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Investitionen häufig unwirtschaftlich Politik treibt Hausbesitzer in Energiesparwahn

Die Energiewende im Eigenheim ist oft unwirtschaftlich. Das Mammutprojekt braucht bessere Planung und Förderung. Hauseigentümer sollten sich Ansprüche auf Schadenersatz offenhalten.

Energetisch sanieren kostet viel Geld. Nur über die Energieersparnis rechnen sich Maßnahmen häufig nicht. Quelle: dpa, Montage

Die Meldung kam unmittelbar vor dem Energiegipfel und ging zwischen Energiewende-Gezänk der Politiker und Zypern-Krise ziemlich unter: Die staatliche Förderbank KfW hat in einer Pressemitteilung zu den volkswirtschaftlichen Konsequenzen der Energiewende eingeräumt, dass sich aus heutiger Sicht die Investitionen in energieeffizientes Bauen und Sanieren „nicht allein aus den eingesparten Energiekosten refinanzieren lassen“. Anders gesagt: Energetische Sanierung amortisiert sich nicht durch die Energieersparnis, der Hausbesitzer zahlt also drauf. Das ist ein Ergebnis einer umfangreichen Studie der Prognos AG im Auftrag der KfW Bankengruppe, die die energetische Gebäudesanierung jährlich mit 1,8 Milliarden Euro fördert.

Der Fokus der Studie lag auf den volkswirtschaftlichen Effekten, die Investitionen zur Erhöhung der Energieeffizienz in Wohngebäuden auslösen – also die Wirkung auf Wachstum, Beschäftigung und öffentliche Haushalte. Dazu konstruierte Prognos verschiedene Szenarien, die unterstellen, dass die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung bis 2050 erreicht werden. Volkswirtschaftlich zieht die KfW ein positives Fazit für die Energiewende: Pro Jahr könnten zwischen 200.000 und 300.000 Arbeitsplätze gesichert werden, die Investitionen trügen jährlich 0,4 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum bei, und die Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge lägen im Jahr 2050 um 25 Milliarden Euro über den Ausgaben für Fördermittel. „Große Investitionen in den Klimaschutz tragen maßgeblich zu Wachstum und Beschäftigung bei“, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

Aber was die Energiewende im Gebäudebestand für die Wirtschaft und öffentliche Haushalte bringt, bleibt sie dem Hauptfinanzier der Energiewende – also dem Verbraucher und Hauseigentümer – leider schuldig. Ein erschreckendes Ergebnis der Prognos-Studie: Notwendigen Investitionen von insgesamt 838 Milliarden Euro bis 2050 stehen eingesparte Energiekosten von 372 Milliarden Euro gegenüber. Nicht einmal die Hälfte der Kosten für energieeffizientes Bauen kommt über die Ersparnis wieder rein. Bauherren und Hausbesitzer, die für einen niedrigeren Energieverbrauch ihrer Gebäude viel Geld in die Hand nehmen, werden so erst recht zum Zahlmeister: Ihre Investitionen sind ökonomisch ein Verlustgeschäft. Eine ganze Industrie wird so vom Verbraucher subventioniert.

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Deutschland saniert seine Häuser und will dabei möglichst viel Energie sparen. Aber die Erkenntnis reift, dass die Investitionskosten in keinem Verhältnis zu den erzielbaren Energieeinsparungen stehen. Dabei gibt es nun erstmals Belege der Deutschen Energie-Agentur (dena) darüber, wie hoch die tatsächlich realisierte Energieeinsparung bei energetisch sanierten Gebäuden ausfällt und ob sich die ehrgeizigen Prognosen aus der Planungsphase erfüllen. Die Studie, die die dena am 26. März veröffentlicht hat, kommt mit kleinen Einschränkungen zu einem positiven Ergebnis. Bei den 63 untersuchten, hocheffizient sanierten Gebäuden war im Durchschnitt einen Energieersparnis von 80 Prozent angestrebt worden. Erreicht wurde in einer mehrjährigen Auswertung im Schnitt eine Senkung des Endenergieverbrauchs von 76 Prozent. Der Energieverbrauch pro Quadratmeter und Jahr sank so von 223 Kilowattstunden (kWh) auf 54 kWh. Das ist zwar weniger als die geplanten 45 kWh, aber immer noch ein gutes Ergebnis.

