Elsässers Auslese

Wie Sie Streitereien beim Vererben vermeiden

Markus Elsässer Value Investor

Den größten Schaden beim Vererben richtet nicht die Erbschaftssteuer an. Die sich abzeichnenden Streitereien unter den Erben haben oftmals viel schlimmere Folgen. Das lässt sich mit ein paar praktischen Tipps vermeiden.

Kreuz auf einem Friedhof. Quelle: dpa

Wenn es um das Vererben und Erben geht, schaut alles wie gebannt auf die Erbschaftssteuer. Je nach Vermögensgröße wird viel Energie auf mancherlei Klimmzüge verwandt, jene zu minimieren. Fachanwälte werden zu horrenden Honoraren bemüht, die letzten Cents an einer möglichen Ersparnis herauszuholen.

Die Auswüchse nehmen dabei zum Teil groteske Züge an. In manchem Industriefamilien-Clan können die Erben Ihren Wohnsitz nicht mehr frei wählen, da das gesamte Steuersparkonstrukt mit Karacho zusammenbrechen würde. Beispielsweise ist ein beruflich bedingter Umzug ins Ausland für einige dieser Erben schlicht und einfach nicht mehr möglich. Was für ein Irrsinn.

Die vererbende Generation zurrt steuerlich getriebene Konzepte zusammen, angeblich zum Wohl der Nachfolgegeneration, und kommt sich dabei richtig clever vor. Dabei bemerken die Altvorderen nicht, wie die künftigen Erben mit geballter Faust in der Tasche nur darauf warten, endlich an den Drücker zu kommen, um das ganze Steuermodell zu kippen. So sind Firmenverkäufe, die man an sich vermeiden wollte, quasi programmiert. Ich kann Ihnen versichern: Akquisitorische Investmentbanker haben da ganze „Sterbelisten“ wichtiger Firmenanteilseigner angelegt und verfolgen die Todesanzeigen sehr genau. Die Uhr tickt.

Schon am 8. Februar 2016 habe ich in meiner Kolumne unter dem Titel: „Wie Sie Ihre Kinder auf ein großes Erbe vorbereiten“ auf die viel tiefer gehende Komplexität des Erbvorgangs hingewiesen. In dem Beitrag habe ich näher ausgeführt, wie die Erbengeneration fachlich und moralisch mit Systematik auf ein bevorstehendes Erbe vorzubereiten ist.

Heute geht es mir um die Verantwortung der Erblasser, also der Menschen, die darüber zu entscheiden haben, wie mit Ihrem Erbe eines Tages zu verfahren ist. Dazu möchte ich Ihnen einige einfache Tipps geben, mit denen Sie Konflikte unter Ihren Erben von vornherein im Keim ersticken können:

Erstens: Hinterlassen Sie keinerlei „Baustellen“.

Es ist leider an der Tagesordnung, dass aus Bequemlichkeit unangenehme Geschichten, wie Rechtsstreitigkeiten, gutachterliche Bewertungen oder ungelöste Konflikte unter Firmengesellschaftern oder -teilhabern auf die lange Bank geschoben werden. Aus meiner Sicht ist das unverantwortlich. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen in den Genuss eines hohen Alters kommen, haben immer mehr Erblasser die Chance, noch zu ihren Lebzeiten „reinen Tisch“ zu machen. Wenn es sich vermeiden lässt, sollte sich die vorangehende Generation die allergrößte Mühe geben, ihren Erben keine angebissenen oder faulen Äpfel zu übergeben.

Was die Deutschen erben werden
Eine aktuelle Studie der Deutschen Bank zeigt: Viele Erben dürfen sich über Wohneigentum freuen. Bis 2060 werden laut Studie Wohnimmobilien im Wert von 2,7 Billionen Euro vererbt. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
Aber auch in den nächsten fünf Jahren bis 2020 ist das Erbvolumen bei dem Immobilien gewaltig. Immobilien im Wert von 100 Milliarden Euro sollen bis dahin vererbt werden. Den größten Anteil mit fast 60 Prozent machen Wohnimmobilien aus. Quelle: dpa
Die Studie macht aber auch auf einen Missstand aufmerksam. Es gibt in Deutschland aufgrund der alternden Bevölkerung einen Bedarf an barrierefreien Wohnungen für Senioren. 750.000 altersgerechte Wohnung fehlen demnach aktuell in Deutschland. Quelle: dpa
Von den circa acht Millionen reinen Seniorenhaushalten, leben 50 Prozent in Wohnungen die vor 40 Jahren gebaut wurden. Nur fünf Prozent leben bereits in einer barrierefreien Wohnung, so die Studie. Quelle: dpa
Aus diesem Mangel an altersgerechten Wohnungen und einer immer älter werdenden Bevölkerung werden in den kommenden Jahr massive Investitionen fällig. Die Studie schätzt das nötige Investitionsvolumen in den kommenden Jahren auf 40 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Die Studie schlägt vor, das Bedarfsproblem als Generationenprojekt aufzufassen. Viele ältere Leute überlassen schon vor ihrem Tod den Nachkommen das Haus, bleiben aber zunächst darin wohnen. Die Verfasser der Studie schlagen vor, dass die Erben als Gegenzug der Schenkung die Immobilie altersgerecht sanieren. Quelle: dpa
Alternativ zur Renovierung schlagen die Verfasser vor, die älteren Generationen sollten früher ausziehen und dafür von den Nachkommen die Kosten für einen anderen Alterswohnsitz tragen. Quelle: dpa

Zweitens: Vermögensstruktur auf die Erben anpassen

Strukturieren Sie auch schon in jungen Jahren, von Anfang an, Ihr Vermögen in Hinblick auf Ihre Erben. Als Beispiel nehme ich mich mal selbst. Ich habe zwei Erben, das sind meine beiden Söhne. Also ist für mich der „Faktor Zwei“ entscheidend. In der Praxis sieht das folgendermaßen aus:

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