehmen – also vornehmlich deutsche – ins Portfolio aufzunehmen, geht zulasten der Streuung. Während der Anteil deutscher Aktien im MSCI World drei Prozent beträgt, vertrauen in den untersuchten Depots 43 Prozent auf hiesige Aktiengesellschaften. Obwohl es leichter geworden ist, ausländische Aktien zu handeln, bleibt dieser Wert relativ konstant. Ein weiteres Problem ist die Zusammensetzung der deutschen Titel: Sie ist oft nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt. Gängige Indizes schneiden hier besser ab.

Eine Gruppe von Menschen steht am 13. Juli 1931 vor der Darmstädter und Nationalbank (Danatbank) in Berlin. Die (im Zusammenhang mit den Turbulenzen bei Hypothekenbanken 2008 als Vergleich herangezogene) Bankenkrise von 1931 hat ihre Wurzeln in der Weltwirtschaftskrise von 1929 und dem damit verbundenen Börsencrash.

Foto: AP

Problem 4: Zu viel Deutschland - Folgen

Die Wertschwankungen steigen, das Ergebnis wird weniger berechenbar. Glück hatten die Anleger vor allem deutscher Titel vor allem dann, wenn der Markt hierzulande schlicht gut lief. Untersuchungen belegen, dass ein international ausgelegtes Portfolio ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis verspricht.

Auch Gold, hier ein Barren aus der chilenischen Nationalbank, stellt eine beliebte Anlageform dar.

Foto: Reuters

Fehler 4: Zu viel Deutschland - Gegenmittel

Als Beimischung sind deutsche Aktien sehr gut geeignet. Einen Anteil von 20 Prozent halten die Studienautoren noch für akzeptabel. Wer nur ein geringes Vermögen anlegen will, dem sei eine Kombination aus MSCI World und Dax-ETF empfohlen. Fünf bis zehn Titel aus verschiedenen Branchen sollten es schon sein.

Ein junger Russe spielt mit unechten US-Dollarscheinen – ein Werbegag, mit dem eine Vermögensberatung auf der Millionärsmesse in Moskau finanzstarke Kunden locken wollte.

Studien-Quelle: Finanztest

Foto: dpa

Eine ganze Reihe von Indikatoren steht zur Verfügung, um den passenden Ausstiegszeitpunkt zu bestimmen. Branchenanalysen könnten theoretisch hilfreich sein. Sie fassen die Lage in einer Branche zusammen, im Idealfall mit viel Marktkenntnis geschrieben. Doch viele Anleger halten von den Analystenberichten wenig. Der ehemalige Chef von Salomon Brothers, John H. Gutfreund, hat diesbezüglich sogar einmal eingeräumt, dass Finanzanalysen eine Art teure Werbung seien. Fakt ist: Branchenanalysen lassen den nötigen Gesamtüberblick über die Börsen vermissen, obwohl gerade der wichtig ist. Trübt sich die Börsenstimmung ein, erfasst diese Entwicklung die meisten Aktien. Wer das vernachlässigt, wird dafür teuer bezahlen. Deshalb können Branchenanalysen bei der Entscheidung für oder gegen den Verkauf einer Aktie kaum helfen.

Auch die Geschäftsdaten eines Unternehmens helfen nur begrenzt. Erinnern Sie sich nur an die T-Aktie. Deren Kurs hatte sich nach dem Börsengang innerhalb von nur drei Jahren, bis Ende 1999, von 17 auf 71 Euro vervierfacht, obgleich der Gewinn der Telekom in derselben Zeit nur um 45 Prozent und der Umsatz um rund 5 Prozent zulegten. Diese Entwicklung hätte Anleger vielleicht noch misstrauisch machen können. Zu Recht: Es folgte der harte Fall der Aktie. Doch danach halfen die Unternehmenszahlen weniger. Umsatz und Gewinn lagen Ende 2016 doppelt so hoch wie 1999. Trotzdem notierte die T-Aktie bei lediglich 16 Euro.

Um dieses Problem zu umgehen, werden Geschäftsdaten und Aktienkurs ins Verhältnis gesetzt. Der Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt: Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Cash-Flow-Verhältnis, ... Die Bandbreite ist groß.

Am sichersten fahren Sie, wenn Sie das Kurs-Umsatz-Verhältnis eines Unternehmens betrachten. Denn Jahresabschlüsse werden international unterschiedlich berechnet und Gewinnzahlen können geschönt werden. Der Umsatz hingegen bietet Ihnen einen soliden Anhalt darüber, ob die Aktie eines Unternehmens im Vergleich zum Wettbewerber teuer oder günstig ist.

Je niedriger der Wert des Kurs-Umsatz-Verhältnisses, desto besser. Liegt es zum Beispiel weit über dem Branchendurchschnitt, ist Vorsicht geboten. Hier kann ein Verkauf sinnvoll sein.

Katharina Sachse

Was den perfekten Anleger ausmacht

Das Problem ist nur: Wie der Aktienkurs selbst können auch solche Kennzahlen längere Zeit weit über oder unter einem fairen Wert liegen. Und so bleibt es auch mit der größten Sammlung von Fundamentaldaten schwierig einzuschätzen, in welche Richtung eine Aktie sich entwickelt.

Liegt der aktuelle Kurs zudem noch unter dem Einstandspreis, fällt der Verkauf besonders schwer. Jetzt die Reißleine zu ziehen, hieße ja, sich eine Fehlentscheidung einzugestehen. Also lieber auf ein besseres Ende warten und darauf zu setzen, dass bald die Wende kommt?