Wirtschaftlichkeit zweifelhaft

Tipps zum Sparen von Heizkosten
Heiztemperatur richtig wählen Quelle: dpa
Temperaturabsenkung bei Abwesenheit Quelle: dpa
Türen, Fenster und Rolllädenkasten abdichten Quelle: dapd
Heizkörper entlüften Quelle: Ewald Fröch - Fotolia.com
Gerade der Brenner von Heizungsanlagen – gemeinhin Heizkessel genannt – muss regelmäßig eingestellt werden, Quelle: Kadmy - Fotolia.com
Heizkörper frei lassen, zur Wand isolieren Quelle: dpa
Thermostat digitale Temperaturregelung Quelle: sugar0607 - Fotolia.com

Allerdings bleibt die Studie eine Antwort auf die Frage schuldig, ob damit auch die Wirtschaftlichkeitsprognosen der Sanierungsmaßnahmen aufgehen. Die durchschnittlichen Mehrkosten für die energetische Optimierung hat die Deutsche Energie-Agentur nicht den eingesparten Energieausgaben gegenübergestellt. In anderen Untersuchungen hat die dena zwar die Wirtschaftlichkeit von energetischen Sanierungsmaßnahmen bestätigt, sofern ohnehin dringender Sanierungsbedarf besteht. Wer jedoch nur wegen der in Aussicht gestellten Energieersparnis saniert und darauf baut, dass sich die Investition über die Energieersparnis refinanziert, geht weiterhin hohe Risiken ein.

Für Sanierungswillige ist das Investieren in die energetische Gebäudesanierung nur ungenau kalkulierbar. Denn auch in der aktuellen dena-Studie gibt es unter den untersuchten Gebäuden einzelne Ausreißer, die deutlich die geplante Energieersparnis verfehlten. Diese Fälle werden noch genauer untersucht. Fest steht jedoch, dass die spezifischen Gebäudeeigenschaften und das Nutzungsverhalten der Bewohner – das sich nach erfolgter Sanierung durchaus ändern kann – eine große Rolle spielen. Außerdem stellt die dena nochmals fest, dass unsanierte Gebäude regelmäßig einen geringeren tatsächlichen Energieverbrauch im Vergleich zum berechneten Energiebedarf aufweisen – im Durchschnitt verbrauchen die Gebäude elf Prozent weniger Energie als die Bedarfsberechnung – wie sie auch Energieberater in der Regel verwenden - glauben macht. Gingen die Kalkulationen von einem Bedarf von 250 kWh pro Quadratmeter und Jahr aus, so waren es im tatsächlichen Verbrauch lediglich 223 kWh. Kritiker sprechen sogar von deutlich größeren Abweichungen. Das sollten Immobiliensanierer unbedingt im Hinterkopf behalten, wenn sie die Wirtschaftlichkeit und Amortisationszeit der Sanierungsvorhaben berechnen.

Typische Baumängel in Altbauten

Der Erfolg einer energetischen Gebäudesanierung unter Investitionsaspekten hängt somit wesentlich von einer individuell erstellten, präzisen und unter realistischen Vorgaben erstellten Planung ab. Auch die gewährten Fördermittel sollten in die Betrachtung einfließen. Weil aber die Skepsis unter den Immobilienbesitzern wächst, sank die Sanierungsrate im Gebäudebestand zuletzt auf 0,7 Prozent. Gelingt es nicht, jährlich zwei Prozent des Gebäudebestands energetisch auf Vordermann zu bringen, sind die von der Regierung formulierten Klimaziele mit einem um 80 Prozent gesenkten Energiebedarf bis 2050 definitiv nicht zu schaffen. Schließlich fließen in die Gebäude hierzulande rund 40 Prozent der gesamten verbrauchten Endenergie. Etwa ein Drittel der von Deutschland zu verantwortenden CO2-Emissionen entstehen hier.

