Zinsvergleich: Das garantiert beste Tagesgeld
In den vergangenen Monaten ging es zu wie auf dem Jahrmarkt: Zwei Prozent, drei Prozent, vier Prozent – wer bietet mehr? Filialbanken, Onlinebanken und sogar Neobroker buhlten mit immer besseren Konditionen für das Tagesgeld um neue Kunden.
Nach einer jahrelangen Niedrig- und Nullzinsphase gab es endlich wieder Zinsen und viele Sparer waren nur allzu wechselwillig angesichts den Superkonditionen der Lockangebote. Denn Bestandskunden gingen leer aus oder wurden oft mit deutlich schlechteren Konditionen abgespeist.
Und garantierte Zinsen gab es für sie schon mal gar nicht. „Zinsgarantien gibt es bei Tagesgeldern in der Regel nur für Neukunden und für einen begrenzten Zeitraum“, betont Manuel Mauch, Berater in der Abteilung Altersvorsorge, Banken und Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Danach sinkt der Zins normalerweise deutlich und kann sich auch zukünftig jederzeit ändern.
Die Sparzinsen sinken wieder
Und das ist auch zu befürchten, denn das Zinsumfeld dreht langsam. Der Kampf der Notenbanken gegen die Inflation zeigt Wirkung, weitere Zinsanhebungen gab es zuletzt nicht mehr. Im Gegenteil. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Juni einen ersten Zinsschritt nach unten gemacht. Sparer bekommen bereits seit einiger Zeit zu spüren, dass der Wind sich dreht – die Zinsen für Spareinlagen sinken bereits langsam wieder. Gut, wenn die Zinsen für das Tagesgeld wenigstens noch für einige Monate garantiert sind.
Doch wer bietet aktuell die besten Konditionen für Sparer? Neben dem Zinssatz und der Zinsgarantie ist vielen Sparern dabei die Sicherheit des Ersparten wichtig. Die FMH-Finanzberatung hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die besten Anbieter mit der gesetzlichen Einlagensicherung und mit der erweiterten deutschen Einlagensicherung gekürt.
Verbraucherschützer wie Manuell Mauch empfehlen übrigens, Banken zu wählen, die der gesetzlichen deutschen Einlagensicherung unterliegen. „Dabei sollte auch die Höhe der Einlagensicherung beachtet werden, die bei 100.000 Euro je Bank und Sparer liegt“, sagt er.
Die höchsten Zinsen mit der längsten Zinsgarantie
Die besten Tagesgeld-Angebote liefern hier Santander, Volkswagen Financial Services, 1822direkt und IKB Deutsche Industriebank. Bei Santander gibt es aktuell 3,5 Prozent Zinsen pro Jahr. Auf den Plätzen folgen Volkswagen Financial Services mit 3,4 Prozent und 1822direkt mit 3,6 Prozent. Dieser Zinssätze sind jeweils für sechs Monate garantiert. Mit 3,8 Prozent bietet die IKB zwar den höheren Zinssatz, er ist allerdings nur für drei Monate garantiert.
Da Banken die Zinsen ihrer täglich verfügbaren Sparkonten in der Regel immer wieder anpassen, lohnt es sich im Zweifel auch, ein Tagesgeldkonto mit einem etwas niedrigeren Zinssatz zu wählen, wenn dieser über einen längeren Zeitraum garantiert ist.
Vier Anbieter mit gesetzlicher Einlagensicherung bekommen ein „sehr gut“. Bei der Wüstenrot Bausparkasse gibt es 3,75 Prozent pro Jahr garantiert für zwölf Monate. Die Suresse Direkt Bank bietet 3,6 Prozentgarantiert für sechs Monate. Die Zinsgarantie bei der TF Bank und bei der Stellantis Direktbank gilt für jeweils drei Monaten bei 3,75 beziehungsweise 3,7 Prozent.
„Überraschenderweise bieten viele Anbieter mit der deutschen Einlagensicherung oft eine Zinsgarantie für einige Monate an – zwar mit einem etwas geringeren Zinssatz als bei der gesetzlichen Einlagensicherung“, sagt FMH-Expertin Ania Scholz-Orfanidis. „Wir haben die Zinsgarantie relativ hoch bewertet, da dies in den nächsten Monaten vorteilhaft sein könnte, falls die EZB ernsthaft weitere Zinssenkungen in Betracht zieht.“ Das ist natürlich noch nicht sicher, aber doch relativ wahrscheinlich. Wer von weiteren Zinssenkungen überzeugt ist, kann sich den aktuellen Zins dank Garantie für einige weitere Monate sichern.
Hohe Zinsen nur mit Girokonto oder Depot
Teilweise bekommt man die Zinsgarantien auch nur in Kombination mit anderen Produkten der jeweiligen Bank, für die Kosten anfallen können. „Berücksichtigt man diese Kosten, kann es sein, dass überhaupt kein Zinsvorteil verbleibt“, so Verbraucherschützer Mauch. Natürlich kann man diese temporären Zinsgarantien für sich nutzen und nach deren Ablauf zu einer anderen Bank wechseln. „Einige Top-Anbieter schneiden weniger gut ab, da sie die Eröffnung eines Girokontos oder Wertpapierdepots verlangen – etwas, das viele Kunden nicht wünschen, wenn sie lediglich von einem attraktiven Tagesgeldzins profitieren wollen“, bestätigt auch Scholz-Orfanidis. Auch weil mehr als zwei Girokonten den Schufa-Score verschlechtern können. Mit Blick auf die Einlagensicherung ist die FMH-Expertin weniger streng, denn: „Bei einem Tagesgeldkonto ist die Einlagensicherung weniger entscheidend, da man jederzeit über sein Geld verfügen kann, falls Sicherheitsbedenken bestehen.“
Aber wer braucht überhaupt ein Tagesgeld-Konto? „Tagesgeld ist immer sinnvoll für Rücklagen, die man für unvorhergesehene Ausgaben jederzeit verfügbar haben möchte“, sagt Verbraucherschützer Mauch. Der klassische Notgroschen gehört also unbedingt auf ein Tagesgeldkonto. „Die Erzielung von Zinserträgen steht hierbei nicht an erster Stelle, sondern, dass das Geld sicher angelegt ist und jederzeit darüber verfügt werden kann.“ Tagesgeld kann zudem auch als Baustein für den sicheren Teil der Geldanlage genutzt werden, der keinem Wertschwankungsrisiko unterliegen soll. Gerade in Zeiten mit eher größeren Schwankungen an den Börsen kann das ein Gedanke sein.
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