1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Immobilien
  4. Dynamischer Stromtarif: Kosten, Vergleich & Co.

Dynamischer StromtarifWann sich ein dynamischer Stromtarif lohnt

Seit Januar 2025 müssen Energieversorger dynamische Stromtarife anbieten. Wie diese Tarife funktionieren und für wen sie sich eignen. Ein Überblick.Martin Gerth, Sören Imöhl 10.10.2025 - 11:44 Uhr

Nutzer können ihre Stromkosten durch dynamische Stromtarife senken. Doch wie funktioniert ein solcher Tarif und wie bekomme ich einen?

Foto: dpa

Im Januar 2025 brach im deutschen Strommarkt eine neue Ära an. Seitdem sind alle Stromversorger gesetzlich verpflichtet, Kunden mit intelligentem Messsystem (Smart Meter / iMSys) mindestens einen dynamischen Stromtarif anzubieten (§ 41a EnWG). Diese Tarife bilden die über den Tagesverlauf schwankenden Strompreise ab. Die Preise sind je nach Tageszeit unterschiedlich hoch, weil die Spitzen beim Stromangebot und bei der Stromnachfrage zeitlich auseinander fallen. Mittags liefern beispielsweise Solarmodule viel Strom. Abends, wenn die privaten Haushalte Waschmaschinen einschalten oder ihr Elektroauto aufladen, fließt dagegen wenig bis gar kein Solarstrom ins Netz.

Die Tagesschwankungen haben mit der Energiewende hin zu den Erneuerbaren zugenommen. Denn anders als der Strom, den Gaskraftwerke erzeugen, fällt der Strom aus Wind- oder Solarparks unregelmäßig an. Bei einem Tarif mit einer festen Laufzeit und einem garantierten Preis kalkulieren Versorger mit einem Durchschnittspreis. Bei dynamischen Tarifen dagegen kann der Versorger unterschiedliche Preise für bestimmte Tageszeiten festlegen. So haben Stromkunden einen Anreiz, Strom dann zu verbrauchen, wenn er reichlich vorhanden und damit günstig ist.

Damit Energieversorger dynamische Stromtarife anbieten können, müssen in den Haushalten digitale Stromzähler, auch Smart-Meter genannt, verbaut sein. Seit 2025 haben Verbraucher einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass ihnen innerhalb von vier Monaten nach Antrag ein intelligentes Messsystem eingebaut wird, wenn sie einen dynamischen Tarif nutzen wollen. Diese Stromzähler senden die Verbrauchsdaten direkt an den Versorger, der so besser planen kann.

WirtschaftsWoche Chefgespräch

Eon-Managerin Rauch: „Es ist nur der kleine Moment Überwindung, bei dem man sagen muss: Ja, ich mach’s“

01.11.2024
Abspielen 46:09

Das wirtschaftliche Potenzial von Smart-Metern ist nicht zu unterschätzen. Denn immerhin 60 Prozent des Stromverbrauchs in privaten Haushalten lässt sich in andere Tageszeiten mit niedrigeren Strompreisen verschieben. „Allerdings haben Stromkunden nicht nur über den Geldbeutel einen Anreiz, ihren Stromverbrauch zu steuern. Viele wollen auch einen ökologischen Beitrag leisten“, sagt E.ON-Managerin Rauch.

Bei diesen Tarifen ist nicht allein die Menge der verbrauchten Kilowattstunden (kWh) für die Gesamtkosten entscheidend, sondern wann der Endverbraucher den Strom bezieht. Auch wenn der Haushalt insgesamt mehr verbraucht als vorher, kann er dennoch weniger zahlen, weil der durchschnittliche Strompreis niedriger ist.

Doch was genau ist ein dynamischer Stromtarif, wie teuer ist hier die kWh und was benötigen Verbraucher für einen solchen Tarif? Alle wichtigen Informationen auf einen Blick.

Was ist ein dynamischer Stromtarif?