Schon in der Planungsphase einer Sanierung läuft einiges schief. Thomas Welter, Geschäftsführer beim Bund Deutscher Architekten (BDA) ist der Überzeugung, dass sich der Gebäudebestand günstig sanieren lässt, so dass es sich rechnet. „Derzeit fördert die Staatsbank KfW mehrheitlich Einzelmaßnahmen bei der Gebäudesanierung. Das führt dazu, dass jeder Anbieter einzelner Gewerke die beste Lösung verkaufen will – ungeachtet, ob die Maßnahme im Rahmen eines Gesamtkonzeptes sinnvoll und angemessen ist“, sagt Welter. „Wenn wir so weitermachen, kommen wir in eine Kostenspirale. So ist die energetische Sanierung de facto zu aufwändig und zu teuer. Wir müssen uns die Frage stellen, ob sich das jeder leisten kann.“ Welter zufolge sind wirtschaftliche Sanierungen durchaus möglich. Dazu müssten sich aber gesetzliche Vorgaben und Anreizsysteme an integralen Konzepten orientieren. Die Politik hat die Anreizsysteme im Frühjahr zwar nachjustiert, auf einen Sanierungszwang für Bestandsgebäude bei der Novelle des Energieeinsparungsgesetzes (EneG) verzichtet und die Fördermittel erhöht, aber ein schlüssiges Gesamtkonzept fehlt.

So finden Sie einen Sachverständigen

Damit die energetische Sanierung des Gebäudebestands erfolgreich voran kommt, hat sich erst vor kurzem eine Allianz aus BDA, Deutschem Mieterbund (DMB), Naturschutzbund (NABU) und weiteren Partnern aus Industrie, Verbraucherschützern, Gewerkschaften und Umweltverbänden formiert. Die Allianz will die notwendige Debatte mit den politischen Entscheidungsträgern von Bund und Ländern anstoßen, um die Umsetzung der Regierungsziele durch das Zusammenspiel von Beratung, Fordern und Fördern zu forcieren. Gesucht ist ein verbessertes und weniger an Einzelmaßnahmen orientiertes Anreizsystem. „Wir müssen zu einem Sanierungsverständnis kommen, das eine  effiziente, aber möglichst einfache Lösung für den Gebäudebestand sucht“, sagt BDA-Geschäftsführer Welter.

Bessere Sanierungskonzepte gefordert

Wo es die schönsten Altbauten gibt
Alte GemäuerHistorische Gebäude sind bei den Deutschen beliebt. Wie sehr die Bundesbürger ihre Fachwerk- und Backsteinschätzchen lieben, zeigt jetzt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Immobilienunternehmens Pantera. Vor allem die Fassade hat es den Menschen (71 Prozent) angetan. Gerade Frauen zeigen sich begeistert von baulichen Besonderheiten wie den Stuck, einem Erker oder Sprossenfenstern. Quelle: dpa
InnenstadtoasenFür viele gehören historische Immobilien zum Stadtbild - 84 Prozent der Deutschen wünschen sich bei Innenstadt-Sanierungen die Restaurierung alter Gebäude statt Neubauten. 79 Prozent befürworten außerdem Steuervergünstigungen bei Modernisierungsarbeiten. Gerade in Städten wie Berlin gilt das Restaurieren von Altbauten als gute Investition. Lange Zeit stand das denkmalgeschützte Haus Cumberland (Bild) am Kurfürstendamm leer. Ende 2012 sollen die Sanierungen abgeschlossen und neue Mieter eingezogen sein. Quelle: dpa
Steuervorteil und MieterlustDie Investition in eine alte Immobilie kann sich durchaus lohnen. Die Umfrage zeigt, dass vier von zehn Deutschen grundsätzlich bereit sind, für das Wohnen im denkmalgeschützten Gebäude mehr Miete zu bezahlen. Das trifft besonders auf Bewohner von Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern zu (47 Prozent). Beim Kauf einer historischen Immobilie würden immerhin 31 Prozent einen höheren Preis akzeptieren. Zusätzlich lockt der Staat mit Steuervorteilen bei der Sanierung von denkmalgeschützten Häuser. Vor allem in zentralen Lagen in der Stadt und bei Vermietung kann die Rechnung bei einem Kauf aufgehen. Nicht alles lassen die Interessenten den alten Objekten aber durchgehen. Einen schlechteren Energiesparstandard akzeptieren Bundesbürger auch in Altbauten nicht. 53 Prozent befürworten allerdings staatlichen Hilfen wie günstige Kredite oder Zuschüsse, um energiesparende Investitionen umzusetzen. Quelle: dpa
Zentrale LageGerade in Großstädten - wie hier in Berlin - finden sich ganze Viertel mit Wohnhäusern aus der Gründerzeit. Doch nicht allen Städten gelingt es in den Augen der Bevölkerung gleichermaßen, die historische Bausubstanz zu erhalten. Quelle: dpa
RankingDie Allensbach-Umfrage zeigt, welche Städte sich für die Erhaltung der historischen Bausubstanz ins Zeug legen. Düsseldorf - hier ein Bild des modernen Medienhafens - gehört nicht dazu. Nur fünf Prozent der Befragte glauben, dass die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen gute Arbeit beim Erhalt historischer Bauten leistet. Im Vorjahr waren es noch sieben Prozent. Quelle: obs
StuttgartDas Stuttgarter Schloss erscheint dem Besucher im guten Zustand. Das gilt nicht für alle historischen Gebäude in der baden-württembergischen Hauptstadt, glauben die Deutschen. Nur acht Prozent beurteilen den Umgang mit denkmalgeschützten Immobilien als gelungen. Quelle: dpa
Main-MetropoleFrankfurt ist bekannt für seine Hochhäuser-Skyline. Die historischen Immobilien machen auf die Bundesbürger jedoch keinen guten Eindruck - nur neun Prozent glauben, dass sich die deutsche Bankenhauptstadt ausreichend für den Erhalt alter Häuser einsetzt. Quelle: dpa