Diese unter Anlegern weit verbreitete Hoffnung auf die langersehnte Besserung wird oft enttäuscht.

Die Aktien-Dauerbrenner der letzten 10 Jahre
Branche: MedienLand: ChinaJährlicher Gesamtertrag: 61 Prozent (Jeweils der Gesamtertrag für Aktionäre u. a. aus Kursgewinnen und Dividenden von 2001 bis 2016 und 2006 bis 2016. Unternehmen über zehn Milliarden Dollar Börsenwert)Quelle: BCG
Branche: FinanzenLand: IndienJährlicher Gesamtertrag: 47 Prozent
Branche: FinanzenLand: IndienJährlicher Gesamtertrag: 37 Prozent
Branche: HandelLand: USAJährlicher Gesamtertrag: 42 Prozent
Branche: PharmaLand: ChinaJährlicher Gesamtertrag: 28 Prozent
Branche: KonsumgüterLand: USAJährlicher Gesamtertrag: 22 Prozent

Beispiel Commerzbank: Während der Finanzkrise verlor die Aktie kontinuierlich, vom Höchstkurs innerhalb von fünf Jahren 95 Prozent ihres Wertes. Im Dezember 2012 notierte sie bei rund 11 Euro. Wer als Anleger so lange durchgehalten hatte, der entschied sich wohl kaum jetzt noch für einen Verkauf. Vielleicht kaufte er sogar nach, um seinen Einstiegspreis zu senken. Doch was folgte, waren weitere Verluste. Bis August 2016 halbierte sich der Kurs nochmal und erreichte bei 5,22 Euro sein vorläufiges Allzeittief.

Meine Empfehlung: Blicken Sie auf den Kursverlauf und stemmen Sie sich beim Verkauf Ihrer Aktien niemals gegen einen Abwärtstrend. Es ist meistens günstiger, zu verkaufen, notfalls auch mit Verlust. Setzen Sie danach lieber auf aussichtsreichere Werte, als darauf zu hoffen, dass der Kurs einer tief gefallenen Aktie es irgendwann mal wieder in die Gewinnzone schafft.

Die Aktien-Dauerbrenner der letzten 10 Jahre
Branche: TouristikLand: ThailandJährlicher Gesamtertrag: 57 Prozent(Jeweils der Gesamtertrag für Aktionäre u. a. aus Kursgewinnen und Dividenden von 2001 bis 2016 und 2006 bis 2016. Unternehmen über zehn Milliarden Dollar Börsenwert)Quelle: BCG
Branche: MedienLand: USAJährlicher Gesamtertrag: 42 Prozent
Branche: MedienLand: ChinaJährlicher Gesamtertrag: 41 Prozent
Branche: LuftfahrtLand: USAJährlicher Gesamtertrag: 33 Prozent
Branche: FinanzenLand: USAJährlicher Gesamtertrag: 27 ProzentGehört zu den Empfehlungen der WirtschaftsWoche
Branche: TechnologieLand: USAJährlicher Gesamtertrag: 27 Prozent
Branche: TechnologieLand: ChinaJährlicher Gesamtertrag: 26 Prozent
Branche: FinanzenLand: Vereinigte Arabische EmirateJährlicher Gesamtertrag: 20 Prozent
Branche: KonsumgüterLand: SüdkoreaJährlicher Gesamtertrag: 19 Prozent

Im Idealfall wird die Verkaufsentscheidung nicht in einer Kursschwäche, sondern im laufenden Kursanstieg getroffen. Dann nutze ich folgende Punkte, um mich für oder gegen den Verkauf zu entscheiden:

  • Erreicht die Aktie immer wieder neue Höchstkurse? Nur Aktien, die regelmäßig und über Monate hinweg immer wieder neue Höchststände erreichen, halte ich weiter im Depot.

  • Wie verläuft der Branchentrend? Ein Unternehmen kann noch so gut performen – fallen die meisten Aktienkurse innerhalb einer Branche und über mehrere Quartale hinweg, so sollten Sie sich besser an diesem, globalen Branchentrend orientieren und Ihre Aktie verkaufen und zwar unabhängig von einer günstigen fundamentalen Bewertung.

  • Ist die Bewertung zu hoch? Selbst gut laufende Aktien können irgendwann einfach zu teuer werden. Dann steigt das Risiko von Kursrückschlägen. Deshalb folgt zum Schluss immer der Blick auf einige wenige Kennzahlen. Allen voran das Kurs-Umsatz-Verhältnis. Wenn dieses aus dem Ruder läuft, lohnt es sich, zumindest teilweise auszusteigen und bereits erzielte Gewinne mitzunehmen.

Alle diese Faktoren zu überblicken, dürfte den meisten Privatanlegern als Kunststück erscheinen. Deshalb empfehle ich, es auch wie ein Meister anzugehen: Verschaffen Sie sich Erleichterung. Sie können weder alle Branchen, noch etliche Unternehmen und deren Kennzahlen im Detail überblicken. Glücklicherweise bietet der Markt dafür ausgeklügelte Modelle, die Sie bei Ihrer Aktienbeurteilung unterstützen. Finanzportale im Internet aber auch die Webseiten vieler Banken bieten die Möglichkeit, sich Musterdepots oder Listen anzulegen, mit denen sich die angesprochenen Kennzahlen und Kursdaten ausgewählter Aktien verfolgen lassen.

Ein wenig Hilfe ist also durchaus erlaubt. Die Zeiten, in denen Sie den optimalen Verkaufszeitpunkt ohne technische Unterstützung bestimmen mussten, sind glücklicherweise vorbei.

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