Ein dynamischer Stromtarif unterscheidet sich von herkömmlichen Stromverträgen dadurch, dass der Strompreis je nach Angebot und Nachfrage auf dem Energiemarkt variiert. Während die kWh-Preise bei herkömmlichen Verträgen oft konstant bleiben und pauschal abgerechnet werden, können sich die kWh-Preise bei einem dynamischen Stromtarif stündlich oder sogar viertelstündlich ändern. Der jeweilige Preis ist von der aktuellen Belastung des Stromnetzes, der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, der Nachfrage am Markt und vielen anderen Markteinflüssen abhängig.

Seit dem 1. Oktober 2025 stellt die europäische Strombörse EPEX Spot ihre Preisbildung neu auf: Die Day-Ahead-Preise werden nicht länger stündlich, sondern im 15-Minuten-Takt ermittelt („Market Time Unit 15 Minutes“). Damit spiegeln die Börsenkurse die Schwankungen von Angebot und Nachfrage im Netz deutlich präziser wider.

Kunden mit einem dynamischen Stromtarif können gerade dann von niedrigeren Strompreisen profitieren, wenn die Nachfrage gering ist oder erneuerbare Energien reichlich verfügbar sind. Das ist typischerweise in Zeiten mit geringer Stromnachfrage oder einem hohen Stromangebot der Fall. In diesen Zeiten ist die Kilowattstunde dann in der Regel besonders günstig. Andererseits können die Preise steigen, wenn die Nachfrage hoch ist oder die Energieversorgung knapp wird. Das passiert häufig, wenn die Strommenge aus Solar oder Wind gering ist, sodass diese fehlende Menge aus fossiler Stromproduktion ausgeglichen werden muss. Das führt dazu, dass der kWh-Preis steigt.

Um einen dynamischen Stromtarif optimal zu nutzen, müssen Verbraucher ihren Stromverbrauch aktiv steuern. Smart-Home-Technologien und intelligente Stromzähler können dabei helfen, den Stromverbrauch zu überwachen und zu steuern, um die Stromkosten zu minimieren.

Was ist nötig, um einen dynamischen Stromtarif zu nutzen?

Um einen dynamischen Stromtarif abzuschließen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Bisher war es nötig, den Anbieter zu wechseln, wenn der bisherige Versorger keinen solchen Tarif anbot. Seit Januar 2025 ist jeder Versorger verpflichtet, solche Tarife anzubieten – ein Wechsel ist nur noch aus Preisgründen interessant.

Notwendig bleibt es dagegen, einen digitalen Stromzähler (Smart-Meter) zu installieren. Smart-Meter sind Messgeräte, die den Energieverbrauch eines Haushalts oder eines Unternehmens genau erfassen und die Daten drahtlos an den Energieversorger übertragen. Diese Geräte sind typischerweise für dynamische Stromverträge notwendig, da sie den Stromverbrauch in Echtzeit erfassen. Sie ermöglichen es damit, den Verbrauch präzise zu überwachen, sowohl für den Stromkunden auch für den Energieversorger. So können die Stromanbieter ihre Stromtarife entsprechend anpassen. 

Eine stabile Internetverbindung und eine gut funktionierende Kommunikationsinfrastruktur sind unerlässlich, um Daten zwischen Smart-Meter und dem Stromanbieter auszutauschen. Viele Anbieter dynamischer Stromtarife bieten ihren Kunden Apps für das Smartphone, die eine Überwachung und das Reagieren aus der Ferne ermöglichen.

Seit April 2025 gilt zudem eine Neuerung im Energierecht: Netzbetreiber dürfen ihre Entgelte erstmals zeitvariabel staffeln (§ 14a EnWG). Für Verbraucher ist das von Gewicht: Die Netzentgelte schlagen im Schnitt mit rund 10,9 Cent pro Kilowattstunde zu Buche – das sind knapp 28 Prozent des Strompreises. Darauf verweist die Strompreisanalyse 2025 des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Für Hochlast-, Normal- und Niedriglastzeiten können unterschiedliche Preise aufgerufen werden. Damit bestimmt nicht länger allein der Börsenstrompreis die Höhe der Rechnung, sondern auch der Zeitpunkt der Netznutzung. Wer über steuerbare Verbraucher wie Wärmepumpen, Wallboxen oder sogar energieintensive Anwendungen wie Bitcoin-Mining verfügt, kann seine Kosten deutlich drücken – vorausgesetzt, der Stromverbrauch lässt sich in günstige Zeitfenster verschieben.

