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Interview Thomas Grüner „Ein Dax über 10.000 ist wahrscheinlich“

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"Rendite-Risiko-Verhältnis und Dividende sprechen für Aktien"

Was den Deutschen Angst macht
Platz 19: Zerbrechen der PartnerschaftAuf dem letzten Platz des Rankings landet die Sorge vor einem Zerbrechen der Beziehung, und das trotz unvermindert hoher Scheidungsquoten in Deutschland. Mit 20 Prozent der Bundesbürger, die sich hiervor fürchten, hat diese Angst aber im Vergleich zu 2012 zugenommen: Im letzten Jahr waren es vier Prozentpunkte weniger. Etwas mehr Männer (21 Prozent) als Frauen (20 Prozent) haben Angst davor, den Partner zu verlieren. Quelle: dpa
Platz 18: StraftatenVor Gewalt und Unrecht fürchten sich 24 Prozent der Deutschen. Die Angst vor Straftaten hat im Vergleich zu 2012 um zwei Prozentpunkte zugenommen. Quelle: dpa
Platz 17: Vereinsamung im AlterDie Herausforderungen einer alternden Gesellschaft bereiten den Deutschen Kopfzerbrechen. Viele haben Angst davor, im Alter zu vereinsamen. 31 Prozent der Befragten äußerten diese Sorge - zwei Prozentpunkte mehr, als 2012. Männer gaben diese Angst mit 29 Prozent etwas seltener an als Frauen (33 Prozent). Quelle: dpa
Platz 16: Krieg mit deutscher BeteiligungDie Sorge vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung rutscht mit 32 Prozent in den untersten Bereich der Ängste-Skala. Gegenüber dem Vorjahr nahm diese Sorge aber um drei Prozentpunkte zu. Quelle: dpa
Platz 15: Drogensucht der eigenen Kinder35 Prozent der Deutschen fürchten sich davor, dass ihre Kinder drogenabhängig werden könnten. Diese Angst hat im Vorjahresvergleich mit einem Prozentpunkt leicht zugenommen. Frauen (37 Prozent) sorgen sich hier mehr als Männer (33 Prozent) um das Wohlergehen des Nachwuchses. Quelle: dpa
Platz 13/14: ArbeitslosigkeitDas Schreckensgespenst Arbeitslosigkeit hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugelegt. Mit 36 Prozent der Deutschen ist die Furcht vor der eigenen Arbeitslosigkeit um vier Prozentpunkte gestiegen. Noch 2012 war diese Sorge gegenüber 2011 um vier Prozentpunkte zurückgegangen und damit auf den niedrigsten Wert der Studie gesunken – nur 1994 war die Sorge schon einmal so gering. Die Angst vor Arbeitslosigkeit in Deutschland allgemein landet auf dem 13. Platz und kommt auf 39 Prozent - unverändert gegenüber 2012. Quelle: dpa
Platz 12: Sinkender Lebensstandard im AlterZum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig - viele Deutsche haben Angst davor, später einmal finanziell unter Druck zu geraten. 40 Prozent der Bundesbürger - genauso viele wie im vorigen Jahr - fürchten sich vor einem sinkenden Lebensstandard im Alter. Quelle: dpa

 Aber in China beispielsweise zeigt sich doch bereits, dass die Wirtschaft an Fahrt verliert.

Sicherlich hat China Probleme, gerade auch in Sachen Menschenrechte. Aber dennoch haben wir in den vergangenen Jahrzehnten woanders auf der Welt enorme Fortschritte gemacht, die so aber nicht wahrgenommen werden. Als ich bei der Bundeswehr war, befanden wir uns noch in den letzten Zügen des Kalten Krieges und haben an Übungen teilgenommen, wie man West-Berlin gegen die Russen verteidigt – heute ist Deutschland wiedervereinigt. Auch in Nordafrika tut sich einiges. Aber Demokratisierungsprozesse wie etwa in Libyen und Syrien dauern eben Jahrzehnte und werden erhebliche Verwerfungen in den dortigen Gesellschaften mit sich bringen.

Wie wollen Sie Anlegern aber die Angst vor dem Aktienmarkt nehmen?

Indem ich mit dem Rendite-Risiko-Verhältnis argumentiere. Aktien haben auf lange Sicht immer das beste Rendite-Risiko-Verhältnis gehabt. Je länger der Zeitraum, desto größer auch der Vorteil der Aktie gegenüber anderen Anlageklassen. Ein weiterer Vorteil von Aktien ist der, dass Anleger damit sehr liquide und flexibel sind. Es ist rechtlich und organisatorisch schwieriger, sich an der lokalen Bäckerei zu beteiligen als über die Börse an einem Großkonzern wie IBM. Letzteres ist doch wie im Schlaraffenland.
Außerdem darf man das Thema Dividende nicht außer Acht lassen. Vor kurzem habe ich eine Aufstellung gesehen, wonach nahezu jeder Dax-Titel eine Dividendenrendite aufwies, die höher lag als die Rendite einer zehnjährigen Staatsanleihe. Früher waren solche Titel die absolute Ausnahme, aktuell sind sie die Regel. Aktien weisen zudem im Vergleich mit Anleihen ein absurd niedriges KGV, sprich eine extrem niedrige Bewertung auf. Im Dax liegt das KGV im Durchschnitt zwischen 9 und 11, je nachdem welche Gewinnschätzungen man heranzieht, bei einer zehnjährigen Staatsanleihe von 1,60 Prozent liegt das KGV dagegen bei 60. Mit guten Dividendentiteln verdiene ich allein durch die Ausschüttungen über den Zeitraum von zehn Jahren das Doppelte einer Staatsanleihe oder mehr. Dabei ist noch nicht einmal die mögliche Kursperformance der Aktie berücksichtigt.

 

Möglicherweise warten viele Anleger, die generell am Aktienmarkt interessiert sind, vor einer Investition eine Entspannung in Sachen Eurokrise ab.

Man darf nicht vergessen: An der Börse eine sichere Entscheidung abzuwarten, heißt, einige Prozente Rendite herzuschenken. Das weiß man zwar immer erst im Nachhinein. Fakt ist, dass alle, die zum Beispiel auf das Urteil des Verfassungsgerichts gewartet haben, die Performance der vorangegangenen Wochen verpasst haben.

 

Aber was entgegnen Sie denjenigen, die die Volatilität des Aktienmarktes scheuen?

Die Schwankungsbreite war schon in den Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahren hoch. In den Jahren 2010, 2011 und 2012 haben wir sogar eine eher unterdurchschnittliche Volatilität gesehen. Im Zuge der Krise wurde das nur anders wahrgenommen. Die „gefühlte Volatilität“ ist heute wesentlich höher als die tatsächliche.

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