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Wohnimmobilien Boom – und (k)ein Ende?

Bauland ist knapp und so teuer wie nie. Quelle: imago images

Die Preise für Bauland erreichen Rekordniveaus. Damit verteuern sie auch Häuser und Wohnungen. Der Trend läuft, schwächt sich in den Städten aber womöglich ab.

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An Rekorde am Immobilienmarkt haben Beobachter sich gewöhnt. Kaufpreise und Mieten sind in den vergangenen Jahren gestiegen – und auch in der Coronapandemie setzt sich der Boom fort. Der Trend hat sich sogar noch verbreitert und das Umland der Städte erfasst, wie der diesjährige Immobilienatlas der WirtschaftsWoche zeigt.

Ein Preistreiber sind dabei die anziehenden Kosten von Bauland. Robert Feiger, Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, sieht in ihnen sogar einen „der Hauptgründe, der das Bauen und Wohnen in Deutschland so teuer macht“. 

Für Immobilieninteressenten sind die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes daher eine schlechte Nachricht: Nie zuvor war Bauland in Deutschland so teuer wie 2020. Baureifes Land kostete im Schnitt 199 Euro pro Quadratmeter, zehn Jahre zuvor waren es nur 130 Euro. Ein Anstieg um mehr als die Hälfte.

Im Vergleich zu den Quadratmeterpreisen von Wohnungen und Häusern in Großstädten mögen die Werte vernachlässigbar erscheinen. Doch hinter dem bundesweiten Durchschnitt verbirgt sich, ähnlich wie bei den Immobilienpreisen auch, eine extreme Spreizung. Das zeigt sich schon bei den Werten der Bundesländer: Während Bauland in Bayern 349 Euro je Quadratmeter kostet, waren es in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern nur 46 bis 63 Euro.

Ein echter Kostenfaktor ist Bauland vor allem in den Städten. In den 14 größten Städten mit wenigstens 500.000 Bewohnern müssen Kaufwillige durchschnittlich rund 1200 Euro einplanen, allein für jeden Quadratmeter an Bauland. In Gemeinden mit unter 2000 Einwohnern sind es hingegen nur gut 70 Euro, erneut auf den bundesweiten Durchschnitt bezogen. 

Bauland ist gerade in Städten extrem knapp. So knapp, dass die Bundesregierung jüngst extra ein Baulandmobilisierungsgesetz verabschiedet hat, etwa um Baulücken und ungenutzte Grundstücke leichter erschließen zu können. Ein Ansatz, der die Knappheit aber keinesfalls schnell beenden wird.

Die Unterschiede bei den Baulandpreisen tragen zur Attraktivität von Gebieten im Umland der Städte oder sogar ihrem erweiterten Einzugsbereich bei - hier finden Interessenten eher noch bezahlbare Immobilienpreise. Die Baukosten selbst unterscheiden sich zwischen Stadt und Land natürlich deutlich weniger.

Der Trend ins Umland zeigt sich am Wohnimmobilienmarkt deutlich. So steigen die Eigenheim-Preise dort erheblich schneller als in den Städten, berichten die Marktforscher von Empirica mit Blick auf die Zahlen des zweiten Quartals. Womöglich bahnt sich in den Großstädten so ein Abflachen des Immobilienbooms an. 

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Empirica verweist dabei auch auf die Entwicklung der Einwohnerzahlen: Sie sei 2020 in Berlin und Frankfurt gegenüber dem Vorjahr nicht mehr gestiegen, in Stuttgart oder Düsseldorf sogar gesunken. Vor allem junge Familien wanderten auf der Suche nach einer großen, aber bezahlbaren Wohnung ins immer entferntere Umland.

Ausweichreaktionen sind angesichts der kräftigen Zuwächse der vergangenen Jahre verständlich: Neugebaute Eigentumswohnungen haben sich im zweiten Quartal deutschlandweit und zum gleichen Vorjahresquartal um 11,7 Prozent verteuert, so die Empirica-Daten. Im Rückblick über zehn Jahre seien ihre Angebotspreise um stolze 99 Prozent gestiegen. In den kreisfreien Städten liegt der Wert mit 119 Prozent noch höher, in Landkreisen bei nur 87 Prozent. Doch die Aufholjagd der ländlicheren Bereiche läuft - nicht in der Fläche, sondern immer dort, wo prosperierende Städte erreichbar sind. Durch die stärkere Akzeptanz von Homeoffice könnte sich diese Entwicklung auch nach dem Ende der Corona-Pandemie fortsetzen.

Mehr zum Thema: In den 50 größten Städten Haus und Wohnung erneut teurer geworden. Der Immobilienatlas nennt die besten Lagen, die besten Preise – und warum der Markt jetzt auch im Umland boomt.

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