Wann lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?

Dynamische Stromtarife sind dann von Vorteil, wenn die Kunden bereit sind, ihren Energieverbrauch an unterschiedliche Tageszeiten anzupassen. Dies ist möglich, wenn sie energieintensive Aktivitäten – beispielsweise Wäschewaschen oder Geschirrspülen – in Zeiten mit niedrigeren Strompreisen verschieben. Besonders effektiv ist diese Methode, wenn sich die Geräte mit hohem Energieverbrauch über Smart-Home-Technologie automatisch starten und ausschalten lassen. Denn Menschen neigen dazu, gute Vorsätze im Alltag wieder zu vergessen. 

Strompreis aktuell

Das kostet die Kilowattstunde in Deutschland im Januar 2025

von Sören Imöhl

„Die meisten Kunden interessieren die Negativpreise, die es zeitweise gibt“, sagt Philipp Schröder, Gründer und Chef des Stromanbieters 1Komma5°. Mit dynamischen Stromtarifen profitieren Verbraucher davon. Preisspitzen in den Morgen- und Abendstunden sollen Kunden von 1Komma5° wiederum durch gespeicherten Solarstrom abpuffern. „Wir umfahren diese Spitzen immer, da unsere vollintegrierte Systemlösung, die von künstlicher Intelligenz gesteuert wird, automatisch auf den in der Batterie gespeicherten Strom für den Haushalt zurückgreift, ohne dass Kunden etwas machen müssen. Im Zweifelsfall greift unsere Preisgarantie, sodass unsere Kunden doppelt geschützt sind“, sagt Schröder. „Auf das Jahr hochgerechnet macht das einen großen Unterschied im Preis.“

Wie unterscheiden sich die Tarife der Anbieter?

Da seit Januar 2025 alle Versorger verpflichtet sind, mindestens einen dynamischen Tarif anzubieten, stellt sich nicht mehr die Frage „ob“, sondern „wie“ die einzelnen Angebote ausgestaltet sind. Unterschiede gibt es vor allem bei:

  • Höhe des Grundpreises
  • App- und Smart-Home-Integration
  • Zusatzleistungen wie Preisgarantien, Speicherintegration oder Boni für Flexibilität

Worauf kommt es bei den Vertragsklauseln an?

Stromkunden sollten darauf achten, dass sie sich nicht an lange Mindestvertragslaufzeiten binden, sondern innerhalb von vier Wochen kündigen können. So können sie vermeiden, in einem dynamischen Stromtarif gefangen zu sein, der sich für sie unterm Strich dann doch nicht auszahlt. Grundsätzlich sollten Kunden den verbrauchsunabhängigen Grundpreis dynamischer Strompreise vergleichen, weil sich in diesem Posten gravierende Preisunterschiede verbergen.

Wie hoch ist der aktuelle Strompreis an der Börse?

Die Strompreise an den Großhandelsmärkten haben sich im Herbst 2025 auf vergleichsweise moderatem Niveau eingependelt. Im Day-Ahead-Handel notiert Strom derzeit meist zwischen sieben und neun Cent je Kilowattstunde.

Auf dem Terminmarkt für das Lieferjahr 2026 liegen die Kontrakte bei etwa 8,5 bis 9,5 Cent. Für Verbraucher bedeutet das jedoch nur bedingt Entlastung: Auf die Endpreise schlagen zusätzlich Netzentgelte, Steuern und Abgaben durch.

Wie hoch ist der Strompreis in normalen Stromtarifen für Neukunden 2025?

Laut dem Vergleichsportal Verivox liegt der durchschnittliche Kilowattstundenpreis laut Strompreisindex aktuell bei rund 35 Cent. Neukunden zahlen mit durchschnittlich 27 bis 29 Cent pro Kilowattstunde deutlich weniger.

Warum ist ein hoher Stromverbrauch nicht automatisch schlecht?

