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Max Otte "Man darf Anlage-Gurus nicht unkritisch folgen"

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"Wir haben die Aktien quasi geschenkt bekommen."

Um europäische Finanztitel machen noch immer viele Anleger einen Bogen – anders als in den USA, wo die großen Häuser neue Rekorde einfahren. Glauben Sie, die europäische Finanzbranche holt das irgendwann nach?
Eigentlich müssen die Banken sich mal erholen, aber ich sehe noch nicht, wann. Anders als in den USA haben wir in Europa die Bankenszene nicht so konsequent umorganisiert. Und wir haben in Südeuropa noch einiges, was leidend ist. Die spanische Banco Popular ist weg, Monte dei Paschi ist entgegen der EU-Richtlinien vom italienischen Staat gerettet worden. In Europa steigen die Renditen im Bankensektor etwas, aber da steht uns noch viel bevor. Wir haben das Risiko über einen Korb von Bankaktien gestreut. Dazu gehört auch die Royal Bank of Scotland, die seit der Finanzkrise ihre Erlöse von 60 auf 12 Milliarden Pfund gefünftelt hat. Inzwischen haben die Schotten anscheinend den Transformationsprozess geschafft und in den letzten drei Quartalen wieder positive Zahlen geschrieben. Das könnte einigen anderen Banken in Europa auch noch gelingen.

Was hat bei Ihrer Aktienauswahl als Value Investor Vorrang: Langfristige Gewinnperspektiven oder eine besonders niedrige Bewertung?
Wir machen beides: Warren Buffett und Benjamin Graham. Die großen Tech-Aktien wie Alphabet, Amazon und Apple sind nicht ganz billig aber noch nicht überteuert und haben aber eine gute Wachstumsperspektive. Das ist der Buffett-Ansatz. Der europäische Bankensektor kommt eher für den Anlagestil von Graham infrage: Saubillig einsammeln und dann auf eine Erholung hoffen.

Bei welcher Aktie hat dieser Ansatz denn am besten funktioniert?
Sehr zufrieden sind wir mit unseren Fiat-Chrysler-Aktien. Die waren vor drei, vier Jahren, als wir sie gekauft haben, mit einem Kurs zwischen vier und fünf Euro extrem billig. Damals habe ich immer gesagt, Fiat Chrysler klinge nicht gerade sexy. Aber wenn man dazu Ferrari, Lamborghini und Jeep sagt, klingt es schon viel besser. Wir haben unseren Einstand schon alleine dadurch hereingeholt, dass Ferrari an die Börse ging. Wir haben die Aktien quasi geschenkt bekommen und stehen damit 300 Prozent im Plus. Und dank guten Managements ist die Aktie noch nicht am Ende der Fahnenstange..

Wo Kapitalmarktexperten 2018 den Dax und die Wirtschaft sehen
Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin HelabaPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,4 Prozent Deutsche Wirtschaft +2,0 Prozent Dax 10.500 bis 13.500 Goldpreis 1.400 US-Dollar je Unze Quelle: dpa
Ulrich Stefan, Chef-Anlagestratege Deutsche BankPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,8 Prozent Deutsche Wirtschaft +1,8 Prozent Dax 14.100 Quelle: dpa
Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt DZ BankPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,8 Prozent Deutsche Wirtschaft +2,2 Prozent Dax 14.000 Quelle: Presse
Ulrich Kater, Chefvolkswirt Deka-BankPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,7 Prozent Deutsche Wirtschaft 2,2 Prozent Quelle: dpa
Uwe Burkert, Chefvolkswirt LBBWPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,6 Prozent Deutschland +2,3 Prozent Dax 13.700 Quelle: dpa
Erik F. Nielsen, Chefökonom UniCreditPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,9 Prozent Wirtschaft der Eurozone +2,3 Prozent Quelle: Presse
Stefan Krenzkamp, Chef-Anlagestratege Deutsche Asset ManagementPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,7 Prozent Wirtschaft der Europäischen Union +2,0 Prozent Dax 14.100 Quelle: Presse

Dieselskandal, drohende Fahrverbote und Tesla-Hype setzen die Autobauerunter Druck. Wie sehen Sie die Automobilbranche insgesamt?
Wenn Sie die BMW-Vorzüge nehmen, - mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von sieben und einer Dividendenrendite bei 4,5 Prozent, guter Eigentümerfamilie und gutem Management - ist da zwar Unsicherheit drin, aber der Preis stimmt. Unsicherheit ist auch eine Chance: BMW hat jetzteine Erhöhung des Forschungsetats angekündigt. Bei der Elektromobilität müssen deutsche Hersteller was tun.

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    Und der Imageschaden bei Dieselautos?
    Wir wissen nur, dass die Substanz bei den deutschen Autobauern da ist, dass wir die Aktien für einen relativ günstigen Preis bekommen, und dass wir fürs Warten bezahlt werden. Aber es wäre vermessen, zu sagen, in fünf Jahren sieht der Markt so oder so aus.

    Was erwarten Sie von 2018 insgesamt?
    Das Risiko einer großen geopolitischen Krise ist immer noch signifikant. Wenn die eskaliert, müssen wir uns um die Börse nicht mehr viele Gedanken machen. Aber als Fondsmanager bin ich für die nächsten zwei Jahre optimistisch. Wir werden weiter Niedrigzinsen haben; die Welt kommt da nicht raus. Viele Aktien sind noch nicht zu teuer – abgesehen von den recht teuren US-Aktien, die sehe ich kritischer. Für mich gibt es aber noch eine Menge Segmente und viele Märkte, in die man noch gut investieren kann. Wir sind also optimistisch und sehen weiter freie Fahrt für Aktien.

    So zuversichtlich sind nicht alle, immer mehr Analysten raten zur Vorsicht. Es scheint, als warteten die Börsenprofis nur darauf, dass es kippt. Wie akut ist diese Gefahr?
    Ich warte nicht darauf, weil ich nicht weiß, wann es kippt. Aber ich bereite mich darauf vor. Wir sind im Jahr neun einer ausgedehnten Hausse, das ist ungewöhnlich lang. Ich bin mir ziemlich sicher, – übrigens ähnlich wie die bekannten Vermögensverwalter Jeremy Grantham oder Howard Marks, die jeweils knapp 200 Milliarden Dollar managen – dass US-Aktien über die nächsten zehn Jahre eher fallen werden. Wenn ich jetzt einen US-Aktienkorb kaufen würde, würde das schlecht ausgehen. Deswegen investieren wir in den USA nur selektiv, etwa in die erwähnten Tech-Werte wie Alphabet oder Apple. Oder in den Handel. Die Aktien der Einzelhandelsunternehmen sind an der Börse völlig abgesoffen. Wir finden genug Nischen.

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