Die Allianz spricht sich etwa gegen Sanierungszwang aus und betont die  Notwendigkeit klarer marktwirtschaftlicher Anreize. „Wir haben es mit einem Dilemma zu tun. Eine Wohnungsgesellschaft kann zum Beispiel alle Aspekte von Sanierungsmaßnahmen berücksichtigen  und so sogar in schrumpfenden Regionen zu erfolgreichen Konzepten gelangen. Die professionellen Immobilieneigentümer schaffen mit ihren umfassenden Gesamtkonzepten nämlich gute Amortisationszeiten. Aber das funktioniert nicht bei Einzeleigentümern und Eigentümergemeinschaften, die vor allem bei gegebenen Sanierungsanlass die energetische Optimierung ins Auge fassen“, erklärt Welter. „Wir brauchen statt der einseitigen und kurzfristigen Betrachtung einzelner Bauwerke also quartiersbezogenen Sanierungsstrategien als Bestandteil integrierter Stadtentwicklungskonzepte. Statt das Maximum an Energieersparnis für jedes einzelnes Gebäude zu erreichen, sollten sich die Energiekonzepte gleich auf ein ganzes Quartier beziehen. Dann könnten etwa sparsame Gebäude weniger energieeffiziente Denkmäler mittragen.“

Damit Hauseigentümer sinnvoll und realistisch kalkulieren können, bedarf es neben tatsächlichen Verbrauchswerten des unsanierten Gebäudes und aus der Erfahrung mit bereits sanierten Gebäuden auch einer intensiveren und vor allem umfassenderen Beratung. Derzeit sanieren viele Hausbesitzer auch energetisch, wenn ohnehin ein Anlass zur Sanierung – etwa eine Erneuerung der brüchigen Hausfassade – fällig ist. Dann schreibt der Gesetzgeber jedoch eine Fassadendämmung vor. Nur wenn sich die Maßnahme als unwirtschaftlich herausstellt, kann sich der Hausbesitzer von dieser Pflicht befreien lassen. Ob aber zum Beispiel nicht der Einbau einer neuen Heizanlage viel wirtschaftlicher wäre, bleibt ohne gegebenen Sanierungsanlass in der Regel unberücksichtigt. Der Bundesgerichtshof hat übrigens entschieden, dass die Wirtschaftlichkeit einer Maßnahme gegeben ist, wenn sich die Investition innerhalb von zehn Jahr amortisiert.