Der reine Stromverbrauch gibt nur begrenzte Auskunft über die Nachhaltigkeit und ist nicht automatisch negativ zu bewerten. Die Herkunft des Stroms und der Zeitpunkt des Verbrauchs sind von wesentlich größerer Bedeutung. Eine Person, die beispielsweise 5000 Kilowattstunden Strom im Jahr im dynamischen Tarif aus 100 Prozent Ökostrom bezieht, wird auf eine bessere CO2-Bilanz kommen und mehr zur Energiewende beitragen als eine Person, die lediglich 2000 kWh Strom bezieht, der aber aus fossiler Erzeugung stammt.

Dynamische Stromtarife könnten dazu beitragen, Angebot und Nachfrage im Strommarkt besser ins Gleichgewicht zu bringen. Dass es daran hapert, zeigen Daten der Bundesnetzagentur. Im ersten Quartal 2025 mussten demnach rund 4144 Gigawattstunden Strom wegen Netzengpässen abgeregelt werden – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Insgesamt summierten sich die Maßnahmen des Netzengpassmanagements auf knapp 9000 Gigawattstunden und verursachten Kosten von rund 855 Millionen Euro.

Ein solcher Eingriff treibt die Netzentgelte und damit die Strompreise für Verbraucher. Zugleich stieg der Anteil erneuerbarer Energien in den ersten Monaten 2025 auf etwa 60 Prozent der Stromerzeugung. Mit dem wachsenden Ausbau steigt der Druck, flexible Verbrauchslösungen wie dynamische Tarife oder steuerbare Geräte breit einzuführen. Denn je effizienter überschüssiger Strom genutzt wird, desto geringer fallen die teuren Eingriffe zur Netzstabilisierung aus.

Die Bundesnetzagentur hat im Mai 2025 zudem eine Reform des Netzentgeltsystems („AgNeS“) zur Diskussion gestellt. Ziel ist es, Netzkosten stärker nach Kapazität, Anschlussgröße oder Einspeisung zu bemessen – nicht mehr nur nach verbrauchter Energiemenge.

Im Jahr 2025 hat die installierte Photovoltaikleistung in Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur die Marke von 100 Gigawatt überschritten. Laut aktuellen Zahlen belief sich die Gesamtleistung im Juli 2025 auf rund 107,5 Gigawatt, nach etwa 90,4 Gigawatt im Juli 2024. Das ist eigentlich eine positive Entwicklung, aber auch eine, die die Netzstabilität in Deutschland gefährdet, wenn das Stromnetz nicht parallel dazu modernisiert wird. Das „Handelsblatt“ zitierte vor diesem Hintergrund Maik Render, Chef des Regionalversorgers N-Ergie: „Wenn der Zubau einfach ungebremst weitergeht, steigt die Gefahr, dass es zu instabilen Netzsituationen kommt.“

Es ist daher von großer Bedeutung, den Fokus auf überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu legen, der ohne Abnehmer nicht nur regionale Engpässe verursachen und Entschädigungszahlungen zur Folge haben kann, sondern letztlich auch die Strompreise für die Verbraucher erhöht.

Grundlegendes zum Thema Bitcoin (BTC):

Dynamische Stromtarife sind wegen ihrer Flexibilität ein wichtiger Baustein für die Energiewende. Sie ermöglichen es Verbrauchern, ihren Stromverbrauch besser an die Verfügbarkeit erneuerbarer Energiequellen wie Wind und Sonne anzupassen. Dadurch können der Bedarf an konventionell erzeugtem Strom verringert und erneuerbare Energien leichter ins Stromnetz integriert werden. Zudem schaffen dynamische Stromtarife Anreize für Investitionen in Energiespeichertechnologien, um überschüssige Energie zu speichern und bei Bedarf zu nutzen. 

Der Erfolg dynamischer Stromverträge hängt jedoch von der Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit entsprechender Technologien sowie von der Bereitschaft der Verbraucher ab, ihr Verhalten anzupassen und den Verbrauch gezielt in Zeiten mit einem günstigen kWh-Preis zu legen.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im Februar 2024 bei der WirtschaftsWoche. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick