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Kartellverdacht gegen Autoindustrie Großer Fondsanbieter verbannt deutsche Auto-Aktien

Die Vermögensverwaltung der Erste Bank Group schließt deutsche Autohersteller nach Diesel-Skandal und Kartellverdacht aus dem Anlageuniversum aus.

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Die Erste Bank Group in Vienna, Österreich. Quelle: REUTERS

Immer mehr Anleger wünschen sich nachhaltige Geldanlagen, also beispielsweise Aktien von Unternehmen, die umwelt- und sozialverträglich wirtschaften. Nachhaltig investierende Fonds sind daher seit Jahren zunehmend gefragt. Das weiß auch die Erste Asset Management (Erste AM), die Vermögensverwaltungstochter der österreichischen Erste Bank Group – und hat deshalb ganz offiziell deutsche Autohersteller von ihren Investmenttätigkeiten ausgeschlossen.

Wie Erste AM am Donnerstag mitteilte, schließt sie nun auch die bislang als nachhaltig eingestuften Autobauer BMW und Daimler aus ihrem Anlageuniversum nachhaltiger Unternehmen aus. Die Entscheidung hat Signalwirkung, schließlich verwaltet Erste AM ein Vermögen von 58,7 Milliarden Euro.

Ausschlaggebend für die Entscheidung war der Vorwurf, die deutsche Autoindustrie haben zum Schaden der Verbraucher ein geheimes Kartell gebildet und Preisabsprachen getroffen, sowie sich über Abgasreinigung und Manipulationssoftware abgestimmt haben. Die von den Vorwürfen ebenfalls betroffenen Hersteller VW, Audi und Porsche hatte Erste AM bereits im Zuge der Diesel-Abgasaffäre von weiteren Investitionen ausgeschlossen.

Walter Hatak, Research Analyst im Nachhaltigkeitsteam der Erste AM, begründet die Entscheidung mit dem Schaden für Umwelt und Verbraucher: „Als Vorreiter und Marktführer trägt die deutsche Automobilindustrie eine besondere Verantwortung. Doch statt freiem Wettbewerb um die Entwicklung des saubersten und effizientesten Autos hat es den Anschein, dass im Hinterzimmer versucht wurde, genau dies zu unterbinden.“

Das Erste AM in naher Zukunft die deutschen Autobauer wieder in die Anlageauswahl aufnehmen könnte, ist nicht zu erwarten. Das kostenlose Software-Update für Dieselfahrzeuge, das auf dem sogenannten Diesel-Gipfel beschlossen wurde, hält Hatak nicht für eine hinreichende Lösung. Er forderte vielmehr angemessene Konsequenzen auch seitens der Politik. „Die Abwesenheit von Angela Merkel beim Dieselgipfel in Berlin demonstriert fehlenden politischen Lösungswillen. Auch muss die lasche Aufsicht durch das Kraftfahrt-Bundesamt verbessert werden“, argumentiert Hatak.

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