Ein langfristiges Sanierungskonzept für das gesamte Gebäude ist schon vor Beginn der ersten Baumaßnahme notwendig. Dann könnten die wirtschaftlichen Aspekte einzelner Maßnahmen priorisiert und in ein langfristiges Sanierungskonzept gegossen werden. Bei der derzeitigen Förderpraxis und den gesetzlichen Vorgaben sieht Thomas Welter die Gefahr, dass die Ziele für ein Sanierungskonzept zu hoch angesetzt und bekannte Technologien bevorzugt werden. „Derzeit ist es so, dass ohne Dämmung nichts geht. Die EnEV schreibt etwa nicht die Gesamtenergieersparnis vor, sondern diktiert dem Immobilienbesitzer, welche Wärmeleitfähigkeit die verwendeten Baustoffe maximal haben dürfen. Dabei gibt es abseits der starren Vorgaben durchaus sinnvolle Alternativen. Zum Beispiel gibt es Passivbürohäuser, die ganz ohne Dämmung auskommen. Die Förderung muss daher verstärkt technologieoffen und anbieterunabhängig sein. Das würde auch dem technologischen Fortschritt Vorschub geben, wie wir ihn etwa bei der Innendämmung von Gebäuden und der Verwendung natürlicher Dämmmaterialien haben.“

Gerade die Außendämmung steht wegen relativ hoher Kosten, baulichen Problemen wie Veralgung und Schimmelbildung und mehr immer wieder in der Kritik. Ein weiteres Problem: Die üblichen Gebäudedämmstoffe sind zwar vergleichsweise günstig, aber die sogenannte graue Energie – also die für die Herstellung der Dämmstoffe verbrauchte Energie – sowie die Entsorgungskosten für Dämmstoffe auf Polysterol-Basis (Styropor und ähnlich Schäume) werden in die Energiebilanz der Maßnahme überhaupt nicht eingerechnet. „Wir sollten an vielen Stellen lieber weniger sanieren, dafür aber wirtschaftlicher über den Lebenszyklus der Gebäude“, ist Welter überzeugt. Schließlich ist für einen Großteil des Gebäudebestands eine Sanierung immer noch wirtschaftlicher als ein Neubau“, so Welter.

Schadenersatz bei Fehlprognosen

So wollen die Deutschen wohnen
Grün macht glücklich: Laut einer Studie britischer Forscher von der University of Exeter sind Menschen, die einen eigenen Garten haben oder zumindest in einem Stadtteil mit vielen Grünflächen leben, zufriedener als Mieter aus Betonwüsten. Dafür haben die Forscher 600 Menschen befragen, die von einem weniger grünen Stadtteil in ein grüneres Viertel zogen, sowie 470 Menschen, die von einem grünen in einen zugebauten Stadtteil gezogen sind. Das Resultat: Wer in eine Gegend mit vielen Parks gezogen ist, war zufriedener, wer in die Betonwüste zog, wurde dagegen unzufriedener. Was den Deutschen innerhalb der eigenen vier Wände wichtig ist, zeigen die folgenden Bilder. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Licht und Luft: Das Immobilienportal Immonet hat seine Nutzer gefragt, was in ihrer neuen Wohnung unbedingt vorhanden sein soll. 2911 Wohnungssuchende haben darüber abgestimmt. Quelle: dpa
Schimmel, schwarze Fugen und klamme Handtücher im Bad - davon können offensichtlich viele Mieter ein Lied singen. Feucht-warmes Klima ist nicht nur ein idealer Nährboden für Schimmelpilze, auch Schädlinge wie Silberfische fühlen sich in dieser Umgebung wohl. 46 Prozent der Immonet-Nutzer wünschen sich in ihrer neuen Wohnung daher ein Bad mit Fenster. Nur so kann die Nasszelle optimal belüftet werden. Quelle: AP
Selbst zu kochen ist zwar etwas aufwendiger, dafür aber wesentlich günstiger, als jeden Tag den Pizza-Service anzurufen. Auf eine Einbauküche legen daher 40 Prozent der Befragten wert. Für Mieter, die nicht allzu lange in der Wohnung bleiben möchten, ist die Neuanschaffung aufwendig und teuer. Und bei einem Umzug lässt sich die Küche nicht nur schlecht transportieren, sie passt auch meist nicht in die neue Wohnung. Quelle: dpa
Wie der Boden aussieht, spielt für viele Wohnungssuchende eher eine untergeordnete Rolle. Nur acht Prozent der Befragten gaben an, dass in ihrer Wohnung unbedingt Parkett-Boden verlegt sein muss. Die übrigen Nutzer legen darauf wenig Wert und finden sich mit Fliesen, Laminat oder Teppich ab. Denn Parkett-Boden sieht zwar schön aus, aber der edle Holzboden ist auch empfindlich. Scharfe Reinigungsmittel, Stilettos oder die Krallen von Hundepfoten verträgt er nicht. Quelle: Presse
Viel Platz über ihrem Kopf wünschen sich sechs Prozent der Befragten. Für sie sind hohe Decken das wichtigste Kriterium. Diese sind zwar schick und Altbauwohnungen liegen voll im Trend, aber hohe Räume sind auch Energiefresser. Sie im Winter warm zu halten, kann richtig ins Geld gehen. Quelle: AP
Fazit: Die Immonet-Nutzer legen vor allem auf praktische Dinge Wert, wie das Fenster im Bad. Exklusive Ausstattung wie Parkett-Boden oder hohe Decken sind hingegen weniger gefragt. Das könnte mit den stetig steigenden Mieten zusammenhängen: Je höher die Preise desto geringer werden die Ansprüche. Quelle: Presse

