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Verkehrte (Finanz)welt

Keine Angst vorm Robo-Advisor

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Die neuen Riesen?

Aber werden aus der jetzigen Klasse von Wettbewerbern die nächsten Fidelitys und BlackRocks der Welt? Ein Blick hinter den Kulissen zeigt, dass es die wenigsten schaffen werden. Im Schnitt bekommen Robo-Advisors 0,75 Prozent der angelegten Gelder als Umsatz. Dazu kommen für den Anleger noch 0,25 Prozent Kosten für ETF-Drittanbieter. Für den Robo-Advisor bleiben nach Depotbank Gebühren etwa 0,50 Prozent hängen. Das heißt, für jede 100 Million Euro angelegter Gelder macht der Robo-Advisor 0,5 Millionen Euro Umsatz. Der Aufbau einer solchen Firma bringt jedoch bestimmte Minimalkosten mit sich, etwa für Programmierer und Vertriebsleute. Einer der führenden deutschen Robo-Advisor listet knapp unter 50 Mitarbeiter auf seiner Webseite. Der ‚Break Even‘, um die Kosten zu decken, dürfte also bei etwa 4 bis 5 Millionen Euro liegen. Der vorgenannten Kalkulation nach entspricht das gut 800 Millionen Euro verwaltetem Vermögen – doppelt so viel, wie in diesem Jahr im gesamten deutschen Robo-Advice Markt steckt.

Wie groß ist also der potenzielle Markt in Deutschland? Laut Statista werden Robo-Advisors im Jahr 2021 1.5 Milliarden Euro verwalten. Selbst wenn nur ein Robo-Advisor im Land aktiv wäre, würde dieser nur 8 Millionen Euro Umsatz machen beziehungsweise, bei einer Marge von 50%, 4 Millionen Euro Gewinn. Kurz gesagt heißt das: Entweder Experten unterschätzen den potenziellen Markt in Deutschland dramatisch oder Investoren, die auf den Sektor gesetzt haben, werden enttäuscht sein. In USA hat es der Platzhirsch Betterment in acht Jahren auf über 7 Milliarden US-Dollar gebracht und die Nummer Zwei, Wealthfront, auf über 5 Milliarden US-Dollar, allerdings ist der US-Markt auch um ein Vielfaches größer als der deutsche.

Robo-Advisor in Deutschland: AuM pro Nutzer

Erfolgsmodell Integration

Es gibt aber  auch ein anderes Szenario: Was den Robo-Advisors bis jetzt fehlt ist Vertriebskraft. Diese bieten etablierte Banken, Asset Manager und Vermögensverwalter. Im Gegenzug würde der Robo-Advisor dem Partner effizientere Prozesse sowie Zugang zu neuen Kundengruppen bieten. Mehrere Signale deuten darauf hin, dass es daher statt Verdrängungskampf eher in Richtung Kooperation gehen wird. Nachdem BlackRock  im Jahre 2015 in den USA FutureAdvisor  gekauft hat, hat die Firma in Europa 2017 auch in Scalable Capital investiert. Schon heute sind die größten Robo-Advisor in die Giganten der Branche integriert worden – Vanguard und Schwab Intelligent Portfolios. Ob als selbständige Firmen oder ergänzende Tools von Firmen, die alle schon kennen, Anleger werden sicherlich in den nächsten Jahren mehr Robo-Advisors sehen.

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