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Verkehrte (Finanz)Welt
Im Fokus internationaler Finanzinvestoren: Zielscheibe deutscher Mittelstand Quelle: imago images

Private Equity: Gute Renditechancen, jetzt auch für Privatanleger

Noch vor wenigen Jahren hatte der Mittelstand große Vorbehalte gegenüber Private Equity-Investoren. Heute richtet sich der Blick eher auf Chancen bei deren Einstieg ins Unternehmen. Können auch Privatanleger profitieren?

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Der deutsche Mittelstand hat aus Sicht von Finanzinvestoren in den vergangenen Jahren zunehmend an Attraktivität gewonnen. Der oftmals als etwas altbacken konnotierte „Konservatismus“ deutscher KMU wird nämlich durchaus geschätzt – wirkt er doch im aktuellen Marktumfeld der Coronakrise stabilisierend.

Trotz der Pandemie tätigten Beteiligungsgesellschaften im letzten Jahr über 1.050 Investitionen in deutsche Unternehmen. Dies entspricht einem Rückgang von lediglich sieben Prozent im Vergleich zum Rekordjahr 2019. Insgesamt haben Transaktionen im deutschen Mittelstand die Engagements der Finanzinvestoren in Gesamthöhe von 12,6. Milliarden Euro erheblich gestützt, auch wenn das Volumen der Projekte im Vergleich zum herausragenden Vorjahr sank. Hauptgrund: In Krisenzeiten werden Mega-Deals meist seltener, die Unsicherheit schlägt sich schnell und unmittelbar auf den Kapitalmarkt durch.

Mit der Aussicht auf eine konjunkturelle Erholung und Ende der pandemischen Phase von Covid-19 stellt sich nun die Frage: Werden Finanzinvestoren die Gunst der Stunde nutzen, um – teils mittels milliardenschwerer Fonds – verstärkt mittelständische Unternehmen innerhalb der DACH-Region zu erwerben?

Interessenlage und Investitionsmotive

Werfen wir einen Blick auf die Interessenlage der Hauptakteure – KMU auf der einen und Beteiligungsgesellschaften auf der anderen Seite – so wird schnell klar, dass die Erwartungshaltungen der Parteien sehr unterschiedlich sein können. Damit verbundene Herausforderungen waren während des pandemiebedingt schwierigen Jahres 2020 deutlich erkennbar: In nicht wenigen Fällen kam es zu Problemen bei Unternehmensverkäufen. Zu hohe Kaufpreisvorstellungen der Unternehmer oder nicht einhaltbare Planzahlen sorgten für schwierige Verhandlungen und längere M&A-Prozesse.

Zwar sind die Investitionsmotive der Finanzinvestoren breit gefächert: Vor allem suchen sie jedoch Beteiligungen im deutschen Mittelstand, von denen sie sich mehr Krisensicherheit im Vergleich zu Investitionen in Großkonzerne versprechen. Mittelständische Unternehmen und Familienbetriebe sind bei Marktkorrekturen zuweilen etwas weniger anfällig, da sie oftmals mit weniger Verschuldung arbeiten und aufgrund der Gesellschafterstruktur agiler reagieren können.

Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit deutscher KMU

Was sich mittelständische Betriebe, neben frischem Kapital, von einer Beteiligung versprechen, kann ebenfalls sehr unterschiedlich sein. Im Moment kristallisieren sich (dies ist aber keinesfalls erschöpfend) drei Hauptfelder heraus: Internationalisierung, Digitalisierung und Überwindung der Coronakrise. Die deutsche Wirtschaft ist geprägt vom Mittelstand mit einem hohen Exportanteil. Viele KMU äußern sich in Bezug auf den wachsenden internationalen Wettbewerb jedoch zunehmend besorgt: Der Binnenmarkt begrenzt das Wachstum und damit die Unternehmensgröße sowie Möglichkeiten der Entwicklung. Ohne eine Erschließung weiterer internationaler Märkte droht eine Verdrängung im Zuge der Konkurrenzsituation und voranschreitenden Globalisierung.

Zweitens muss sich auch der deutsche Mittelstand erheblich mit der Digitalisierung einzelner Unternehmensbereiche und Prozesse oder gar Anpassungen ganzer Geschäftsmodelle beschäftigen. Hier gibt es vielerorts noch Defizite. Ziel sollte sein, dass Finanzinvestoren entsprechende Expertise einbringen, um die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstandes langfristig zu sichern.

Und letztlich unterstützt das von Investoren zur Verfügung gestellte Kapital viele KMU derzeit dabei, die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zu überstehen – inklusive Insolvenzabwehr. Langfristig wäre erwartbar, dass sich Unternehmen mit Rückendeckung von Finanzinvestoren (und damit zusätzlichem Branchen-Know-how) nicht nur krisenresistenter, sondern auch als Wachstumsmotor präsentieren.

Fassen wir also zusammen: Ideal ist eine Win-Win-Konstellation, in welcher sich dem deutschen Mittelstand über die Integration in ein Netzwerk neue Chancen erschließen und er Potenziale ausschöpfen kann. Der Finanzinvestor ist dabei keineswegs ein neuer „Alleinherrscher“, sondern ein intelligenter Sparringpartner und Ideengeber. Tatsächlich lassen sich zahlreiche, erfolgreiche Beispiele aufführen (etwa BID Equity, Deutsche Private Equity sowie EOS Capital Partners), bei denen Investoren mittelständische Unternehmen einer Branche zusammenzuführten und zu internationalen Schwergewichten formten. Nach einer üblichen Halteperiode von circa fünf bis acht Jahren sind viele KMU mit solchen Beteiligungsmodellen wettbewerbsfähiger aufgestellt.

Ausblick: Nicht nur ein Thema für Institutionelle

Dass das Thema im Jahr 2021 längst nicht mehr ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten ist, legen Zahlen zur Öffnung des Marktes für Privatanleger nahe. So wurden die Eintrittsbarrieren, um am Wachstum und Erfolg kleiner und mittlerer Unternehmen zu partizipieren, in den letzten Jahren deutlich gesenkt. Damit einher gehen niedrigere Mindestanlagesummen und eine heterogenere Anbieterlandschaft. Zu den Vehikeln zählen neben neueren Finanzierungsplattformen auch außerbörsliche PE- und VC-Beteiligungen mit Tickets unter 100.000 Euro sowie Small- und Mid Cap-Publikumsfonds, die als aktiv gemanagte Variante angeboten werden oder sogar als ETF Nebenwerte-Indizes abbilden.



Je nach Risikoneigung lohnt es sich (eher zur Streuung des Portfolios) für Privatanleger, diese wirtschaftlichen Entwicklungen und ehemals „verschlossenen“ Anlagemöglichkeiten zumindest auf dem Schirm zu haben.

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