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Long Fin profitiert vom Bitcoin-Hype Neue Cyber-Aktie steigt um 2300 Prozent

Seit der Notierung an der Technologiebörse Nasdaq hat die Aktie des US-Börsenneulings Longfin über 2300 Prozent zugelegt. Quelle: REUTERS

Der Hype um Kryptowährungen wie Bitcoin treibt auch am Aktienmarkt wilde Blüten. Jüngstes Beispiel: Der Börsengang des singapurischen Unternehmens Long Fin in New York.

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Als Venkat Meenavalli, der indische Chef des Fintech-Unternehmens Long Fin, vergangene Woche Mittwoch in New York die Urkunde zur Notierung an der Technologiebörse Nasdaq unterschrieb, sagte er ganz amerikanisch: „In God we trust.“ Im Hintergrund blinkte die Preistafel mit dem ersten Kurs seines Unternehmens an der Börse. 21 Prozent plus zeigte sie, vom Ausgabekurs von fünf Dollar war der Preis für eine Aktie bis auf 6,05 Dollar gestiegen. Doch dieser Zuwachs nimmt sich geradezu lächerlich aus im Vergleich zu der Rally, die anschließend folgte.

Die zehn größten Kryptowährungen
Platz 10 nach Marktkapitalisierung: MoneroQuelle: Coinmarketcap Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Platz 9 nach Marktkapitalisierung: IOTAQuelle: Coinmarketcap Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Platz 8 nach Marktkapitalisierung: Ethereum ClassicWie beim Bitcoin teilte sich auch Ethereum bereits in zwei verschiedene Varianten. Beide konnten in diesem Jahr satt zulegen. Classic mit 2169 Prozent jedoch deutlich weniger als der große Bruder Ethereum. Quelle: Coinmarketcap Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Platz 7 nach Marktkapitalisierung: DashQuelle: Coinmarketcap Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Platz 6 nach Marktkapitalisierung: LitecoinQuelle: Coinmarketcap Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Platz 5 nach Marktkapitalisierung: Bitcoin Gold Der Coin hat sich erst vor wenigen Wochen vom Bitcoin abgespalten. Er verlor seitdem jedoch an Wert. Quelle: Coinmarketcap Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Platz 4 nach Marktkapitalisierung: RippleQuelle: Coinmarketcap Stand: 28. November 2018, 14 Uhr

Am Montag, also genau fünf Tage nachdem die Aktie das erste Mal gehandelt wurde, kostete das Papier in der Spitze schon sagenhafte 143 Dollar. Wer zum ersten Kurs gekauft hatte, steigerte seinen Einsatz um 2261 Prozent. Das Unternehmen („Slogan: Berechne das Unberechenbare“) bietet allerlei Finanzdienstleistungen an, zum Beispiel eine Software, mit der sich Anlagerisiken berechnen lassen. 40 Millionen Dollar Umsatz sprangen so im vergangenen Jahr heraus und immerhin sieben Millionen Dollar Nettogewinn. Das ist für ein Unternehmen, das an der Nasdaq gelistet ist, nicht besonders beeindruckend. Trotzdem kostete Long Fin zu einem Kurs von 143 Dollar je Aktie satte sieben Milliarden Dollar oder den tausendfachen Gewinn. Das ist etwa so viel wie die Saturn-Mutter Metro. Die allerdings schaffte zuletzt nicht sieben, sondern fast 400 Millionen Dollar Nettogewinn.

Wie also lässt sich der horrende Ansturm auf die Long Fin-Aktie erklären? Zum einen durch das relativ knappe Angebot. Nur eine Million Aktien gingen zum Börsengang in den Handel; insgesamt liegt die Aktienanzahl nach Angaben der Finanznachrichtenagentur Bloomberg aber bei 54 Millionen. Es reichen also relativ kleine Einsätze, um den Kurs zu treiben und die Börsenbewertung riesig erscheinen zu lassen. Dass sich das ganze Unternehmen, also alle Aktien, zu solchen Spitzenkursen verkaufen lässt, darf man getrost bezweifeln. So relativiert sich die Fabelzahl etwas.

Der andere Grund für den Hype um Long Fin dürfte eine Übernahme sein. Am Freitag gab das Fintech-Unternehmen den Kauf von Ziddu bekannt. Die Akquisition beschreibt sich als „Blockchain-Forschungs-Firma“, die Mikrokredite in Kryptowährungen vertreiben will. Und „Kryptowährung“ und „Blockchain“ sind Themen, auf die Investoren aktuell anspringen, auch wenn die Geschäftsmodelle noch nicht erprobt oder nicht einmal entwickelt sind. Es erinnert an die Zeit um die Jahrtausendwende, als ein „.com“ im Namen reichte, um am Aktienmarkt astronomische Bewertungen zu bekommen. Das Ende ist bekannt.

4000 Prozent Plus an der Börse Düsseldorf

Das aktuelle Kryptowährungs-Phänomen lässt sich, wenn auch in viel kleinerem Maßstab, auch in Deutschland beobachten. Ein Beispiel ist die Advanced Blockchain AG mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen firmierte bis November als Braincloud AG. Dann benannte es sich um (Zauberwort: Blockchain) und kündigte großspurig an, die Blockchain-Technologie nun massentauglich zu machen und als eine Art Unternehmensberatung mit Blockchain-Fokus an den Start zu gehen. Prompt stieg die an der Börse Düsseldorf notierte Aktie, von der ebenfalls kaum Stücke im Streubesitz sind, binnen kurzer Zeit um über 4000 Prozent.

Solche Kurssteigerungen locken Spekulanten an, die ebenfalls vom Hype profitieren wollen. Doch das ist gefährlich. Denn die Unternehmen mit den hippen Namen, Long Fin wie Advanced Blockchain, sind erschreckend intransparent. Wer aktuell wie viele Aktien hält oder wie viele Stücke insgesamt ausstehen, bekommen Anleger, wenn überhaupt, nur mit größter Mühe heraus. Dabei wäre Transparenz gerade bei solchen Jung-Unternehmen eminent wichtig. Immerhin könnte der Aktienkurs-Hype leicht künstlich erzeugt werden, um Anleger anzulocken, an die Altaktionäre dann ihre überteuerten Anteile mit schönem Gewinn verkaufen. Lösen sich die wolkigen Versprechungen in Luft auf, bleiben die auf wertlosen Papieren sitzen – wie zum Ende des Neuen Markts.

Und auch, wenn die Blockchain-Blase an der Börse bisher noch nicht geplatzt ist, müssen Anleger mit mächtigen Schwankungen leben. Die Aktie der Advanced Blockchain AG etwa hat seit dem Höchstkurs gut die Hälfte an Wert verloren. US-Überflieger Long Fin büßte vom montäglichen Rekordkurs binnen zwei Stunden 70 Prozent ein, um am Dienstag wieder 230 Prozent im Plus zu stehen. Mit seriösem Investieren, so viel jedenfalls lässt sich sagen, hat all das nichts zu tun.

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