Aber leider gibt es über die Wirtschaftlichkeit von energiesparenden Umbauten noch immer zu wenig gesicherte Erkenntnisse. In der Praxis hantieren Energieberater, Architekten, Planer und Bauhandwerk mit Einsparpotenzialen, die sich theoretisch aus bauphysikalischen Bedarfsberechnungen ergeben. Aber eine konsequente, auch mehrjährige Erfassung der tatsächlichen Energieersparnis – und damit die Basis die für Amortisationszeit der Sanierungskosten – bleibt unzureichend. „Das Monitoring der Sanierungseffekte findet zu wenig statt“, moniert Volkswirt Welter. Dadurch droht die geplante Wirtschaftlichkeit einer Gebäudesanierung zum reinen Hoffnungswert zu verkommen.

Wer bei einer Finanzierung einer Sanierung auch fest mit einem geringeren Energieverbrauch kalkuliert, geht somit immer auch ein Risiko ein. Damit die geplante Amortisation nicht womöglich wegen falscher Berechnungen oder überzogener Versprechungen der beteiligten Dienstleister nicht völlig aus dem Ruder läuft, sollten Hauseigentümer unbedingt ihren Anspruch auf Schadenersatz wahren.

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Für Wolfgang Haegele, Anwalt für Baurecht im oberfränkischen Pegnitz, bestehen für Bauherren Chancen auf Schadenersatz, wenn die Energieeinsparziele der Sanierungsmaßnahmen deutlich verfehlt wurden. „Entscheidend sind die vertraglichen Vorgaben für den Planer. Legt der Auftraggeber etwa ein Mindestziel für die angestrebte Energieersparnis fest, und wird dieses nach dem Umbau deutlich unterschritten, handelt es sich um eine Pflichtverletzung, die zum Schadenersatz führen kann“, sagt Haegele. Gerichte akzeptierten allerdings im Regelfall Abweichungen von den vereinbarten Zielen von plus/minus 25 Prozent. „Es kommt dabei immer auf den Einzelfall an. Je nach Aufwand und Volumen der Maßnahme und den formulierten Planungsvorgaben. Mit Zielformulierungen wie „eine Energieeinsparung von bis zu X Prozent“ könnten sich die Planer allerdings nicht aus der allgemeinen Haftung befreien. „Planer, Architekten und Berater haben schließlich Hinweis- und Aufklärungspflichten“, weiß Haegele aus Erfahrung.

Für Hauseigentümer und Bauherren, die konkrete Einsparziele mit ihrer energetischen Sanierung verfolgen und dabei wirtschaftlich haushalten wollen, rät Haegele dazu, das Beratungsergebnis möglichst konkret in den Planungsvorgaben und dem Bauauftrag festzuhalten. „Die Aussagen sollten möglichst verbindlich sein, zum Beispiel, dass eine Fassadendämmung mit beispielsweise 30 cm Dämmstoff eine Energieersparnis von soundsoviel Prozent bringt. Auch für die Kosten sollte zumindest ein Zielkorridor festgehalten werden, der nicht verlassen werden darf. Genaue Planungsvorgaben gehören schon in den schriftlichen Auftrag“, rät Anwalt Haegele. Dann haftet zum Beispiel der Energieberater, wenn die geplante Energieersparnis nicht eintritt.

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